Installateur-Lehre : Nur noch 3.900 Lehrlinge: Neues Imagevideo soll Nachwuchs ansprechen
Mit dem im Mai 2026 präsentierten Imagefilm soll ein „Turnaround“ eingeleitet werden: Begleitende Maßnahmen dazu werden in den nächsten Monaten von der Steuerungsgruppe Fachkräftesicherung entwickelt.
- © BundesinnungEin Imagevideo, das noch vom „alten“ Bundesinnungsausschuss vor der Wahl 2025 in Auftrag gegeben wurde, ist nach einem Jahr nun fertig geworden. Inhaltlich setzt man auf realitätsnahe Darstellung eines chancenreichen Berufs mit echten Lehrlingen, betonen Bundesinnungsmeister Anton Berger und Geschäftsführer Paul Morolz. Aber wie dieses Video in all seinen Variationen in Zukunft am besten für die Lehrlingswerbung eingesetzt werden soll, dieser Frage widmet sich seit Mai 2025 eine eigene Steuerungsgruppe unter der Leitung der Tiroler Landesinnungsmeisterin Veronika Opbacher-Egger.
Ein Gespräch mit Anton Berger und Paul Morolz über jugendgerechtes Marketing, mögliche Zielgruppen für die Lehrlingswerbung, Quereinsteiger*innen, Mädchen im Lehrberuf und die Frage, ob man Jugendlichen neben ihren Rechten auch die Pflichten des Erwachsenenlebens näherbringen sollte.
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Zahlen zum österreichischen Lehrlingsmarkt
Die Nachwuchssicherung fällt den Betrieben „zunehmend schwer“, hat die Bundesinnung zuletzt in einer Aussendung festgestellt – lassen sich die Probleme beim Fachkräftenachwuchs und am Lehrlingsmarkt auch konkret in Zahlen ausdrücken?
Anton Berger: Es ist derzeit für unsere Betriebe mühsam, Lehrlinge zu bekommen. Aber da geht es nicht nur um die Quantität, sondern um die Qualität. Wir brauchen Lehrlinge, die gewisse Voraussetzungen mitbringen, um die Anforderungen, die an unseren Beruf gestellt sind, auch erfüllen zu können. Das ist oft nicht gegeben, viele Probleme entstehen schon lange bevor jemand überhaupt alt genug ist für eine Berufsausbildung. Eine notwendige Grundlage stellt immer noch eine solide Schulausbildung der Jugendlichen dar, die der Grundstock für eine Lehre bildet.
2025 lernten von insgesamt rund 70.000 männlichen Lehrlingen nur mehr 3.900 Installations- und Gebäudetechnik, während Elektrotechnik mit gut 9.000 Lehrlingen auf Platz 1 liegt. Warum hat sich der Abstand zwischen den beiden Berufen so stark vergrößert, was hat sich da im Berufsbild verändert?
Paul Morolz: In der Elektrotechnik werden in dieser Statistik mehrere Berufsgruppen zusammengefasst, so etwa auch Veranstaltungstechnik oder Sicherheitsanlagentechnik und andere. Es gibt hier auch mehr als doppelt so viele Ausbildungsbetriebe: Bei der Installations- und Gebäudetechnik haben wir rund 7.000 Gewerbeberechtigungen, bei der Elektrotechnik sind es in dieser Zählung an die 17.000. Das Verhältnis von Lehrlingen zu Ausbildungsbetrieben ist also in etwa gleich. Außerdem sind es eben auch unterschiedliche Berufe mit unterschiedlichen Schwerpunkten in verschiedenen Branchen.
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Jede Sekunde, die wir früher sichtbar werden, ist eine gute Sekunde.Anton Berger, Bundesinnungsmeister
Die Kommunikation mit den Nachwuchs neu gestalten
In der Gebäudetechnik wurde im Mai 2026 in der Bundesinnungs-Ausschusssitzung eine „Steuerungsgruppe Fachkräftesicherung“ unter der Leitung der Tiroler Landesinnungsmeisterin Veronika Opbacher-Egger gegründet, die den Problemen bei der Lehrlingssuche entgegenwirken soll. Wer ist Teil dieser Gruppe, und was ist das Ziel?
