Bundesinnung der Installateure stellt sich neu auf : Wann der geänderte Lehrberuf „Installations- und Energietechnik“ nun wirklich kommt
Inhalt
- Warteposition: Der neue Lehrberuf ist in Begutachtung
- Blick zurück: Die 17 Jahre alte Ausbildungsordnung
- 3,5 Jahre statt 4 Jahre für Gas/Sanitär UND Heizung
- 100 Prozent Erneuerbar: Biomasse, Solarthermie und „Grünes Gas“
- Kein Zusammenwachsen von Elektro- und Installationstechnik
- „Lehre light“: Nicht generell, aber in Einzelfällen
- Lehrlingsinitiative: Unterschiedliche Perspektiven und Quereinsteiger
- Stadt-Land-Gefälle bei Lehrlingen
- Stadt-Land-Gefälle bei der Wahlbeteiligung
- Die Strategie für die gesamte Funktionsperiode
Die Änderungen sind gravierend: Der zukünftige Lehrberuf wird „Installations- und Energietechnik“ heißen und unter dem Hauptmodul „Wasser und Wärme“ sowohl Gas/Sanitär als auch Heizung integrieren.
Im Gespräch mit der TGA erklären Anton Berger, seit Juni 2025 Bundesinnungsmeister der Installateure, und Paul Morolz, ab 1. Oktober 2025 Geschäftsführer der neuen Geschäftsstelle „Energie- und Gebäudetechnik“, die Änderungen im Detail.
Was fällt also weg, wenn Heizung nun Teil des Hauptmoduls wird und ein halbes Jahr weniger Ausbildungszeit zur Verfügung stehen werden? Welches Spezialmodul bleibt als einziges erhalten? Welche Rolle werden die Wärmepumpe und die anderen erneuerbaren Energietechnologien in Zukunft schon in der Ausbildung spielen? Ab wann können die ersten Lehrlinge in der neuen Ausbildungsordnung wirklich ausgebildet werden? Und was tut sich sonst noch Neues in der Interessensvertretung, die soeben neu aufgestellt wird?
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Warteposition: Der neue Lehrberuf ist in Begutachtung
TGA: Herr Bundesinnungsmeister, wie geht es mit dem neuen Lehrberuf für die Installateure weiter?
Anton Berger: Der neue Lehrberuf „Installations- und Energietechnik“ ist fertig ausgearbeitet. Er liegt, wie es üblich ist, in der letzten Phase der Begutachtung bei den Sozialpartnern zur Abstimmung. Wir sind jetzt sozusagen in der Warteposition.
Der ambitionierte Plan war es ja, den neuen Lehrberuf schon heuer umzusetzen. Wie rasch kann es nun damit gehen, könnte sich zum Beispiel September 2026 für den Start der ersten Lehrlinge in der neuen Ausbildungsordnung ausgehen?
Berger: Realistischerweise frühestens ab September 2027, vielleicht auch erst 2028. Das liegt aber nicht an uns oder den Sozialpartnern, sondern an den nötigen Prozessen. Es muss nämlich auch noch der Lehrplan für die Berufsschulen erstellt werden.
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Wie läuft das ab, wenn ein neuer Lehrberuf in Kraft tritt?
Paul Morolz: Wenn alle zustimmen, braucht es zur Inkraftsetzung der Ausbildungsordnung die Verordnung durch das Wirtschaftsministerium. In der Regel ist das so, dass in einem Lehrberufspaket immer mehrere Berufe zusammengefasst werden, und das dann ein oder zweimal im Jahr passiert.
Blick zurück: Die 17 Jahre alte Ausbildungsordnung
Bevor wir auf die neuen Inhalte zu sprechen kommen, ein Blick zurück: Vor 17 Jahren wurde die Ausbildungsordnung zuletzt verändert und eine damals völlig neue Modullehre erdacht. Sie bestand und besteht bis heute aus Grund-, Haupt- und Spezialmodulen. Doch die einzelnen Spezialmodule wie Badplanung oder Haustechnikplanung wurden kaum angenommen. Was hat daran nicht funktioniert?
