Vier wirksame Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Immoblienbestands : Sanierungsförderung: Planungssicherheit statt Zickzackkurs gefordert
Ulla Unzeitig, Wolfang Amann, Susanne Formanek: Die Sanierungsexpert*innen zeigen Wege zu einer erfolgreichen Förderlandschaft auf.
- © Petra RautenstrauchDie Förderungen für den Heizungstausch im Rahmen des EWP seien einfach zu hoch gewesen, soweit reicht die Übereinstimmung zwischen den Vertreter*innen der Heizungsbranche und der Politik. Im ersten Entwurf für eine Neustrukturierung der Förderlandschaft im Rahmen des Klimagesetzes, das am 3. Oktober vorgestellt werden und die Förderprogramme ab 2026 beinhalten soll, werden von Umweltminister Norbert Totschnig und Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner deutliche Kürzungen vorgesehen sein.
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Im Raum steht derzeit eine Förderung von rund 30 Prozent der Kosten statt wie bis Ende letzten Jahres 75 Prozent der Kosten für den Heizungstausch. Es sollen auch nur mehr etwas über 300 Mio. Euro pro Jahr dafür zur Verfügung stehen statt der 1,4 Mrd. Euro, die die Vorgängerregierung jährlich für Heizungssanierung vorgesehen hatte.
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„Gute Förderungen wirken nur dann, wenn sie konsistent, transparent und über mehrere Jahre abgesichert sind."Susanne Formanek, Renowave.at
Transparenz statt Sanierungsstopp
Basis der neuen Förderrichtlinien ist eine vom Klimaministerium Ende August präsentierte Analyse zur Effizienz der österreichischen Klima- und Energieförderungen, die vom Schweizer Prognos-Institut durchgeführt worden ist. Demnach müssten, so Totschnig, die Fördermittel zielgerichteter eingesetzt werden.
Diese Bestandsaufnahme als Grundlage für eine Weiterentwicklung der Förderlandschaft wird von den Sanierungsexpert*innen von Renowave.at begrüßt. Doch sie warnen vor Schritten, die Sanierungs-Projekte stoppen und das Vertrauen der Branche untergraben.
„Gute Förderungen wirken nur dann, wenn sie konsistent, transparent und über mehrere Jahre abgesichert sind. Nur so können öffentliche Mittel effizient eingesetzt und private Investitionen nachhaltig mobilisiert werden“, betont etwa Susanne Formanek, Vorstand und kaufmännische Projektleiterin von Renowave.at.
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Vorstandskollegin Ulla Unzeitig unterstreicht: „Sanierungen brauchen lange Vorlaufzeiten. Wer sich auf den Weg macht, muss sich darauf verlassen können, dass Anreize nicht plötzlich wegbrechen. Die Förderpolitik der letzten Jahre mit abrupten Kürzungen und Stopps über Nacht hat das Vertrauen vieler Engagierter erschüttert und wichtige Projekte ausgebremst.“
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Die Förderpolitik der letzten Jahre mit abrupten Kürzungen und Stopps über Nacht hat das Vertrauen erschüttert"Ulla Unzeitig, Renowave.at
Kürzungen schaffen Unsicherheit
Die aktuellen Einschnitte bei der Sanierungsoffensive und die geplante Verringerung der Förderintensität verdeutlichen den Mangel an verlässlichen Rahmenbedingungen. Renowave.at als Genossenschaft mit führenden Expert*innen bietet der Bundesregierung seine Expertise an, um Förderinstrumente praxisnah weiterzuentwickeln.
„Förderungen sind ein zentrales Steuerungsinstrument der Energiewende. Sie reduzieren Investitionsrisiken, lösen privates Kapital aus und ermöglichen Sanierungen auch für Haushalte mit geringeren Einkommen. Ohne stabile gesetzliche Rahmenbedingungen bleibt die Energiewende im Gebäudesektor Stückwerk“, erklärt Wolfgang Amann, Geschäftsführender Gesellschafter des IIBW – Institut für Immobilien, Bauen und Wohnen in Wien.
„Förderungen sind ein zentrales Steuerungsinstrument der Energiewende."Wolfgang Amann, IIBW
Vier relevante Punkte für wirksame Förderungen
Damit auch mit einem geringeren Bundesbudget als in den Vorjahren gute Ergebnisse erzielt werden können, müssen laut Renowave.at vier Prinzipien eingehalten werden:
- Kontinuität und Planbarkeit: Die Prognos-Studie selbst fordert Stabilität und Verlässlichkeit für die Zielgruppen. Das fordern auch die Vertreter*innen der Heizungsbranche für die Heizungssanierung: Stabile Rahmenbedingungen für die gesamte Legislaturperiode sind wichtiger als kurzfristige Marktanreiz-Programme.
- Bessere Abstimmung von Bund und Ländern, insbesondere zwischen Bundesprogrammen und Wohnbauförderungen im Bereich Sanierung. Speziell bei der Heizungssanierung ergab sich im Vorjahr zumindest theoretisch die Möglichkeit, dass bei richtiger Kombination aus Bundes- und Landesförderungen mehr als 100 Prozent der Sanierungskosten gefördert werden konnten.
- Marktwirkung beachten: Förderungen dürfen keine Preisspiralen antreiben, sondern müssen stabilisieren und langfristig Kostendegression ermöglichen. Hier besteht zusätzlicher Innovationsbedarf, und hier findet sich auch viel Zustimmung in der Heizungsbranche. Eine degressive Förderung, die nachvollziehbare Reduktionen der Förderhöhe über mehrere Jahre hinweg vorsieht, hat viele Fans.
- Verzahnung mit rechtlichen Reformen, etwa im Mietrechtsgesetz mit klaren Duldungspflichten und der Möglichkeit, bei Top-Sanierungen vom Richtwert in die Angemessenheit zu kommen, im Wohnungsgemeinnützigkeitsgesetz mit einer besseren Dotierung des Erhaltungs- und Verbesserungsbeitrags sowie im Wohnungseigentumsgesetz durch die rechtliche Verankerung von Klimaschutzmaßnahmen als Teil der ordentlichen Verwaltung.
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Gebäudebestand bleibt größter Hebel
Während energieeffiziente Neubauten oft im Fokus stehen, ist die thermisch-energetische Sanierung des Gebäudebestands entscheidend für das Erreichen der Klimaziele. Förderungen verkürzen die Amortisationszeiten, verbessern die Wirtschaftlichkeit und erhöhen die Bereitschaft von Eigentümer*innen, Gemeinden und Unternehmen zu investieren.
„Sanierung ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für Klimawandelanpassung. Wenn wir die Wärmewende ernst nehmen, müssen wir sie verlässlich finanzieren, mit vorausschauender Planung statt einem Zickzackkurs“, so Susanne Formanek und Ulla Unzeitig abschließend.