Berger: Das Ziel ist es, dass wir diese Zahlen von derzeit nur mehr 3.900 Lehrlingen anheben. Dazu müssen wir unsere Kommunikation, unsere Sprache nach außen zu den jungen Nachwuchskräften entsprechend gestalten. Darum bin ich selber auch der mit Abstand älteste in dieser Gruppe, die aus fünf jüngeren Personen besteht und die bei der BIAS gleich sehr intensiv gestartet ist. Wir wollten das Thema an sich nur kurz anschneiden, aber nach einer Stunde war noch lange nicht alles ausdiskutiert, so engagiert sind die Kolleg*innen bei dem Thema. Es macht Freude, mit der Gruppe zu starten, um unsere Mitgliedsbetriebe bestmöglich bei der Suche nach Interessierten für den Beruf zu unterstützen.
Morolz: Die Nachwuchssicherung der Innungen ist ein eigenes großes interessenpolitisches Vorhaben der Strategie der Bundesinnung 2025-2030 und stellt so ein integratives Ziel der Interessenvertretung dar. Der Bundesinnungsausschuss mit den Ländervertreter*innen gab vor, eine Nachwuchsstrategie zu erstellen, die über alle neun Bundesländer gleichzeitig ausgerollt wird mit abgestimmten Maßnahmen, einer jugendgerechten Sprache und einem zielgruppengerechten Marketing.
Jetzt wurden praktisch gleichzeitig mit der Steuerungsgruppe neue Imagefilme vorgestellt: Warum? Logisch wäre eher, dass die Steuerungsgruppe eine Strategie entwickelt und dabei klärt, ob so ein Imagefilm überhaupt etwas bringt.
Berger: Wenn man unendlich Zeit hat in seinem Handeln, kann man das schon so sehen, dass das die richtige Vorgangsweise wäre. Allerdings geht das, was wir jetzt machen, weit über die Imagefilme hinaus. Die Imagefilme hat zudem noch der vorherige Bundesinnungsausschuss vor einem Jahr in Auftrag gegeben, die sind jetzt fertig und werden mit ihrem realitätsnahen Ansatz aber auch in Zukunft gut zu uns Installateur*innen passen. Jede Sekunde, die wir früher sichtbar werden, ist eine gute Sekunde.
Es ist das erklärte gemeinsame Ziel, dass wir die Ressourcen und Budgets bundesweit bündeln.Paul Morolz, Geschäftsführer Bundesinnung
Verschiedene Zielgruppen, verschiedene Varianten
Imagefilme gehören spätestens seit der Erfindung von YouTube zum Standardrepertoire der Lehrlingswerbung in allen Berufen, fast jede Landesinnung hat schon mal ein eigenes Video produziert. Wodurch zeichnet sich der aktuelle Film aus? Und wer ist die Zielgruppe: Eltern, 14-jährige, Quereinsteiger*innen …?
Berger: Aus meiner Sicht geht es da auch um die jungen Berufseinsteiger*innen und diejenigen, die die Schule abbrechen oder aus einem anderen Beruf quer einsteigen. Denen zeigen wir, dass wir einen coolen Beruf mit vielen Chancen zur Selbstverwirklichung bieten. Wir haben angesichts der verschiedenen Zielgruppen aber auch unterschiedliche Varianten und Vertonungen des Imagefilms.
Morolz: Der Unterschied ist sicher auch, dass früher die Landesinnungen oft eigene Kampagnen hatten. Nunmehr ist es das erklärte gemeinsame Ziel, dass wir die Ressourcen und Budgets bundesweit bündeln. Inhaltlich setzen wir auf eine möglichst realitätsnahe Darstellung des Berufs. Zudem wurden mit den Filmen die bereits von der Bundesinnung herausgearbeiteten 5 guten Gründe, Installateur*in zu werden, in bewegte Bilder umgesetzt. Die 5 guten Gründe findet man bereits auf einer eigenen Nachwuchshomepage www.ich-mach-ikarriere.at veranschaulicht.
Budget ist bei der Vermarktung ein zentrales Stichwort: Die Produktion ist ja nur ein Kostenfaktor, die Vermarktung der deutlich größere. Wie, über welche Kanäle und mit welchem Werbebudget wird dafür gesorgt werden, dass den Imagefilm auch möglichst viele junge Menschen sehen?
Berger: Das wird Teil der strategischen Weiterbearbeitung sein. Im ersten Schritt werden wir ihn natürlich über die Kanäle der Landesinnungen und der Bundesinnung verbreiten, und wir setzen auch auf Fachmedien wie die TGA und deren Kanäle. Zentral dabei ist sicherlich der Instagram-Kanal für den Berufsnachwuchs @die_insta_llateure, auf dem in letzter Zeit wenig passiert ist. Zum Neustart werden den Kanal vorläufig selbst aus der Geschäftsstelle bespielen. Aber wie genau es weitergehen wird, das wird die Steuerungsgruppe entscheiden, dem möchte ich nicht vorgreifen. Das wird Veronika Opbacher-Egger mit ihrem Team vorgeben und dann kommunizieren, so viel Geduld musst Du noch aufbringen.
