Marktentwicklung Handwerk : Manfred Denk: „Wir kommen nicht vom Fleck"

Manfred Denk Sparte Gewerbe und Handwerk WKO

Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich

- © wkoe / nadine studeny

Als „in der Straße von Hormus versenkt" sieht die Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer die erwartete wirtschaftliche Erholung nach dem ersten Quartal 2026. Anhand der Aufträge in der Bauwirtschaft hatte sich eine zarte konjunkturelle Erholung für das Gewerbe und Handwerk abgezeichnet. Mit dem Konflikt im Nahen Osten, gestiegenen Energiepreisen und der Rückkehr der hohen Inflation wurde daraus allerdings nichts. „Die aktuellen Konjunkturdaten bestätigen leider, was viele unserer Betriebe im Alltag spüren. Wir kommen nicht vom Fleck“, fasst Manfred Denk, Obmann der Bundessparte, zusammen.

Einen Exkurs zum Ausgangspunkt liefert die Konjunkturbeobachtung der KMU Forschung Austria: Im ersten Quartal 2026 sind die Auftragseingänge bzw. Umsätze nominell um 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal zurückgegangen. Real (mengenmäßig) ergab sich damit ein Minus von 4,6 Prozent. Knapp ein Viertel der Betriebe meldete Steigerungen, ein Drittel Rückgänge; 43 Prozent lagen auf Vorjahresniveau. „Die Lage ist heterogen, insgesamt aber ohne erkennbare Dynamik. Besonders in den konsumnahen Branchen spüren wir die Kaufkraftzurückhaltung der Haushalte, während im Baubereich nach wie vor die notwendige Investitionsdynamik fehlt“, analysiert Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria.

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Minus beim Bauhilfsgewerbe, Plus beim Baugewerbe

Im zweiten Quartal blieb das Stimmungsbarometer per Saldo negativ. 22 Prozent der Betriebe beurteilten ihre Geschäftslage als gut, 30 Prozent als schlecht; knapp die Hälfte meldete eine saisonübliche Lage. Der Saldo ist mit minus 8 Prozentpunkten weiterhin negativ, im Vergleich zum Vorquartal (minus 12 Prozentpunkte) ist ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Der Auftragsbestand zeigt sich mit minus 0,2 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahresquartal relativ stabil. 

Bei den investitionsgüternahen Branchen verzeichneten im zweiten Quartal 2026 die Hafner, Platten-, Fliesenleger und Keramiker ein Plus im Auftragsbestand von 10,1 Prozent – allerdings ausgehend von starken Rückgängen (- 16 Prozent) im Vorjahr. Das Baugewerbe (+ 8 Prozent), die Chemischen Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (+ 4,7 Prozent) sowie Metalltechniker (+ 4,2 Prozent) lagen ebenfalls im positiven Bereich. Hingegen gingen die Aufträge bei Kunststoffverarbeitern (- 15,3 Prozent), im Bauhilfsgewerbe (- 14,9 Prozent) und beim Holzbau (- 11,5 Prozent) deutlich zurück. Keine einzige konsumnahe Branche verzeichnete im zweiten Quartal ein positives Saldo.

Anteil der Betriebe mit guter und schlechter Geschäftslage im zweiten Quartal 2026

- © KMU Forschung Austria, Konjunkturbeobachtung Gewerbe und Handwerk

Gedämpfte Erwartungen für Q3, Senkung der Lohnnebenkosten gibt Hoffnung

Ausgehend davon bleiben auch die Umsatzerwartungen fürs kommende dritte Quartal mit einem Saldo von -11 Prozentpunkten gedrückt. 16 Prozent der Betriebe erwarten Steigerungen bei den Auftragseingängen bzw. Umsätzen im Vergleich zum 3. Quartal 2025, 57 Prozent erwarten keine Veränderung, und 27 Prozent erwarten Rückgänge. Dabei blicken die investitionsgüternahen Branchen mit -15 Prozentpunkten noch skeptischer in die Zukunft als die konsumnahen (-5 Prozentpunkte). „Wir können uns nicht darauf verlassen und abwarten, dass die Krisen von selbst verschwinden. Österreich und Europa müssen sich ihrer Stärken besinnen, statt sich ständig selbst zu fesseln“, appelliert Denk zu Eigeninitiative in drei Bereichen. 

Erstens, stärkere Unabhängigkeit von Energieimporten und damit bessere Resilienz bei Krisen: Dafür sollten alle vorhandenen Potenziale ausgeschöpft werden, vom Ausbau der Erneuerbaren Energie und Energieinfrastruktur über grünen Wasserstoff, Nutzung von Geothermie bis hin Förderung heimischer Gasvorkommen als Brückentechnologie. Unternehmen im Gewerbe und Handwerk würden davon profitieren.

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Zweitens: Entlastung für die Betriebe. Beim Bürokratie-Abbau seien der Bundesregierung einige Erfolge gelungen. Diese drohen laut Denk jedoch an anderen Stellen zunichtegemacht zu werden – beispielsweise durch die Mehrwertsteuersenkung für Grundnahrungsmittel oder die EU-Lohntransparenz-Richtlinie. „Auf zwei Schritte vorwärts folgen eineinhalb zurück. Diese Selbstfesselung muss ein Ende haben, wenn wir weiterkommen wollen“, mahnt Denk. Er wünscht sich drittens eine rasche Umsetzung des One-Stop-Shops für Bau- und Genehmigungsverfahren, um das leidige „Behörden-Pingpong“ zu beenden und sieht dafür aus Niederösterreich positive Signale.

Als „Stimmungsaufheller“ sieht Denk die Senkung der Lohnnebenkosten ab 2028. Die Betriebe im Gewerbe und Handwerk, der größten Arbeitgebersparte, würden am stärksten profitieren: Sie werden um fast 400 Mio. Euro pro Jahr entlastet: „Das ist mehr als ein Hoffnungsschimmer am Horizont. Davon darf man sich schon einen Schub für Investitionen, Beschäftigung und Wachstum erwarten.“

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