So.Cool : Auf der Suche nach dem Mitbewerb
Philippe Schmits von So.cool bei „2 Minuten 2 Millionen“
- © PULS 4/Gerry FrankEin bisschen mehr Coolness hätte Philippe Schmit sich vor seinem Pitch für die Start-up-Show "2 Minuten 2 Millionen" im Nachhinein vielleicht doch gewünscht. „Ich war nervös, als es begonnen hat, aber es echt Spaß gemacht zu pitchen“, erzählt der Gründer von Social Cooling, kürzlich unbenannt in So.cool Das gebäudetechnische Start-up stellte seine installationsfreie Klimaanlage am 24. März bei der Puls 4-Show vor. Mit Laudatio: Investor Erich Falkensteiner nannte Schmit einen "pfiffigen Teufel“, in der begleitenden Marketagent-Studie rund um Start-ups konnte So.cool sogar den ersten Platz belegen.
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Installationsfreie Klimaanlage: Finderlohn für die Konkurrenz
Das Wiener Start-up spricht eines der aktuell größten gebäudetechnischen Themen an: Den steigenden Kühlbedarf und die Herausforderung, Bestandsgebäude dafür mit Klimatisierung nachzurüsten. Bei den Investoren Mathias Muther und Alexander Schütz kam das technische Prinzip gut an, von 450.000 Euro für eine Beteiligung von zehn Prozent war die Rede.
Für Verunsicherung sorgte jedoch Eveline Steinberger, die erwähnte, bereits in eine marktreife, kleinere und ebenfalls installationsfreie Klimaanlage investiert zu haben. Diese „selbstsichere Falschaussage“ der Investorin will Schmit nicht länger auf sich sitzen lassen. Anfang April rief So.cool auf LinkedIn zu einer technischen Challenge auf: Wer das Konkurrenzprodukt identifizieren kann, wird entlohnt. Bei 500 Euro startete der „Finderlohn“, mit wöchentlichen Erhöhungen sind es inzwischen satte 3.000 Euro. „Uns schadet so eine Aussage extrem und deshalb haben wir uns entschieden, darauf zu reagieren“, erklärt Schmit. Das von Steinberger angesprochene Produkt sei wohl eine Monoblick-Klimaanlage gewesen, für die Bohrungen an der Außenwand notwendig sind und „das ist weit weg entfernt von installationsfrei.“
So.cool ist offen für Investitionen
Trotzdem – oder vielleicht sogar deshalb – wusste das junge Unternehmen die dadurch generierte Aufmerksamkeit für sich zu nutzen: Eine live Watch-Party im neuen Büro in der Wiener Seestadt diente gleichzeitig zur Produkt-Demo. Beim Event trafen sich bestehende Investoren der Pre-Seed-Runde, Interessenten für die nächste Finanzierungsrunde und Kunden bei angenehm gekühlter Raumtemperatur.
Wieso nach der Show eigentlich schon die nächste Finanzierungsrunde im Raum steht? Das versprochene Kapital der beiden Investoren von „2 Minuten 2 Millionen“ gab es dann doch nicht. „Es kam nie zur technischen Due Diligence. Das bedeutet ganz einfach, dass das Interesse doch nicht so groß war, was absolut fair und kein Problem ist. Wir haben ein Produkt, das super ist und hinter dem viele stehen – wir wollen Investor*innen ansprechen, die das Ganze gemeinsam mit uns aufbauen“, reagiert Schmit gelassen. Denn auf eine Garantie kann sich das Start-up verlassen: Das Marktpotenzial für Plug-and-Play Klimaanlagen gibt es.
Klimaanlage: Das installationsfreie Prinzip
Kein Außengerät, kein Abluftschlauch, keine Installation – das ist das Versprechen hinter dem Plug-and-Play Klimagerät. Wärmespeicherkapseln im Inneren des Geräts nutzen ein Phasenwechselmaterial zur Speicherung von Wärme und kühlen so den Raum. Drei Module ergeben das Gesamtsystem, das zwischen sechs und zwölf Stunden Nutzungsdauer, 17 kWh Speicherkapazität und eine Kühlleistung von ca. 3,5 kWh hergibt. Wenn der Raum leer ist, wird die gespeicherte Wärme in der Nacht in Form von Feuchtigkeit abgegeben, dabei sollte mindestens ein Fenster gekippt sein. Mit diesem Prinzip verbraucht So.cool bis zu 40 Prozent weniger Energie als vergleichbare Systeme und eignet sich für Büros, Schulen und öffentliche Räume.
Piloten im Sommer, Produktion im Oktober
Diesen Sommer sollen die ersten zehn Pilotgeräte ihren Dienst absolvieren, etwas später als geplant, dafür laut Schmit mit einem “besseren Produkt“: So.cool setzt bei den neuen Produkttypen neben dem modularen Aufbau mit einzelnen Wärmespeicherkapseln verstärkt auf Spritzguss und 3D-Druck. Die Testzeiträume sollen dazu dienen, in kurzer Zeit möglichst viel Input zu bekommen, Daten zu sammeln und zu vergleichen, wie unterschiedliche Kundensegmente reagieren.
Bei der „Pilotentour“ der steckerfertigen Klimaanlage werden unter anderem die Energie Steiermark, die Rewe-Gruppe in Köln, das Wiener Institute of Building Research & Innovation, zwei Gemeinden in Luxemburg, eine Hausverwaltung in Deutschland sowie ein Schweizer Zahnarzt dabei sein. Danach sei der Plan weiterhin, mit Oktober in die Produktion zu gehen und ab 2027 auszuliefern, erzählt Schmit. Man sei in Gesprächen mit der Stiwa Gruppe in Linz, aber auch mit Jabil in Wien.
Technische Add-Ons
Sind diese Hürden erstmal genommen, weiß So.cool bereits, wohin die weitere Reise für die installationsfreie Klimaanlage hingehen soll: Eine Funktionserweiterung um Luftreinigung und KI-Steuerung. „Wenn man die Klimaanlage das ganze Jahr über da stehen hat, kann man sie im Winter als Befeuchter nutzen und auch gleichzeitig die Luft reinigen“, erklärt Schmit. Dafür sollen integrierte Luftqualitätssensoren die Raumluft überwachen, während eine Luftfilterung dafür sorgt, dass die Gesundheit und Produktivität der Menschen im Raum unterstützt wird. Dazu soll 2027 eine KI-Steuerung kommen, die ähnlich wie bei E-Autos für „Smart Loading“ sorgt: Anstatt die gesamte Kapazität in einem Durchgang in Anspruch zu nehmen, sollen Sensoren erkennen, wann weniger Leistung erforderlich ist und so die Kühldauer des Systems verlängern.
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