Kommentar : Der Neubau produziert den Sanierungsbedarf von morgen
In Österreich wird einfach nicht gut genug gebaut. Das ist die These, die ich zur Diskussion stellen möchte: Wir bauen nicht so, wie es möglich und sinnvoll wäre – sondern so, dass der Sanierungsstau von übermorgen garantiert ist. Die derzeit in Österreich errichteten Gebäude haben laut Gebäudereport 2025 der Österreichischen Energieagentur im Durchschnitt einen Heizwärmebedarf von 29 kWh pro Quadratmeter im Jahr. Das ist Energieausweisklasse B für den analysierten Zeitraum von 2022 bis 2024, und entspricht dem sogenannten „Energiesparhaus“.
Laut EU-Gebäuderichtlinie sollte seit spätestens 2021 das „Niedrigstenergiehaus“ der Mindeststandard für neu errichtete Gebäude sein: Also ein Gebäude, das maximal 25 kWh/m2a an Heizwärmebedarf benötigt. Das ist weit weg vom Passivhaus-Standard, bei dem zumindest theoretisch keine extern zugeführte Energie für die Gebäudeklimatisierung benötigt wird, und noch weiter weg vom „Plusenergiehaus“, das darüber hinaus auch die benötigte Energie für Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom selbst zu erzeugen in der Lage ist.
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Der Sanierungsbedarf wird nicht kleiner werden.
Das Nullemissionsgebäude in weiter Ferne
Lassen wir außer Acht, dass dieser HWB von 29 kWh/m2a ein rein rechnerisch ermittelter Wert für den Energieausweis ist und das reale Verhalten des Gebäudes dann vermutlich näher bei einem HWB von 40 oder darüber liegt. Lassen wir außer Acht, dass das langfristige Ziel eigentlich die Etablierung des Nullemissionsgebäudes ist: Also von Gebäuden, die tatsächlich ohne fossile Energieträger im Betrieb auskommen.
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Lassen wir uns Folgendes auf der Zunge zergehen: Wir bauen heute Gebäude, die bei weitem nicht dem Stand der Technik und dem Stand des Wissens entsprechen. Wir bauen heute Gebäude, die den Weg zur Dekarbonisierung nicht ebnen, sondern ihm Steine in den Weg werfen. Das betrifft nicht nur das Thema Heizung, sondern ebenso die Kühlung: Dass der Kühlbedarf angesichts der steigenden Durchschnittstemperaturen zunimmt, wissen wir – und bei HWB 29 ist sichergestellt, dass die Abführung der sommerlichen Überwärmung auch in Zukunft technisch gelöst werden muss und zusätzlichen Energiebedarf verursacht.
Die Sanierung ist ohne Zweifel die derzeit größte und spannendste Herausforderung für die Branche. Aber so, wie wir heute im Durchschnitt neu bauen, ist eines sichergestellt: Der Sanierungsbedarf wird nicht kleiner werden.
Sorry, ich geh' jetzt eine Runde Kopfschütteln.