Wenn ein Teich trübes Wasser hat und man nicht genau weiß, welche Fischsorten drinnen sind, muss man unterschiedliche Köder auslegen.Anton Berger, Bundesinnungsmeister
Wer Lehrling werden soll
Die Lehrlingsausbildung ist nach wie vor männlich: Gut zwei Drittel der insgesamt 100.000 heimischen Lehrlinge sind Burschen. Bei der Installations- und Gebäudetechnik sind die Männer sogar noch deutlich stärker in der Mehrheit. Sind Mädchen eine spezielle Zielgruppe, von der man sich Zuwachs erhofft, wenn man wieder mehr als 3.900 Lehrlinge bekommen will? Wie sieht es mit Quereinsteiger*innen aus, mit Migrant*innen, gibt es andere aussichtsreiche Gruppen?
Berger: Wenn ein Teich trübes Wasser hat und man nicht genau weiß, welche Fischsorten drinnen sind, muss man unterschiedliche Köder auslegen, damit man möglichst gute Chancen hat. Ich persönlich sehe das höchste Steigerungspotenzial bei den angesprochenen Quereinsteiger*innen, also jenen, die eine Schule abbrechen oder die aus ihrem bisherigen Ausbildungsberuf in einen wechseln wollen, der gut bezahlt, krisensicher und abwechslungsreich ist. Mit der richtigen Bildsprache können wir sicher auch junge Damen begeistern. Der Beruf hat sich gerade im letzten Jahrzehnt verändert, sodass natürlich auch Frauen darin erfolgreich sind. Nur, wie gesagt: Ich habe in der Steuerungsgruppe erlebt, wie junge Kolleg*innen den Beruf heute sehen und erleben, ich selbst kann da viel von ihnen lernen und möchte dem nicht vorgreifen.
>> Erste Fernwärmetechnikerin in Ausbildung
Ein großes gesellschaftspolitisches Sorgenkind ist eine Gruppe bei den 15- bis 24-Jährigen, die man europaweit NEET nennt: „Not in Education, Employment or Training“, also diejenigen die komplett aus dem System fallen. Das sind in Österreich erschreckende 8,7 Prozent dieser Altersgruppe, die weder eine Ausbildung machen noch arbeiten. EU-weit liegt der Schnitt sogar noch höher: Seht Ihr eine Chance, dass hier Lehrlinge gewonnen werden können? Das sind immerhin gut 100.000 junge Menschen in Österreich, die derzeit keine Perspektive haben.
Berger: Aus meiner Sicht wird sich das Hauptaugenmerk nicht dorthin richten. Vielleicht tue ich da einigen auch unrecht. Aber wenn jemand in diesem Alter schon so untertaucht, ich weiß nicht, ob der Kunde Klaus Paukovits dann große Freude hat, wenn ich so jemanden um 100 Euro die Stunde zu ihm nach Hause für Installationsarbeiten schicke. Aber freilich bestätigen Ausnahmen die Regel, vielleicht täusche ich mich und wir finden hier eine relevante Zahl an Nachwuchskräften. Jedenfalls müsste man Heranwachsenden vielleicht auch besser klarmachen, dass es im Leben nicht nur darum geht, Rechte einzufordern, sondern auch darum, dass man als Erwachsener auch Pflichten zu erfüllen hat.
Morolz: Aus meiner Sicht scheint das in Richtung Systemversagen zu gehen, wenn wirklich so viele junge Menschen einfach abtauchen. Jedenfalls geht es hier in meinen Augen um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, Jugendlichen eine Zukunftsperspektive zu geben. Dabei wollen wir als Interessenvertretung aller österreichischer Installationsbetriebe mithelfen, indem wir zeigen, dass Installateur*in zu sein, auch eine sinnstiftende und zukunftsweisende Lebensaufgabe mit guten Karrierechancen und Verdienstmöglichkeiten sein kann.
Steuerungsgruppe Fachkräftesicherung in der Bundesinnung
- LIM Veronika Opbacher-Egger (Vorsitz)
- BIM Anton Berger
- BIM-Stv. Franz Schnöller
- Albert Schinwald (Lehrlingswart LI Salzburg)
- André Werderits