geht-e : Tiroler Start-up will das Stromnetz via Warmwasserspeicher entlasten

Wolfgang Gassler (links) und Stefan Jörer (rechts) haben geht-e gemeinsam gegründet.

Wolfgang Gassler (links) und Stefan Jörer (rechts) haben geht-e gemeinsam gegründet.

- © geht-e

Während über teure Batterien und Netzausbau diskutiert wird, steht die Energiewende längst in Österreichs Badezimmern, ist sich das Unternehmen "geht-e" sicher. Das Tiroler Start-up stützt sich dabei auf eine aussagekräftige Zahl: 650.000 Warmwasserboiler gibt es laut E-Control in Österreich – und diese will sich geht-e zu Nutze machen. Mit einer intelligenten Nachrüstung werden Altgeräte fit für PV-Überschuss und dynamische Stromtarife. Die bestehenden Boiler erhalten einen smarten Schalter, über den das Gerät eingeschaltet werden kann, wenn viel günstiger Ökostrom fließt oder die eigene PV-Anlage gerade Überschuss liefert. 

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Der günstigste Speicher steht bereits in unseren Kellern. Wir müssen ihn nur intelligent ansteuern, um das Stromnetz sofort zu entlasten.
Stefan Jörer, geht-e

Lastverschiebung im dreistelligen Megawatt-Bereich

Hinter dem Unternehmen stehen die beiden Informatiker Stefan Jörer und Wolfgang Gassler. Jörer ist Embedded- und IoT-Experte und hat etwa das Projekt rund um das weltweit erste KI-Fernglas geleitet, Gassler ist Tech-Stratege und Spezialist für skalierbare Datenplattformen. Gemeinsam wollen sie die Energiewende für alle zugänglich machen. „Der günstigste Speicher steht bereits in unseren Kellern. Wir müssen ihn nur intelligent ansteuern, um das Stromnetz sofort zu entlasten“, betont Jörer. Würde man nur die Hälfte der Boiler flexibel steuern, entspräche das einer verschiebbaren Last von mehreren hundert Megawatt.

Klein, aber oho: Der intelligente Schalter von geht-e. 

- © geht-e

Hardware mit Basis-Funktion, Abo-Modell für mehr

Smart wird ein alter Warmwasserspeicher mit geht-e in wenigen Schritten: Nach der Installation des intelligenten Schalters im Verteilerschrank, die in etwa 20 Minuten dauert, muss ein dynamischer Stromtarif her, das Start-up übernimmt bei Bedarf auch die Ummeldung. Für das ist eine Installationsgebühr von 199 Euro zu bezahlen, die auch die Hardware umfasst. Danach können Kund*innen die Hardware nutzen, um fixe günstige Zeitfenster automatisch abzupassen. 

Soll auch auf Spotpreise und eigenen PV-Überschuss intelligent optimiert werden, kommt ein Abo-Modell um fünf bis acht Euro monatlich dazu. Das gilt auch für die Automatisierung von mehreren Geräten gleichzeitig. Wird das Abo-Modell jährlich bezahlt, gibt geht-e eine Spargarantie ab. Sollte der Boiler keine Stromkosten einsparen, gibt es die Jahresgebühr zurück. Grundsätzlich rechnet das Start-up aber mit einer Einsparung von bis zu 200 Euro pro Jahr. Um den eigenen PV-Überschuss zu optimieren, liest der Schalter den Smart Meter im Gebäude aus und schaltet Boiler oder Pufferspeicher automatisch ein. Das macht das System außerdem unabhängig vom Wechselrichtermodell.

Das System eignet sich auch für Mehrparteienhäuser mit einer Photovoltaikanlage, die den Strom via einer Gemeinschaftlichen Erzeugungsanlage (GEA) teilen. Mit geht-e können dezentrale Boiler koordiniert angesteuert und somit der PV-Eigenverbrauch angehoben werden. Die Wohneinheiten bleiben autonom, der verfügbare Strom wird gerecht auf alle Bewohner*innen verteilt. Im nächsten Schritt will das Start-up sein Ökosystem demnächst auf weitere Verbraucher ausweiten: Da wäre etwa das Laden von E-Autos, die Ansteuerung von Haushaltsgeräten und Haustechnikgeräten wie Wärmepumpen. 

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