Berger: Ich kann dazu nur meinen subjektiven Eindruck als ausbildender Installateur wiedergeben. Wenn jemand für vier Jahre abgeschlossen hat, dann hat er Gas/Wasser und Heizung gemacht. In diesem Fall war eines der Spezialmodule von vornherein nicht mehr „part of the game“. Man hätte also eine Lehre für drei Jahre abschließen müssen und dann schauen, wohin sich die Interessen des Lehrlings entwickeln, um für ihn ein Spezialmodul ins Spiel zu bringen. Das ist kaum passiert. Dazu kommt, dass nicht jedes der vier Spezialmodule in jedem Bundesland gut zu beschulen war, daher war es auch organisatorisch komplex.
Das heißt, die Spezialmodule – wenn wir sie aufzählen, waren das die Badgestaltung, Ökoenergietechnik, Haustechnikplanung sowie Steuer- und Regelungstechnik – werden gestrichen?
Berger: Ein Spezialmodul zu Steuerungs- und Regelungstechnik wird es weiterhin geben, allerdings dauert es nur mehr 6 Monate. Das ist der Tatsache geschuldet, dass auch unser Beruf immer stärker in Richtung Digitalisierung geht, diese Spezialisierungsmöglichkeit braucht es weiterhin. Die Inhalte aus der Ökoenergietechnik werden stark ins Hauptmodul integriert.
Der neue Lehrplan wurde um jene Bereiche bereinigt, die nicht mehr zu den Standardaufgaben eines Installateures gehören.Anton Berger
Anton Berger: Wer ist der neue oberste Installateur?
In der konstituierenden Sitzung des Bundesinnungsausschusses der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker wurden am 18. Juni 2025 wichtige Weichenstellungen für die Interessenvertretung der österreichischen Installateurinnen und Installateure vorgenommen.
Durch die Bestellung vom bisherigen Bundesinnungsmeister Manfred Denk, der diese Funktion drei Jahre innehatte, zum neuen Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk kam es zu einer Veränderung an der Spitze der Bundesinnung: Anton Berger wurde einstimmig zum neuen Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker gewählt. Seine Stellvertreter sind der Wiener Franz Schnöller sowie der neu gewählte Landesinnungsmeister von Niederösterreich, Gerald Kopsa.
Der 54-jährige Ingenieur Anton Berger ist seit 2014 steirischer Landesinnungsmeister und Mitglied des Bundesinnungsausschusses sowie seit drei Jahren Bundesinnungsmeister-Stellvertreter. Er betreibt einen Installateurbetrieb mit rund 55 Mitarbeiter*innen in Hart bei Graz, der in den Bereichen Heizung, Bad und Sanitär tätig ist.
3,5 Jahre statt 4 Jahre für Gas/Sanitär UND Heizung
Was sind jetzt die Unterschiede, wie soll der neue Lehrberuf aussehen?
Berger: Es wird ein 2-jähriges Grundmodul geben. Auf dieses setzt dann das neue Hauptmodul „Wasser und Wärme“ auf, das 1,5 Jahre dauert und wo die Inhalte aus Gas-/Sanitärtechnik sowie Heizungstechnik integriert sind. Denn wir brauchen in Zukunft Installateure, die nach ihrem Abschluss Sanitärtechnik UND Heizungstechnik können. Ein alternatives Hauptmodul Lüftung dauert ein Jahr. Optional wird es dann noch das halbjährige Spezialmodul Steuerungs- und Regelungstechnik – wählbar für beide Hauptmodule – geben.
Für die komplette Lehre Sanitär-Gas UND Heizung sollen in Zukunft also nur mehr 3,5 Jahre statt wie bisher 4 Jahre zur Verfügung stehen. Da muss also etwas wegfallen: Welche Lehrinhalte werden rausfliegen?
Berger: Der neue Lehrplan wurde vor allem um jene Bereiche bereinigt, die nicht mehr zu den Standardaufgaben eines Installateurs gehören. Als Beispiel möchte ich Dampf nennen, der wirklich nur mehr aufs gewerberechtlich Nötige reduziert wird. Aber auch im Gasbereich wird es Bereinigungen geben und hauptsächlich auf das erneuerbare Gas ausgerichtet werden. Zudem wurden grundsätzliche Lehrinhalte zusammengefasst.
