Queen Gudrun II : Königliches Sanierungskonzept für ganze Stadtquartiere

Entwurfsansicht aus dem Projekt Queen Gudrun

Entwurfsansicht aus dem Projekt Queen Gudrun

- © Trimmel Wall Architekten ZT GmbH

Bestand nutzen, den Energieverbrauch senken und ein kreislauffähiges Wassersystem u.a. auch für eine Bauwerksbegrünung zur Verfügung stellen, war das ambitionierte Vorhaben des Projekts Queen Gudrun. Das übergeordnete Ziel war es, das Gebiet "Gudrunstraße II" bis 2030 in eine Vorzeigeregion für Wien zu verwandeln und bis 2040 CO₂-Neutralität zu erreichen.  Ein typisches Gründerzeitgebäude wurde als Demonstrationsobjekt saniert und nachverdichtet. Es wurden etliche Maßnahmen in Synergie umgesetzt, darunter ein Pilotversuch einer Photovoltaik-Energiegemeinschaft, um allen interessierten Bewohner*innen Zugang zu erneuerbaren Energien zu ermöglichen. 

>>> Nachverdichtung bei Gründerzeithäusern in der Stadt: Holz on top 

Spannungsfeld: Effektiv bei niedrigen Mieten sanieren

Das 1895 errichtete Gebäude mit 31 Wohnungen und vier Geschäftslokalen wurde nach dem EnerPHit-Standard saniert. Der Dachgeschossausbau wurde in Holzbauweise errichtet und nachverdichtet. Es demonstriert, wie selbst 130 Jahre alte Gebäude auf Passivhausstandard gebracht werden können und dient als Vorzeigemodell für zukünftige Sanierungen. 

Die Leiter des Projekts, Schöberl & Pöll GmbH, setzten daher mit seinen Partnern Trimmel Wall Architekten ZT GmbH, eFriends Energy GmbH, Strebelwerke GmbH und GRÜNSTATTGRAU Forschungs- und Innovations-GmbH an einem ganzheitlichen, umsetzungsorientierten realen Masterplan für ein derartig großes zusammenhängendes Stadtgebiet an. Aufgrund der sozialen Struktur im Sanierungsgebiet wurde der Fokus auf das Spannungsfeld von effektiven Sanierungen bei möglichst geringen Mieten gelegt.

Das Projekt Queen Gudrun II wurde im Zeitraum von März 2020 – Februar 2024 durchgeführt und wurde durch die FFG, dem BMK und den Klima- und Energiefond im Ausschreibungsprogramm Smart Cities Demo – Living Urban Innovation 2019 gefördert.

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Neben der "Living Wall" wurden bei Queen Gudrun auch andere Begrünungsmaßnahmen umgesetzt, darunter extensive Dachbegrünungen und begrünte Balkone und ein begrünter Innenhof. 

- © GRÜNSTATTGRAU

Bauwerksbegrünung und Grauwassernutzung

Das Gründerzeithaus setzt auf das innovative Bewässerungssystem von Strebelwerke, um seine lebendige Fassadenbegrünung mit recyceltem Grauwasser zu versorgen. Diese Anlage gewinnt Wärme aus leicht verschmutztem Abwasser für Warmwasser, bereitet Wasser für WC-Spülungen und Bewässerung auf, trägt zur Raumkühlung bei. 

Die Begrünung des Gebäudes in der Kauergasse wurde im Frühjahr 2024 durch eine "Living Wall" durchgeführt. Die Begrünung erfolgte mit einem modularen wandgebundenen Fassadenbegrünungssystem der Partnerfirma Sempergreen (Urbanscape).  Die Begrünung wird mit Grauwasser bewässert, wobei das Wasser in einem Tank gesammelt, vorgereinigt und dann über eine automatische Bewässerungssteuerung den Pflanzen zur Verfügung gestellt wird. 

Die "Living Wall" wurde als vertikale Begrünungslösung am Gebäude integriert, um nicht nur ästhetische, sondern auch ökologische Vorteile zu bieten. Diese Art der Begrünung trägt zur Verbesserung des Mikroklimas bei, fördert die Biodiversität und verbessert die Luftqualität. Neben der "Living Wall" wurden auch andere Begrünungsmaßnahmen umgesetzt, darunter extensive Dachbegrünungen und begrünte Balkone und ein begrünter Innenhof. Die Wohnungen sind zum Teil über den Innenhof und eine Laube erreichbar. Die Begrünung des Innenhofs verbessert nicht nur die Lebensqualität der Bewohner*innen, sondern trägt auch zur Verbesserung des Stadtklimas bei. 

Schema der Grauwasseranlage aus dem Projekt Queen Gudrun

- © Trimmel Wall Architekten ZT GmbH, Strebelwerk GmbH

Grauwasser stofflich und thermisch verwerten

Grauwasser entsteht im Haus, wo Wasser beim Duschen, Baden oder Händewaschen nur leicht verschmutzt wird und ist definiert als Haushaltsabwasser ohne Urin und Fäkalien. Dieses wird in einer Grauwassernutzungsanlage gesammelt. In einem besonderen Aufbereitungsverfahren von der Firma GEBE-Strebel wird das gesammelte Wasser zuerst biologisch gereinigt und im Anschluss mit einer Membranfiltration von den restlichen Schmutzpartikeln befreit. 

