Meinung : Der Bau springt 2026 an (ein bisserl)
Der Marktforscher Andreas Kreutzer ist ein dankbarer Gesprächspartner. Weil er klare Meinungen hat und sich nicht scheut, diese auch dann zu äußern, wenn er damit aneckt. Und weil der Gründer und Geschäftsführer von Branchenradar diese Meinungen immer auch mit Zahlen, Daten und Fakten untermauern kann. Am Bau und im Baunebengewerbe ist Branchenradar für detaillierte Studien bekannt, die nicht immer auf Gegenliebe stoßen: Nicht zuletzt deshalb, weil er auch auf negative Entwicklungen den Finger draufhält.
Umso interessanter also, wenn er – wie Mitte Oktober – mit dezidiert positiven Äußerungen zur Entwicklung der Baukonjunktur an die Öffentlichkeit tritt. „Der Bau nimmt wieder Fahrt auf“, so seine Conclusio aus den ersten Zahlen für 2025 und seiner darauf fußenden Trendprognose für 2026. Auf diese Nachricht hat die Baubranche und das Nebengewerbe seit langem gehofft – aber es lohnt sich ein Blick auf ein paar Details, denn ganz so einfach ist das freilich nicht.
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Das Problem mit der Nachfrage
Nachfrageseitig ist die Baubranche seit spätestens 2022 im Minus: Es wurde schlicht weniger nachgefragt und weniger gebaut. Doch das wurde noch eine Zeitlang durch enorme Baupreissteigerungen überdeckt. Für den Wohnbau heißt das zum Beispiel, dass 2025 um mehr als ein Fünftel weniger gebaut wird als noch 2019, dem absoluten Bau-Hochkonjunktur-Jahr. Aufschwung bedeutet in diesem Fall, dass die Talfahrt endlich gestoppt ist – und dass die Nachfrage nach Bauleistungen 2026 um weniger als einen Prozentpunkt zunehmen dürfte, nimmt man die gestiegene Zahl der erteilten Baubewilligungen, angelaufenen Baustarts, steigende Absatzzahlen von Produkten für die erste Bauphase und bewilligten Immobilienkredite als Maßstab.
Sanierung ist kein Heilsbringer
Auch die Sanierung sieht der Marktforscher sehr kritisch. Seine Zahlen sagen, dass die Sanierungstätigkeit ähnlich dramatisch abgestürzt ist wie der Neubau – und das trotz der hohen Förderungen für die Sanierung. Diese wären großteils in Mitnahmeeffekten verpufft oder einzelnen Teilbereichen wie den Heizungslieferanten zugutegekommen, eine positive Hebelwirkung kann Kreutzer in den Zahlen nicht erkennen.
"Die Sanierung ist einfach viel zu teuer", ist Kreutzers Meinung. Die Kosten liegen nach seinen Zahlen um 70 Prozent über dem Neubau, weil sie so personalintensiv und letztendlich unproduktiv ist. Dass die Sanierung die Bauwirtschaft in Zeiten der Neubauflaute gestützt habe, diese gängige Meinung ist für ihn ein Mythos. Seine Zahlen zeigen sogar das Gegenteil: "Die Sanierung hat dazu beigetragen, dass die Bauproduktivität gesunken ist - und sie entwickelt sich trotz der hohen Förderungen rückläufig."
Sinkende Produktivität als Strukturproblem
Die konstant sinkende Produktivität sieht Kreutzer dann auch als das größte Problem am Bau: Nur mehr 31 Prozent der Arbeitszeit wird für die eigentliche Tätigkeit verwendet, jede fünfte Arbeitsstunde geht als Stehzeit verloren.
Ebenso hoch sind die Verluste durch Störungen des Bauablaufs, wie etwa die Materialsuche, das Auf- und Umräumen, durch mangelnde Koordination der Gewerke bedingte Unterbrechungen und andere Faktoren, die bei besserer Organisation der Baustelle vermeidbar wären. Wenn der Bau hier nicht rationalisiert, wird die anspringende Konjunktur den Unternehmen auch nicht helfen.
Die Treiber für den Aufschwung
Als Treiber für die Trendwende sieht Kreutzer vor allem die wieder steigenden Immobilienpreise und die wieder stark steigenden Fremdfinanzierungen, die er vor allem auf sinkende Zinsen zurückführt. So sei bei der Zahl der privaten Wohnbaukredite heuer eine Steigerung von 62 Prozent zu verzeichnen: Das sagt zwar nichts über die Gesamtsumme der vergebenen Kredite für den privaten Wohnbau aus, zeigt aber eindeutig, dass in der kommenden Bausaison noch weitere Steigerungen bei den Baustarts zu erwarten sind.
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Beim Ein- und Zweifamilienhaus ist die Zahl der Baustarts heuer schon im Plus und wird sich nächstes Jahr weiter steigern, im Mehrfamilienhaus mit den längeren Vorlaufzeiten erwartet Branchenradar den Aufschwung im niederen einstelligen Prozentbereich für 2026.
Der Nichtwohnbau, der in den letzten Krisenjahren der stabilisierende Faktor war, beginnt hingegen etwas zu schwächeln: "Hier ist die Krise 2023 zu rasch gekommen, als dass Bauprojekte noch gestoppt werden konnten." Da wurden jahrelang vorbereitete und bereits gestartete Projekte einfach durchgezogen - jetzt sei man eben vorsichtiger, meint Kreutzer.
Was meinen Sie?
So viel fürs Erste an Nachrichten vom Bau - tendenziell guten Nachrichten, aber mit einigen Widerhaken versehen und mit Hausaufgaben für alle Gewerke am Bau, denke ich.
- Was meinen Sie dazu?
- Wie ist Ihre Erfahrung, entspricht die langsam steigende Nachfrage dem, was Sie in Ihrer Praxis erleben?
- Erwarten Sie auch eine Delle im Nichtwohnbau?
- Ist die Sanierung wirklich kein Heilsbringer, oder muss man den Blickwinkel wechseln?
- Welche Daten würden Sie gerne noch genauer anschauen?
Weitere Daten konkret zur TGA-Branche gibt es übrigens auch beim VIZ-Trendkongress am Donnerstag, 13. November 2025 in Maria Enzersdorf zu hören. Dort wird die KMU Forschung Austria die Wirtschaftsdaten zur TGA-Konjunktur präsentieren. Die VIZ-Trendstudie 2025/26 hat die Lage der Branche qualitativ untersucht und stellt die Entwicklungen im Detail vor.
Vielleicht sehen wir einander ja dort und können das persönlich besprechen: Ich habe zu den Daten von Andreas Kreutzer auch noch ein paar Anmerkungen, aber dazu später mehr.
Zur Anmeldung für den VIZ-Trendkongress 2025 geht es hier
>>> VIZ Trendkongress 2025: Branchentreff zu Teamgeist, Motivation - und Förderungen