Morolz: Was uns als Bundesinnung wichtig ist: Es hat sich in den letzten 17 Jahren, seit die aktuelle Ausbildungsordnung entwickelt wurde, die Technik massiv verändert, auch neue Technologien sind dazugekommen. Die Ausbildungsordnung musste daher verändert werden, um modernste technische Ansprüche zu erfüllen. Ebenso mussten aktuelle umweltrechtliche und technische Vorschriften berücksichtigt werden. Gebäudesystemtechnik, Digitalisierung, Automatisierung und Energieeffizienz werden besser in die Ausbildung integriert werden.
Die Wärmepumpe ist Teil des Hauptmoduls, wie auch die Biomasse und die Solarthermie als zukunftsfähige, erneuerbare Energietechnologien.Anton Berger
Die Wärmepumpe ist kein umgedrehter Kühlschrank mehr
Die größte technische Änderung in den letzten 17 Jahren hat es sicherlich bei der Wärmepumpe gegeben. Wie wird die nun in die neue Ausbildung integriert?
Berger: Die Wärmepumpe ist Teil des Hauptmoduls, wie auch die Biomasse und die Solarthermie als zukunftsfähige, erneuerbare Energietechnologien. Das betrifft alle Facetten des Stands der Technik, von den Schallemissionen bei Luft-Wärmepumpen über die Entzugsleistungen bei Erdwärme oder Grundwasser sowie die Integration mit anderen Systemen bis hin zu Smart Grids. Es wurde wirklich darauf geachtet, das zukunftsfähig abzubilden, um eine zukunftsweisende, sinnstiftende und sichere Ausbildung für unsere Jugend zu schaffen.
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Der plakative Kritikpunkt war bisher, dass es derzeit bei der Lehrabschlussprüfung bei der Frage nach Wärmepumpen reicht, zu sagen, dass eine Wärmpumpe „ein umgedrehter Kühlschrank“ ist, um die Frage positiv zu absolvieren. Wie wird die Antwort in Zukunft lauten müssen?
Berger: Es werden die Komponenten und der Aufbau einer Wärmepumpe im Detail beschrieben werden müssen, auch ihr Einsatzgebiet inklusive der Kühlung. Genauso wird der Einsatzort und die individuellen Bedürfnisse der Nutzung miteinzubeziehen sein. Schließlich wird es am Ende des Tages darum gehen, die Kundin oder den Kunden richtig zu beraten, damit die auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnittene Heizungsanlage eingebaut wird.
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100 Prozent Erneuerbar: Biomasse, Solarthermie und „Grünes Gas“
Erneuerbare Energietechnologien werden also insgesamt stärker in der Ausbildung berücksichtigt werden. Was ist mit Gas, einem wichtigen Kern bei Sanitär- und Heizungstechnik?
Berger: Der Bereich Gas wurde etwas zurückgenommen, doch auch hier gibt es Neuerungen. So soll das Thema „Erneuerbar erzeugtes Gas“ Teil der entsprechenden Ausbildung im Gasbereich werden. Schließlich kann man davon ausgehen, dass es aktuell noch etwa 1 Million Gasheizungen in Österreich gibt. Aufgrund der bestehenden Infrastruktur und Gasleitungssysteme könnten Gasheizungen ab sofort ohne große zusätzliche Investitionen 1:1 mit Grünem Gas, also beispielsweise Biomethan, betrieben werden. Gasheizungen sind zu 100 Prozent klimaneutral, wenn sie mit Grünem Gas betrieben werden. Sie sind genauso Teil der Energiewende wie Wärmepumpen, die mit Ökostrom betrieben werden, oder Fernwärme, die zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie hergestellt wird.
Das Spezialmodul Ökoenergietechnik war ja stark auf Biomasse abgestellt. Wie wird das nun abgebildet?