Dabei wird eine stoffliche und thermische Verwertung von Grauwasser umgesetzt. Bei der thermischen Nutzung wird über ein Wärmepumpensystem das Grauwasser, z.B. aus Duschen nach einer Aufbereitung und Filterung zunächst zur Warmwasserbereitstellung und Raumwärme, ergänzend zur Fernwärme, genutzt. Das abgekühlte Grauwasserfiltrat wird dann noch für eine Kühlung der Lokale in der Erdgeschosszone verwendet, bevor es dann zur Bewässerung der Fassaden- und Dachbegrünung verwendet, stellt somit die stoffliche Verwertung dar. Das im Forschungsprojekt greenWATERrecycling entwickelte Konzept zur gleichzeitigen stofflichen und thermischen Verwertung von Grauwasser wurde dabei in einem Demonstrationsgebäude umgesetzt. 

>>> Refurbished Gebäudetechnik: Der schwierige Weg vom Verschrotten zum Wiederverwenden 

Der Vorversuch wurde bereits im Labor der Universität für Bodenkultur, Department für Bautechnik und Naturgefahren, Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau (IBLB) durchgeführt. Der Einfluss von Grauwasserbewässerung auf die Vitalität unterschiedlicher Pflanzenarten hat sich als sehr gut ergeben. Das Pflanzenspektrum reichte von Rasen, über Stadtbäume bis hin zu Kletterpflanzen. Gemessen wurden u.a. Biomasse- und Pflanzenwachstumsparameter. Es konnte belegt werden, dass aufbereitetes Grauwasser als ressourcenschonende Alternative zu Trinkwasser für Bewässerungszwecke unter gewissen Rahmenbedingungen verwendet werden kann. Damit kann bei einer Verknappung des Leitungswassers durch Pflanzenbewässerung vermieden werden und trägt dem Kreislaufwirtschaftsgedanken Rechnung. 

Die Grauwasseranlage ist verbunden mit einem Pilotversuch zum Aufbau einer Energiegemeinschaft, um der städtischen Bevölkerung einen Zugang zu erneuerbaren Energiequellen zu verschaffen und dadurch die kommunale Energietransformation wesentlich zu beschleunigen. Betrachtet werden Wohnbauten in unterschiedlichem Maßstab sowie wohnungsähnliche Nutzungen mit jahreszeitlich weitgehend konstantem Abwasseraufkommen, um die Wirtschaftlichkeit der Gesamtlösung zu gewährleisten.

Technikraum im Projekt Queen Gudrun

- © Strebelwerk GmbH

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⇨ Dieser Artikel stammt aus dem TGA-Planerjahrbuch 2025. Darin erwarten Sie folgende Highlights:

  • Zukunftstrends: Grüner Wasserstoff, Gleichstrom, klimaneutrale Haustechnik, GEFMA 116 und künstliche Intelligenz – das erwartet die Branche
  • Referenzen vom „Proton Therapy Center“ bis zum CO₂-neutralen Bürohaus
  • Innovative Projekte: Gute Luft am Gletscher, chemiefreie Kalkschutzanlagen, kompakte Mischkreislösungen und weitere Leuchtturmprojekte
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Cover TGA Planerjahrbuch 2025
© WEKA

Ergebnisse des Projektes

Im Projekt wurden die planerischen und technischen Aspekte abgedeckt. Gleichzeitig erfolgte im Sinne eines gesamtheitlichen Konzepts auch die Betrachtung der Anforderungen an das System. Die Fassadenbegrünung wird mit einem Monitoring überwacht, ein Pflegevertrag wurde lt. Norm L1136 vertikale Fassadenbegrünung abgeschlossen. 

Das geförderte Projekt und die Erkenntnisse sind hinsichtlich Genehmigungs- und Planungsprozesse veröffentlicht worden. Davon profitierten Stadt-Bewohner*innen ebenso wie Stadtverwaltungen (für Klimawandelanpassung, Erhöhung der Lebensdauer von Gebäuden, Akzeptanz der Bevölkerung und Prozessvereinfachung), die Wirtschaft (Eröffnung neuer Marktpotenziale mittels Wissensvorsprungs) und die Wissenschaft (Erkenntnisgewinne, neue Forschungsimpulse für u.a. GRÜNSTATTGRAU). Durch die im Projekt hervorgebrachte innovative Herangehensweise an ein Blockbausanierungsgebiet, bei dem auch Stadt Wien u.a. WieNeu+ integriert war, sollte u.a. auch die Natur wieder stärker in urbane, dicht verbaute Gebiete zurückgebracht werden. 

Mittels des partizipativen Ansatzes bei der Abfrage der Bedürfnisse kam auch der MUGLI, der mobile Ausstellungsraum von GRÜNSTATTGRAU zum Einsatz. Das Sammeln von Ideen, die Bewertung der Technologien und das Abfragen der Akzeptanz wurde für die weitere Umsetzung eines Masterplans in ausgewählten Gebieten verwendet, was zu den weiteren Anwendungen in Wien und in anderen Städten beitragen kann.