Planer im Porträt: SHP : Vom Dachboden nach Doha
Die SHP-Geschäftsführer Robert Stiefmüller (links) und Andreas Hohenauer (rechts) mit der WKT-Ehrenurkunde für 35 Jahre erfolgreiches Unternehmertum.
- © SHP / Hermann AuerEigentlich hätte Robert Stiefmüller Rauchfangkehrer werden sollen. Als geplanter Nachfolger des väterlichen Betriebs besuchte er eine HTL und lernte dort die Gebäudetechnik besser kennen. Statt Energie nur zu erzeugen, faszinierte ihn zunehmend deren Verteilung und Systemintegration. „Während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, was meine Leidenschaft ist. Deshalb habe ich den Weg des TGA-Planers eingeschlagen“, erinnert sich der Geschäftsführer und Gründer des Ingenieurbüros SHP.
Erst im März nahm Stiefmüller gemeinsam mit seinem Co-Geschäftsführer Andreas Hohenauer eine Auszeichnung der Wirtschaftskammer Tirol für 35 Jahre Unternehmertum entgegen – ein Anlass, auf die Entwicklung des Unternehmens zurückzublicken: Die bescheidenen Anfänge reichen in das Jahr 1990 zurück, als Stiefmüller am Dachboden seiner Großmutter erste Projekte bearbeitete. 1991 führte ein zufälliges Treffen mit seinem ehemaligen Arbeitskollegen Andreas Hohenauer zu einer losen Zusammenarbeit und 1995 zur gemeinsamen Gründung. Kurz davor kam 1994 die Anstellung des ersten Mitarbeiters, der dem Unternehmen bis heute treu geblieben ist. Mit dem Eintritt von Stiefmüllers Tochter Coletta 2019 und Sohn Enzo 2021 ist inzwischen auch die nächste Generation im Betrieb aktiv.
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HTL-Nähe von Vorteil
Bis dato hat SHP mehr als 1.100 Projekte von der Konzeptphase bis zur Übergabe für Industrie- und öffentliche Auftraggeber realisiert. Daraus entwickelte sich auch die Spezialisierung auf den Krankenhausbau und öffentlichen Badeanlagen. Ein Team von 20 Mitarbeitenden entwickelt dafür am Standort Kundl die jeweils passende technische Lösung. Wachstum ist bereits eingeplant: Im Herbst sollen drei weitere Fachkräfte das Team verstärken. Bei der Rekrutierung profitiert das Unternehmen von der Nähe zur HTL Jenbach. Als langjähriger Partner der Ausbildungsstätte zeige sich, dass insbesondere Themen wie Digitalisierung und 3D-Planung bei den Nachwuchskräften ziehen. „Wir haben momentan einen starken Zulauf“, freut sich Stiefmüller.
Früher war die Hierarchie klar: oben der Architekt, darunter die Fachplaner. Heute geschieht die Zusammenarbeit deutlich näher und partnerschaftlich auf Augenhöhe.
Begeistert von BIM
Vor drei Jahren begann SHP mit der Einführung von Building Information Modeling (BIM) – ein Schritt, der mit erheblichen Investitionen in Software und Schulungen verbunden war. „Mit Schuld – unter Anführungszeichen – war daran die Anforderung der Tirol Kliniken“, schmunzelt der Planer. Die Umstellung brachte nicht nur technologische Anpassungen, sondern auch einen Wandel in den Planungsprozessen und der interdisziplinären Zusammenarbeit. Inzwischen arbeitet das Büro vollständig BIM-basiert: „Wir machen nichts anderes mehr.“
Stiefmüller sieht darin eine strategische Investition. Mit steigenden Anforderungen – etwa durch öffentliche Auftraggeber und EU-Vorgaben – werde BIM zunehmend zum Standard. Gleichzeitig verbessere sich die Zusammenarbeit aller Projektbeteiligten deutlich. „Früher war die Hierarchie klar: oben der Architekt, darunter die Fachplaner. Heute geschieht die Zusammenarbeit deutlich näher und partnerschaftlich auf Augenhöhe.“ Ist der anfängliche Aufwand erstmals erledigt, könne die Methodik alles „vom ersten Gedanken im Kopf des Architekten“ bis hin zum Abriss des Gebäudes abbilden. „Das hat nicht nur für uns Planer riesige Vorteile, sondern auch für Investoren und Betreiber.“
Wir versuchen solche Analogien zu kreieren, damit man versteht, wie wichtig die Haustechnik ist. Ohne sie ist ein Haus nur ein leerer Käfig aus Beton.