Berger: Die Biomasse ist das, wo wir in Österreich weltweit Spitzenreiter sind und wo wir einen beträchtlichen Wertschöpfungsanteil im Inland generieren. Selbstverständlich bekommt dieses Thema in der neuen Ausbildungsordnung mehr Aufmerksamkeit, was auch technisch begründet ist. So ist die Biomasse in vielen Sanierungsbereichen die beste Lösung und absolut gleichwertig mit der Wärmepumpe zu sehen. Auch die Solarthermie ist für uns als „Installations- und Energietechniker“ selbstverständlich genauso Teil des Bildes.
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Gasheizungen sind zu 100 Prozent klimaneutral, wenn sie mit Grünem Gas betrieben werden.Anton Berger
Kein Zusammenwachsen von Elektro- und Installationstechnik
Bei der Solarenergie gibt es noch die Photovoltaik. Auch hier gab es Wünsche, das Thema mehr in die Ausbildung zu integrieren. Wird PV Teil der Lehrausbildung sein?
Berger: Photovoltaik hat nichts mit unserer Ausbildung zu tun, das ist Elektrotechnik und ist daher nicht Teil unserer Ausbildungsordnung. In der Praxis kann es sein, dass die Thematik hie und da bei der Montage gestreift wird, aber sicher nicht bei zentralen Fragen wie Dimensionierung oder Auslegung. Aber als Installateur möchte ich schon anmerken, dass die Solarthermie in ihrem Bereich 3x so effizient ist in puncto Energieausbeute wie die Photovoltaik!
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Eine gängige These ist, dass die Berufe Installateur und Elektriker ohnehin zusammenwachsen werden. In der Ausbildungsordnung bildet sich das also nicht ab, wie siehst Du das? Glaubst Du an dieses Zusammenwachsen?
Berger: Einer, der alles kann, kann nichts gut. Unsere jeweiligen Aufgabengebiete sind so umfangreich, das lässt sich nicht von einzelnen Personen in voller Kompetenz darstellen. Jetzt einfach zwei komplette Lehrberufe zu einem zu verschmelzen, also 2x vier Jahre auf 1x vier Jahre zu konzentrieren, ist utopisch. Außerdem gibt es eine klare Abgrenzung der Umfänge beider Berufe. Die Herausforderung für die jeweiligen Berufe ist es vielmehr, unsere Lehrlinge so auszubilden, dass sie den Beruf des Installateurs und der Installateurin beim Kunden repräsentieren können.
Morolz: Wir müssen bei uns selbst anfangen: Wir wissen, was ein Kunde erwartet, wenn er einen Installateur oder eine Installateurin ruft. Er erwartet, dass sich derjenige oder diejenige bei Wärme, Wasser und Luft auskennt. Die neue Ausbildungsordnung ist eben so ausgerichtet.
An das alltägliche Einsatzgebiet von Installateuren angleichen
Du hast vorhin gemeint, dass in der alten Ausbildungsordnung viele Lehrverträge gleich über vier Jahre abgeschlossen wurden, also Sanitär-Gas inklusive Heizungstechnik. Wenn es jetzt 3,5 Jahre plus 6 Monate Spezialmodul Steuerungs- und Regelungstechnik gibt: Denkst Du, dass auch in Zukunft oft auf vier Jahre abgeschlossen werden wird?
Berger: Das wird die Erfahrung zeigen. Eventuell wird Steuerungs- und Regelungstechnik den einen oder anderen Lehrling auch überfordern, das wird man individuell anschauen müssen. Wir stellen mit den 3,5 Jahren sicher, dass jeder Lehrling nach dem Lehrabschluss das kann, was vom Beruf erwartet wird. Ob man dann noch Steuerungs- und Regelungstechnik anbietet, wird auch auf den Betrieb ankommen. Man muss es ja auch ausbilden können, und wenn ein Unternehmen nicht einmal einen Seitenschneider hat – überspitzt formuliert –, wird das wenig Sinn machen.
Wenn die komplette Lehre inklusive Heizung in 3,5 Jahren untergebracht wird, und die dreijährige Option gar nicht mehr besteht: Braucht man dann nicht auch „bessere“ Lehrlinge?
