Bauen im Bestand : Erste Sanierung nach 2226-Prinzip

Das Sanierungsprojekt an der Universitätsstraße in Zürich ist das erste nach dem 2226-Prinzip.

Das Sanierungsprojekt an der Universitätsstraße in Zürich ist das erste nach dem 2226-Prinzip.

- © JZ 8439

Wie können bestehende Gebäude nachhaltig saniert und weitergenutzt werden? Dieser Frage haben sich Baumschlager Eberle Architekten anhand eines Sanierungsprojekts an der Universitätsstrasse in Zürich angenommen. Das Vorhaben knüpft an das Prinzip 2226 des Büros an – einem Gebäudeklimakonzept, das thermische Masse, intelligente Fensterlüftung und minimale Technik kombiniert, um ein energiearmes und wirtschaftlich nachhaltiges Arbeitsumfeld zu schaffen – und denkt den Ansatz weiter: Erstmals wurden die grundlegenden Ideen des Konzepts auf eine umfassende Bestandssanierung übertragen. 

Ziel war es, das vorhandene Bürogebäude mit möglichst einfachen und robusten Maßnahmen weiterzuentwickeln und dabei ein dauerhaft stabiles Raumklima zu schaffen – ohne den Einsatz komplexer Gebäudetechnik. Der Baukörper aus den 1970er-Jahren befindet sich in einem städtebaulich sensiblen Kontext: zwischen Universität, Wohnquartieren und öffentlichen Verkehrsachsen. Die Herausforderung bestand darin, den Bestand so zu transformieren, dass er heutigen Anforderungen an Effizienz, Komfort und Nachhaltigkeit entspricht, ohne seinen urbanen Charakter zu verlieren. Durch den Rückbau der abgehängten Decken wurde wertvolle Speichermasse freigelegt und die Raumhöhe deutlich verbessert. Eine neue Fassade mit reduziertem Glasanteil, opaken Elementen und klar gegliederten Lisenen stärkt die visuelle Präsenz des Gebäudes und verbessert seine energetische Performance. 

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Das Prinzip 2226 Hybrid: Architektur als klimawirksames System

Das Prinzip 2226 Hybrid basiert auf einem Paradigmenwechsel: Statt immer komplexerer Gebäudetechnik wirkt die Architektur selbst als Klimasystem. Die massiven Bauteile stabilisieren das Innenklima, während interne Wärmequellen wie Menschen, Geräte und Beleuchtung einen Großteil der Heizlast übernehmen. 

Bei diesem Projekt ermöglichen intelligent gesteuerte Fensterflügel eine fein abgestimmte bauphysikalisch gesteuerte Lüftung und Nachtauskühlung. Ergänzend dazu liefert die Photovoltaik-Fassade Strom unter anderem für den Betrieb der Luft-Wasser-Wärmepumpe und trägt zur Deckung des Strombedarfs bei. Das Ergebnis ist ein Raumklima zwischen 22 und 26 °C – ohne konventionelle Lüftungs- und Kühlsysteme, mit nur minimaler Heizlast. 

Lehmputz zur Feuchteregulierung und Masseaktivierung schafft ein gesundes Raumklima. 

- © JZ 6043

Lowtech im Gebäudebestand

Durch den Verzicht auf komplexe technische Systeme reduziert sich nicht nur der Energieverbrauch, sondern auch der Wartungs- und Betriebskostenaufwand über den gesamten Gebäudelebenszyklus – eine wirtschaftlich attraktive Nutzungsperspektive. Gleichzeitig erfüllt das Projekt die Voraussetzungen für hohe Nachhaltigkeitsstandards und strebt Zertifizierungen wie Minergie-P und BREEAM Refurbishment „Outstanding“ an. „Dieses Projekt zeigt, wie viel Potenzial im Bestand steckt, wenn man Masse, Material und Raum als aktive Klimakomponenten versteht", betont Susanne Schmid, Geschäftsführerin, Baumschlager Eberle Architekten Zürich.

Mit flexiblen Grundrissen, 1.418 m² Nutzfläche und einer großzügigen Dachterrasse bietet das Gebäude moderne Arbeitswelten. Die reduzierte Materialität – darunter Lehmputz zur Feuchteregulierung und Masseaktivierung – schafft ein gesundes Raumklima. Die Universitätstrasse 105 damit vor, wie bestehende Gebäude zu leistungsfähigen, nachhaltigen und wirtschaftlich attraktiven Stadtbausteinen transformiert werden können. 

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Das Bürogebäude aus den 1970ern wurde behutsam in einen neuen Lebenszyklus überführt.

- © BAUMSCHLAGER EBERLE ARCHITEKTEN

Architektonisches Facelit für 1970er-Bürogebäude

Außerdem galt es, das im Zeitgeist eines aufstrebenden Stadtquartiers errichtete Bürogebäude aus den 1970er-Jahren, sensibel in einen neuen Lebenszyklus zu überführen, ohne seinen architektonischen Charakter zu verlieren. Im Zuge einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Ort und seiner Geschichte sowie vor dem Hintergrund erhöhter gestalterischer Anforderungen seitens des Amts für Städtebau der Stadt Zürich entstand ein Gebäude, das sich am Bestand orientiert und zugleich zeitgemäße Nutzungen aufnehmen kann – ressourcenschonend und dauerhaft angelegt. 

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Die gemeinsam mit dem Amt für Städtebau entwickelte Materialisierung der Fassaden orientiert sich bewusst am Bestand: Ein rhythmisiertes Fassadenkleid sowie ein durch ein umlaufendes Band vom restlichen Gebäude abgesetztes Erdgeschoß gliedern den Baukörper. Zur besseren Integration des Bestandsgebäudes in den städtebaulichen Kontext greift die Überlagerung stark profilierter horizontaler und vertikaler Lisenen traditionelle Gesimse und Fassadenordnungen auf. Farblich abgestimmte Elemente aus eloxiertem Aluminium und opakem Glas prägen die Erscheinung.

Die großzügigen Fensterflächen konnten trotz Reduktion des Glasanteils erhalten werden und öffnen sich zum vorgelegten Platz sowie zu den angrenzenden Straßenräumen. Die Dachterrasse des Gebäudes wurde begrünt und dient als Aufenthalts- und Erholungsraum mit freiem Blick auf Stadt, See und Berge. Biodiverse Grünflächen und integrierte Nistplätze für Mauersegler tragen zu einem angenehmen Klima bei und unterstützen nicht zuletzt die positive Wahrnehmung des Ortes im Quartier. 

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