Labor Strauss Gruppe : Globaler Brandschutz-Fokus
Stefan Friedl ist Geschäftsführer der 1924 gegründeten Labor Strauss Gruppe. Der Brandschutz-Spezialist beschäftigt mehr als 300 Mitarbeiter*innen an 14 Standorten in Österreich, Deutschland, Italien und den Niederlanden und exportiert derzeit in mehr als 40 Länder der Welt.
- © Labor Strauss GruppeMit 1. Jänner 2026 hat Brandschutz-Spezialist LST die Aktivitäten seiner vier deutschen Tochterunternehmen in einem Unternehmen gebündelt. Die Vertriebsleitung dieser neuen LST-Deutschland GmbH übernimmt Wolf-Dietrich Marschall, der bereits seit 2019 die Vertriebsleitung der Niederlassung in Pockau-Lengefeld innehatte. Das ist auch ein Zeichen dafür, dass die Labor Strauss Gruppe die Internationalisierung vorantreibt: LST-Geschäftsführer Stefan Friedl im TGA-Gespräch über die Pläne am globalen Markt und die zukünftigen Wachstumsfelder. Auch zu aktuellen Ereignissen nimmt Friedl Stellung – und ruft dazu auf, gemeinsam das Bewusstsein für die Bedeutung von Brandschutz zu wecken.
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Labor Strauss in Deutschland: Von vier auf eins
TGA: Herr Friedl, warum hatte LST eigentlich vier Tochtergesellschaften in Deutschland?
Stefan Friedl: Das waren regionale Niederlassungen, die zwar jeweils autark voneinander gearbeitet haben, aber immer von Wien aus gesteuert wurden. Wir konnten unsere Marktdurchdringung in Deutschland zwar immer mehr ausbauen, haben aber durch die getrennten Gesellschaften am Ende einiges an Effizienz liegen gelassen. Das haben wir nun durch die Zusammenführung korrigiert, um gemeinsam erfolgreicher agieren zu können. Auch die Belegschaften in Deutschland waren der Meinung, dass das ein richtiger Schritt ist, darum ist die Zusammenlegung auch reibungsfrei über die Bühne gegangen.
Was heißt das für die Strategie der gesamten LST-Gruppe? Sie haben zuletzt ja auch in Italien und den Niederlanden Niederlassungen gegründet.
Friedl: Die Errichtung des Standorts in den Niederlanden war ein folgerichtiger Schritt nach der Aufbauarbeit aus Österreich heraus. Die Niederlande sind mittlerweile einer unserer wichtigsten internationalen Märkte. Und als der zuständige Mitarbeiter in Wien in Pension gegangen ist, war klar, dass eine Nachbesetzung hierzulande weniger sinnvoll ist als einen Kollegen vor Ort zu suchen. In Italien ist das etwas anders, hier waren wir bis dato deutlich weniger aktiv. Auch hier fiel letztendlich die Entscheidung dafür, diesen Markt aus Italien selbst aufzubauen: Die Nähe zu den handelnden Personen und die Sprachkenntnisse sind entscheidende Faktoren.
Große Batteriespeicher stellen spezielle Anforderungen an Brandmelde- und Löschsteuertechnik.
Wachstumsmarkt außerhalb Europas: Batteriecontainer
Wie soll es mit der Expansion weitergehen, welche Regionen sind bei Ihnen im Fokus?
Friedl: Verstärkt im Fokus sind derzeit außereuropäische Länder, wie etwa im Mittleren Osten und die arabische Halbinsel. Wir strecken unsere Fühler aber auch nach Fernost aus. Ein wichtiger Markt ist mittlerweile China, wohin wir Produkte aus Europa liefern, die dann in Gesamtanlagen verbaut und häufig nach Europa zurück importiert werden.
Worum geht es dabei?
Friedl: Vorrangig um Batteriecontainer, ein globaler Wachstumsmarkt, der aktuell vor allem von chinesischen Anbietern beherrscht wird. Solche großen Batteriespeicher stellen spezielle Anforderungen an Brandmelde- und Löschsteuertechnik. Auf diesem Feld haben wir uns einen Namen gemacht, weshalb wir aktiv von fernöstlichen Herstellern angesprochen wurden. Wir sehen darin einen Hoffnungsmarkt für die nächsten Jahre und sind mittlerweile selbst in China vertrieblich aktiv.
Haben Sie keine Angst davor, dass Ihre nach China gelieferten Produkte plagiiert werden?
