Studie Netzdienliche Wärmepumpe : Elisabeth Zehetner: Die Wärmepumpe stabilisiert das Stromnetz
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner mit Franz Angerer, Geschäftsführer Österreichische Energieagentur (li.) und Richard Freimüller, Präsident Verband Wärmepumpe Austria, bei der Präsentation der Studie zur "Netzdienlichen Wärmepumpe der Zukunft".
- © FM Forum Industriemedien / PaukovitsDie Studie "Netzdienliche Wärmepumpe der Zukunft" wurde bereits vor einigen Wochen erstmals vom Fachmagazin TGA veröffentlicht: Online finden sich die Details hier, auch in der Printausgabe TGA 5/2026 können die Eckdaten hier nachgelesen werden. Die Quintessenz: Die Wärmepumpe wird in Zukunft netz- und marktdienlich betrieben werden und damit ein zentraler Baustein für die Transformation des Energiesystems werden.
Mit 9. Juli 2026 bekommt diese Studie, die von der Österreichischen Energieagentur im Auftrag von Wärmepumpe Austria erstellt wurde, auch politische Unterstützung: Staatssekretärin Elisabeth Zehetner präsentierte die Ergebnisse in einer Pressekonferenz - und stellte sich öffentlich voll hinter die Wärmepumpe und ihre Funktion als zentrale Zukunftstechnologie der Energiewende.
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Flexibilität ist günstiger als Kupfer
"Wärmepumpen sind ein intelligenter Baustein im Energiesystem und spielen eine Schlüsselrolle für die Resilienz unseres Energiesystems", so Zehetner. Denn auch wenn derzeit nur rund 22 Prozent des gesamten Energieverbrauchs auf Strom entfällt, sei die Elektrifizierung des Energiesystems der entscheidende Faktor für die Energiewende. Zehetner: "Wir brauchen die Elektrifizierung mit erneuerbarem heimischem Strom."
Das sei jedoch nur dann ohne überbordende Kosten für den Aus- und Umbau des Stromnetzes möglich, wenn flexible Verbraucher*innen den volatil erzeugten, erneuerbaren Strom dann abnehmen, wenn dieser verfügbar sei. "Flexibilität ist günstiger als Kupfer", sagt Zehetner: Daher sei es sinnvoll, das bestehende Netz und die Stromverbräuche intelligent zu steuern, ehe man teuer ausbauen müssen.
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Diese zentrale Logik sieht die Staatssekretärin durch die Studie über netzdienliche Wärmepumpen bestätigt: "Die Wärmepumpe ist von einem potenziellen Problem für das Stromnetz zu einer Netzlösung geworden." Die Wärmepumpe dann zu betreiben, wenn im Stromnetz "Platz ist", wie es Franz Angerer formulierte, macht die Transformation des Energiesystems überhaupt erst möglich.
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Wir brauchen die Elektrifizierung mit erneuerbarem heimischem Strom.Elisabeth Zehetner
Marktpreise statt Regularien
Von den positiven Effekten auf die Netzbetreiber sollen in Zukunft auch die Endverbraucher*innen profitieren können. Zehetner verweist in dem Zusammenhang auf die Systemnutzungsentgelte-Verordnung, deren Novellierung fertig und derzeit in Begutachtung sei. Mit dieser Verordnung werde es in Zukunft möglich sein, jene Endkund*innen zu belohnen, die ihre Wärmepumpe netzdienlich betreiben. Die Staatssekretärin kündigt ein Bonus-System für jene an, die dieser Logik folgen.
Eine klare Absage erteilt Zehetner den Forderungen, eine Verpflichtung zum netzdienlichen Betrieb oder gar einen verbindlichen Ausstiegspfad aus fossilen Heizsystemen gesetzlich festzuschreiben. "Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch über den Marktpreis und ohne Verpflichtungen erreichen". Denn die Wärmepumpe sei schon jetzt eine marktfähige Lösung und im Betrieb eines der günstigsten Heizungssysteme.
Die Wärmepumpe ist von einem potenziellen Problem für das Stromnetz zu einer Netzlösung geworden
Maximal 4 TWh Stromverbrauch
Laut Prognose der Österreichischen Energieagentur wird die Wärmepumpe im Raumwärmemarkt in den kommenden Jahrzehnten enorm an Bedeutung gewinnen. Demnach wird 2040 ein Drittel aller Gebäude mit Wärmepumpen nicht nur beheizt, sondern auch gekühlt werden. Franz Angerer prognostiziert einen Zuwachs von derzeit 500.000 Wärmepumpen auf dann 1,3 Mio. Geräte, womit die Wärmepumpe mit der Fernwärme gleichziehen wird.
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Der erneuerbare Strom dafür sei vorhanden, so der Energieagentur-Geschäftsführer: Nach seinen Berechnungen werde das einen Stromverbrauch von maximal 4 TWh verursachen, was derzeit einem Prozent des Gesamtenergieverbrauchs in Österreich entspricht. Die Herausforderung sei also nicht die Energiemenge, sondern die zeitliche Verfügbarkeit des Stroms.
Die zeitliche Verschiebung des Verbrauchs durch die Wärmepumpe, also die Ladung des Warmwasserspeichers oder der Gebäudehülle in Zeiten geringen Stromverbrauchs, sei in Verbindung mit Batteriespeichern zentral für das Gelingen der Energiewende.
Handwerk und Hausverwaltungen müssen nachziehen
Richard Freimüller betonte die technische Machbarkeit der Flexibilitätslösungen: "Nahezu alle in Österreich verbauten Wärmepumpen können jetzt schon flexibel und netzdienlich betrieben werden."
Hindernisse sieht der Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria an drei Stellen: Das Handwerk würde die Vorteile der Wärmepumpe und insbesondere die Kühlmöglichkeit noch zu wenig kommunizieren, die Hausverwaltungen würden sich noch zu oft gegen eine Wärmepumpen-Lösung im Mehrfamilienhaus aussprechen und so eine für Mieter*innen und das gesamte Energiesystem günstigere Lösung verhindern. Für beide Zielgruppen kündigte er eine Schulungs- und Informationskampagne an.
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Der dritte Problembereich seien die bekannten Hürden im Miet-, Wohn- und Eigentumsrecht. Hier versprach Elisabeth Zehetner, diese Themen auf der Agenda der Regierung zu haben und gemeinsam mit den Koalitionspartnern nach Lösungen zu suchen, um die Transformation des Energiesystems zu beschleunigen.