Berger: Wir wollen effektiver und zeitgemäß ausbilden für die Notwendigkeiten unseres Berufs. Und das heißt nun mal, dass wir die Ausbildung an das alltägliche Einsatzgebiet von Installateuren angleichen müssen: Wir müssen Sanitär UND Heizungstechnik können. Das bringt den Lehrlingen später auch bessere Berufschancen.
„Lehre light“: Nicht generell, aber in Einzelfällen
Was hältst Du von der Idee einer „Lehre light“, also einer abgespeckten, kürzeren Ausbildung, die in Richtung Montagehelfer geht?
Berger: Die gibt es ja schon für Einzelfälle!
Tatsächlich? Das wusste ich nicht, wie ist das gemeint?
Berger: Es gibt die Möglichkeit für eine reduzierte Lehrabschlussprüfung für Personen nach dem Berufsausbildungsgesetz, die eine vollständige Lehre nicht schaffen würden und die entsprechend betreut werden müssen. Da werden gemeinsam Ziele definiert, die erreichbar sind. Ich weiß das, weil ich derzeit selbst so einen Lehrling im Betrieb habe, dem wir so die Möglichkeit geben, ein guter Montagehelfer zu werden. Wir müssen in der Zukunft auch Jugendlichen, die etwas mehr Unterstützung brauchen, die Möglichkeit einer Berufsausbildung bieten, wenn sie Installateure werden möchten.
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Wird das häufig genutzt?
Berger: Ich kenne dazu keine Zahlen, aber auch für mich ist es das erste Mal. Wir nehmen jedes Jahr drei bis vier Lehrlinge auf und haben also immer 12-15 Lehrlinge in Ausbildung. Daher können wir davon ausgehen, dass das nicht häufig genutzt wird. Es ist unter bestimmten Voraussetzungen aber eben jetzt schon individuell möglich, um jungen Menschen Perspektiven zu schaffen. Eine generelle „Lehre light“ einzuführen, halte ich nicht für sinnvoll.
Morolz: Wir setzen in der Bundesinnung neue Initiativen für die Bewerbung des Lehrberufs. Es gibt mehrere Gründe, den Beruf zu wählen. Diese unterschiedlichen Aspekte stellen wir nun gezielt dar, um Interesse zu wecken und persönliche Zukunftsperspektiven als Installateur zu entdecken.
Eine Lehre zu machen ist nicht mehr verpönt, so wie vielleicht noch vor einigen Jahren.
Lehrlingsinitiative: Unterschiedliche Perspektiven und Quereinsteiger
Welche sind das?
Morolz: Manche wollen sich manuell betätigen, deswegen streichen wir die handwerkliche Komponente heraus. Für andere ist der Aspekt wichtig, einen Beitrag zu Natur- und Umweltschutz zu leisten. Installateure sind nämlich die Umsetzer der Energiewende. Wiederum andere sind an der Technik interessiert, da betonen wir die riesigen technologischen Fortschritte in der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnik heraus. Auch die guten, zukunftssicheren Verdienstmöglichkeiten sind ein Vorteil, den wir gezielt herausstreichen. Wir setzen da viele Initiativen, etwa die Website für Interessierte oder einen Instagram-Kanal, der sich stark an Eltern richtet.
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Allerdings kann die beste Lehrlingskampagne nichts am demografischen Wandel ändern. Also die schlichte Tatsache, dass so wenige 15-Jährige wie noch nie in Österreich leben …
Berger: … aber wir erreichen damit auch den 17-jährigen, der vielleicht vom Schulsystem genug hat und etwas anders, sinnstiftendes und zukunftssicheres machen möchte. Die Quereinsteiger sind ein neues Phänomen, das es so früher nicht gab. Ich selbst habe im September vier Schnupperlehrlinge im Betrieb gehabt, von denen waren drei Quereinsteiger. Sogar ein Uni-Absolvent ist dabei, der sich neu orientieren will. Man macht heutzutage mehrere Berufe im Leben, das wird immer normaler werden. Es ist bei den jungen Leuten auch der Mut gestiegen, Möglichkeiten zur Entfaltung zu finden und neue Chancen zu ergreifen. Bei den Quereinsteigern erwarten wir uns als Installateure einiges, das wollen wir stark bespielen. Bei uns ist jeder herzlich willkommen, der sich für unsere Berufe interessiert und Engagement zeigt!