Friedl: Diese Gefahr gibt es, dessen sind wir uns bewusst. Allerdings macht es auch wenig Sinn, diesen Markt vor lauter Angst gleich gar nicht zu beliefern. Dann macht es jemand anderer, oder der Prozess des Nachbaus wird dann sogar noch schneller ablaufen. Unsere Produkte sind bei Batteriecontainern aber auch nur ein kleiner Bauteil, der sehr speziell auf die jeweiligen rechtlichen und normativen Grundlagen in jedem einzelnen europäischen Empfängerland zugeschnitten sein muss. Die Stückzahlen sind daher für chinesische Verhältnisse gering, der Wertschöpfungsanteil am Batteriecontainer ebenfalls: Daher halten wir eine unmittelbare Plagiats-Bedrohung für eher unwahrscheinlich. Entwicklungs- und Produktionsprozesse bleiben in jedem Fall in Europa.
Die Fernanzeige ermöglicht einen Zeitvorsprung, der im Brandfall essenziell ist.
Lösungen für Erneuerbare Energien
Welche weiteren Wachstumsmärkte sehen Sie?
Friedl: Neben Batteriespeichern sind das am Erneuerbaren-Sektor Windkraftanlagen, die wir mit Brandschutzanlagen ausstatten. Die Ausstattung von Feuerwehrautos mit Überwachung ist noch ein kleines Geschäft, aber es hat schon das eine oder andere Feuerwehrauto gebrannt, weil dort ja permanent alle elektronischen Geräte voll geladen werden müssen. Hier bieten wir neue Lösungen an, in erster Linie für die Früherkennung. Schöne Projekte haben wir auch mit Bergbahnen. Hier besteht die Herausforderung in der Langstrecken-Verbindung von Tal-, Mittel- und Bergstationen. Dabei hilft uns vor allem unsere letzte Entwicklung REACT.
Das Remote Access Tool REACT ist die jüngste technologische Innovation: Welche Bedeutung hat das mittlerweile?
Friedl: Mit der Fernanzeige und der Fernbedienung von Brandlöschsteuerung waren wir unter den ersten am Markt, damit haben wir einen großen Satz nach vorne gemacht. Das ermöglicht einen Zeitvorsprung, der im Brandfall essenziell ist. Das war der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt. Aber wir sind nicht stehen geblieben und werden heuer noch einen weiteren großen Schritt nach vorne machen …
Die Lehren aus Crans Montana
Brandschutz ist nach der Silvester-Katastrophe von Crans Montana in Mitteleuropa wieder stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt. Spüren Sie das, werden Sie darauf angesprochen?
Friedl: Ich selbst nicht, aber von meinen Mitarbeitern die näher am Markt sind weiß ich, dass das so ist. Ich kenne den Fall auch nur aus der medialen Berichterstattung, aber offensichtlich ist dort alles falsch gemacht worden, was man falsch machen kann. Man hat keine feuerfesten Materialien für Deckenverkleidung und Dekorationen verwendet, Feuerwerke im Innenraum gezündet, einen Fluchtweg verbarrikadiert und der zweite hat den Namen Fluchtweg gar nicht verdient. Dazu gab es keine Kompensationsmaßnahmen, in der Schweiz ist es offenbar auch so, dass in kleineren Installationen keine automatischen Brandlöschanlagen und keine Meldetechnik vorgeschrieben sind.
LST und auch Ihre Mitbewerber haben die technischen Lösungen für Schutz, Warnung und Löschen. Wo müsste man Ihrer Meinung nach ansetzen, um die Gefahren in den Gebäuden wirksam zu minimieren?
Friedl: Das Wichtigste ist das Bewusstsein bei Betreibern und Verantwortlichen, wie wichtig Maßnahmen für den Brandschutz sind. Viele schätzen die Sicherheit durch Technik, aber viele fragen sich auch, wofür man das braucht, das kostet nur Geld. Solange nichts passiert, bleibt der dann bei seiner Meinung. Behördliche Kontrollen sind da sehr wichtig, was in Crans Montana ebenfalls nicht funktioniert haben soll. Das ist oft so: Je ländlicher es ist, je näher die Beteiligten einander sind, desto öfter wird weggeschaut. Es ist wirklich gefährlich, wenn jeder macht, wie er glaubt. Da geht es gar nicht um die Technik, die ist hier tatsächlich zweitrangig: Sondern ums Bewusstsein, dass es um Menschenleben geht.