Krankenhausbau und Kommunikation
In vielen Fällen sind die Investoren und Betreiber von SHP-geplanten Projekten Krankenhäuser und Kliniken. Mehr als 200 Krankenhausprojekte hat das Ingenieurbüro bislang umgesetzt. Zu den langjährigen Auftraggebern zählen unter anderem die Tirol Kliniken, etwa beim Projekt Innere Medizin Süd am LKH Innsbruck. Darüber hinaus ist SHP inzwischen auch in Vorarlberg und Salzburg im Gesundheitsbereich tätig. Als nächstes steht dann der südbayrische Raum auf der Agenda, verrät Stiefmüller. All das trage dazu bei, dass man eine fixe Grundauslastung für die nächsten Jahre verzeichnen könne.
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Dass SHP im Krankenhausbau zu Hause ist, offenbart sich im Gespräch mit Stiefmüller schnell, etwa wenn er Gebäudetechnik mit dem menschlichen Körper vergleicht: Die Pumpe ähnelt dem Herzen der Heizungsanlage und versorgt das Gebäude mit Energie, so wie das Blut den Körper mit Sauerstoff versorgt. Dieser fließt über Adern, oder eben auch Rohrleitungen. Die Lunge sorgt für frische Luft, filtert diese und gibt den Sauerstoff weiter, ähnlich wie eine Lüftungsanlage.
„Wir versuchen solche Analogien zu kreieren, damit man versteht, wie wichtig die Haustechnik ist. Ohne sie ist ein Haus nur ein leerer Käfig aus Beton“, betont der Planer. Kommunikation ist gemäß des Mission Statements „Zuhören, planen und begleiten“ ein wichtiger Bestandteil der Unternehmenskultur. Mitarbeitende werden gezielt auf den Austausch mit nicht-technischen Projektbeteiligten vorbereitet. „Oft ist der Techniker in seiner Welt verhaftet und spricht eine sehr technische Sprache. In vielen Fällen sitzt ihm gegenüber aber jemand, der diese Sprache nicht versteht“, beschreibt Stiefmüller.
ISO-Zertifizierung gegen Brain-Drain
Seit mehr als 20 Jahren ist das Ingenieurbüro außerdem nach ISO 9001 zertifiziert. Der internationale Standard definiert Anforderungen an Qualitätsmanagementsysteme und strukturierte Prozesse. Während die Zertifizierung in der Planungsbranche seltener geworden ist, sieht SHP darin einen klaren Wettbewerbsvorteil. „Wir schlafen einfach ruhiger, wenn wir wissen, dass unsere Prozesse standardisiert sind.“
Diesen Ansatz treibt auch der interne Unternehmensentwicklungsprozess voran, den Stiefmüllers Sohn Enzo verantwortet. „Wir wollen die Firma zukunftsfähig aufstellen“, betont der Geschäftsführer. Denn bei 20 Mitarbeitenden und zwei Geschäftsführern gibt es unweigerlich einen Flaschenhals. Ziel sei es daher, das Know-how von den Köpfen in das Unternehmen zu bringen. Mit standardisierten Prozessen wird Wissen systematisch in der Organisation verankert.
GeoTHERMiE in Ischgl
Die Projekte von SHP reichen über Tirol hinaus bis nach Deutschland, Katar und Russland. An den neuen Flugplatz in Doha denkt Stiefmüller gerne zurück. Seilbahnen für den Weg zwischen zwei Terminals kamen von Doppelmayr, im 5.000 Quadratmeter großen Wartungscenter zeichnete SHP verantwortlich für Klimatisierung, Luftaufbereitung und die weitere Technik zum Betrieb der Halle. „Es hat irre Spaß gemacht, sich auszutauschen und zu sehen, wie andere Leute über Engineering denken“, erinnert sich der Planer an das Projekt mit internationaler Beteiligung.
Ein aktuelles Referenzprojekt in Tirol ist die Silvretta Therme in Ischgl. Dort übernahm das Ingenieurbüro die Planung und Überwachung der Haus- und Bädertechnik für den nachhaltigen Bau. Ziel war es von Beginn an, das Gebäude mit einer Kubatur von rund 75.000 Kubikmetern mit einem weitestgehend fossilfreien Heizungssystem auszustatten. Das ist auch gelungen: Mit Ausnahme der Freibecken wird die Wärme für das gesamte Gebäude über Geothermie bereitgestellt.
Dafür sorgen eine Erdsondenanlage mit 37 Sonden á 290 Laufmeter und eine Wärmepumpenkaskadenanlage. Geheizt ausschließlich über Flächenaktivierungen auf Niedertemperaturbasis und über die Raumbelüftung. Weiters wurde auf eine maximale Dämmung sowie die Installation von Wärmerückgewinnungsanlagen gesetzt. Der praktische Blick auf Projekte wie diese prägt die Arbeit von SHP – nicht zuletzt, weil Stiefmüller seinen ursprünglich geplanten Weg nie komplett aufgegeben hat. Den Rauchfangkehrermeister hat er bis heute in der Tasche.