Welches der angesprochenen Argumente zieht da besonders gut?
Berger: Wir haben den zweithöchsten Kollektivvertrag von allen mit dem KV Metallgewerbe, bei uns lässt sich gutes Geld verdienen. Sicherheit ist etwas, was Jugendliche heute reizt, gerade wenn sie schon einiges ausprobiert haben. Wir erleben auch ein Umdenken: Eine Lehre zu machen ist nicht mehr verpönt, so wie vielleicht noch vor einigen Jahren.
Man macht heutzutage mehrere Berufe im Leben, das wird immer normaler werdenPaul Morolz
Doppelter Wechsel in der Bundesinnung ab 1. Oktober 2025
Mit 1. Oktober 2025 übernimmt Paul Morolz die Geschäftsführung der Bundesinnung. Der langjährige Referent der Geschäftsstelle folgt auf Christian Atzmüller, der seinen wohlverdienten Ruhestand antritt.
Damit geht auch eine Änderung in der Struktur einher, die mit Oktober 2025 schlagend wird: Die bisherige Geschäftsstelle, zu der neben den Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechnikern auch die Elektrotechniker, die Mechatroniker und die Fahrzeugtechnik gehörten, wird umstrukturiert und den aktuellen Gegebenheiten, wie zum Beispiel den gestiegenen Mitgliederzahlen und einer fachlich geordneten Ausrichtung, angepasst.
Morolz übernimmt die neue Geschäftsstelle „Energie- und Gebäudetechnik“, die aus den Installateuren und Elektrotechnikern besteht. Dadurch werden die Interessen der Gewerbe, die für die Raumkonditionierung und technische Ausstattung im Gebäude verantwortlich sind, in einer Hand gebündelt und können noch effektiver, effizienter und nachhaltiger wahrgenommen werden.
Stadt-Land-Gefälle bei Lehrlingen
Eine andere, häufig gehörte Klage ist auch, dass es ein Stadt-Land-Gefälle bei der Qualität der Lehrlinge gibt, dass also die Städte wesentlich größere Probleme bei der Rekrutierung von geeignetem Nachwuchs haben. Wie siehst Du das?
Berger: Jugendliche werden von ihrem Umfeld geprägt und von dem, was ihnen vorgelebt wird. Dass in ländlichen Bereichen das Handwerkliche mehr im Zentrum steht als in urbanen Zentren, das ist einfach so. Wir hoffen natürlich, dass auch in den Städten die jungen Menschen draufkommen, dass sie handwerklich begabt und interessiert sind, etwa im Werkunterricht.
Kehren wir zurück zur neuen Ausbildungsordnung, die jetzt bei den Sozialpartnern liegt und der Gewerkschaft abgesegnet werden muss. Ist da mit vielen Änderungen zu rechnen?
Berger: Wir freuen uns auf wertvolles Feedback. Wenn es begründete Anmerkungen gibt, werden wir die selbstverständlich einfließen lassen und gemeinsam abarbeiten.
Morolz: Wir haben traditionell eine sehr gute Gesprächsbasis mit den Sozialpartnern. Und natürlich gehen wir davon aus, dass beide Seiten – Bundesinnung und Gewerkschaft – den gleichen Antrieb haben, eine in die Jahre gekommene Ausbildungsordnung zu modernisieren und dafür zu sorgen, dass junge Menschen eine zeitgemäße, zukunftsfähige Ausbildung bekommen.
In der Steiermark hatten wir eine der höchsten Wahlbeteiligungen Österreichs, mit über 40 Prozent, und trotzdem frage ich mich: Warum gingen sechs von zehn Innungsmitgliedern nicht zur Wahl?Anton Berger
Stadt-Land-Gefälle bei der Wahlbeteiligung
Seit Juni 2025 bist Du jetzt Bundesinnungsmeister. Eine große Frage für die Innungen ist, inwieweit auch die eigenen Mitglieder erreicht werden. Da war zum Beispiel bei der letzten Wirtschaftskammer-Wahl ein beträchtliches Stadt-Land-Gefälle bei der Wahlbeteiligung zu sehen: Über 40 Prozent am Land, unter 20 Prozent in der Stadt. Warum ist das so? Und was kann man dagegen tun?
Berger: Als Bundesinnungsmeister kann ich dazu nichts sagen, denn die Wahlen werden immer in den Bundesländern und von den Landesinnungen bestritten. Als steirischer Landesinnungsmeister kann ich aber bemerken, dass wir wirklich versuchen müssen, unsere Mitglieder abzuholen und zu verstehen, wo der Schuh drückt. Wenn sich ein Installateur von seiner Interessensvertretung verstanden und abgeholt fühlt, wird die Wahlbeteiligung wieder steigen. In der Steiermark hatten wir eine der höchsten Wahlbeteiligungen Österreichs, mit über 40 Prozent, und trotzdem frage ich mich: Warum gingen sechs von zehn Innungsmitgliedern nicht zur Wahl? Wir müssen uns zum Ziel setzen, dass es jedem ein Anliegen ist, hier mitzubestimmen. Da wird es darum gehen, unsere interessenpolitische Arbeit für unsere Mitglieder so sichtbar zu machen, dass sie von den Mitgliedern auch gesehen wird.
Morolz: Die Wahlbeteiligung ist allerdings ein Phänomen, das sich nicht auf die Wirtschaftskammer-Wahlen beschränkt. Sinkende Wahlbeteiligungen insbesondere in den Städten sind eine allgemeine gesellschaftliche Entwicklung, die uns allen zu denken geben muss. Für uns als Bundesinnung und auch für die Landesinnungen geht es darum, nahe am Mitglied zu sein, damit wir wissen, wie wir sie unterstützen und wie wir ihre Interessen am besten vertreten können, schließlich gilt: Der Service-Partner für jeden Installationsbetrieb ist die Innung auf Landes- und auf Bundesebene! Und eines gilt es aber in diesem Zusammenhang noch bei den Mitgliedern deutlich zu machen: Ihre Interessenvertreter der Innungen sind alle ihre Kolleginnen und Kollegen, also auch Unternehmerinnen und Unternehmer ihres Berufsstandes, die neben ihrer beruflichen Aufgabe für sie ehrenamtlich tätig sind. Dieser Einsatz wäre, in meinen Augen, ihre Unterstützung wert.
Die Strategie für die gesamte Funktionsperiode
Die Funktionsperiode dauert jetzt fünf Jahre. Was soll man 2030 über den Bundesinnungsmeister Toni Berger sagen?
Berger: Dass man im Rückspiegel sieht, er hat trotz der angespannten wirtschaftlichen Situation sehr viel Positives für die Branche bewegt. Dass in ganz Österreich zwischen den Installateuren und den Innungen gut kommuniziert wird, dass jeder Gehör findet. Wenn uns das gelingt, haben wir die Arbeit gut gemacht.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte will die Bundesinnung setzen?
Morolz: Auch hier gehen wir neue Wege. Die konstituierende Sitzung des Bundesinnungsausschusses hat ja erst im Juni stattgefunden. Dabei wurde für November ein Strategieworkshop beschlossen, in dem das Arbeitsprogramm und die Ziele für die gesamte Funktionsperiode festgelegt werden wird. Wir wollen gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen der Landesinnungen interessenpolitische Ziele definieren, aus denen konkrete Maßnahmen abgeleitet werden, die wir in der Bundesinnung in den kommenden Jahren umsetzen wollen. Das hat es in der Weise noch nicht gegeben und zeigt, dass wir bereit sind auch in der Interessenvertretung neue, innovative Wege zu gehen, um die Mitglieder bei der Bewältigung ihrer unternehmerischen Herausforderungen professionell und mit großem Einsatz in der neuen Funktionsperiode zu unterstützen.