Marktentwicklung : Positive Anzeichen für Trendwende in Gewerbe und Handwerk
„Zarte Zeichen" für einen Aufschwung in baunahen Branchen sieht Manfred Denk, Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer Österreich, in der aktuellen Konjunktur. „Erstmals verzeichneten baunahe Branchen zu Jahresbeginn 2026 wieder deutliche Steigerungen im Auftragsbestand. Das könnte ein Vorbote einer Trendwende am Bau sein, die nach und nach in den nachgelagerten Branchen ankommen sollte." Dazu zählen etwa Maler und Tapezierer (+10,7 Prozent Auftragsbestand gegenüber Q1/2025), die Hafner, Platten- und Fliesenleger (+14 Prozent), das Baugewerbe (+15,5 Prozent) oder die chemischen Gewerbe, Denkmal-, Fassaden- und Gebäudereiniger (+20 Prozent).
Der Zeitpunkt könnte kaum besser sein, war doch 2025 für das Gewerbe und Handwerk in Österreich das sechste Jahr in Folge mit einem realen Rückgang der Geschäftstätigkeit. Das bestätigen auch die endgültigen Zahlen von KMU Forschung Austria für das vergangene Jahr. Das nominelle Umsatzminus von 0,6 Prozent und das reale Minus von 3,3 Prozent fielen aber weniger negativ aus als erwartet. Die Sanitär-, Heizungs-, Lüftungstechnik schloss mit einem realen Minus von 5,2 Prozent ab.
Einige Fragezeichen bleiben jedoch bestehen, auch abseits der geopolitischen Konfliktherde. Einerseits gehen die Auftragssteigerungen von einem recht niedrigen Niveau aus, andererseits steht im Jahresauftaktquartal 2026 vor den Aufträgen der investitionsgüternahen Branchen immer noch ein geringfügiges Minus von -1,7 Prozent.
>> Immer up to date mit Wirtschaftsnews der Branche sein? Abonnieren Sie unsere Newsletter: Hier geht’s zur Anmeldung!
Zurückhaltung bei Investitionen
Die Unsicherheit schlägt laut Daten der KMU Forschung Austria auch in den Investitionen der Betriebe ab - nur 36 Prozent der Betriebe tätigten solche im Jahr 2025. Diese fielen zudem mit 3.100 Euro je Beschäftigten um 10 Prozent niedriger aus als im Jahr davor. „Die Betriebe sind sehr vorsichtig. Das ist der niedrigste Wert seit 2010, seit wir diesen Indikator erfassen. Sogar im Corona-Jahr 2020 lagen die Investitionen mit 3.800 Euro je beschäftigter Person deutlich höher“, weiß Christina Enichlmair von der KMU Forschung Austria. Für 2026 wird ebenfalls verhalten geplant: Nur 34 Prozent der Betriebe wollten Investitionen tätigen. Und auch der sonst saisonbedingt hohe Personalbedarf ist mit plus 7,7 Prozent für ein zweites Quartal unüblich niedrig.
Kostenfaktor wird stärker
Gefragt nach den Herausforderungen, mit denen sie aktuell zu kämpfen haben, dominieren die Kostenfaktoren bei den befragten Betrieben. Die Top-Nennungen sind:
- Steuern und Abgaben (von 54 Prozent der Betriebe genannt)
- Preissteigerungen bei Rohstoffen und Materialien (50 Prozent)
- Bürokratie und Verwaltung (46 Prozent)
- Arbeitskosten (46 Prozent)
- Preiskonkurrenz (44 Prozent)
- Preissteigerungen bei Energie (43 Prozent)
- Fachkräftemangel (36 Prozent)
- Schwache Kundennachfrage (35 Prozent)
Die Befragung startete kurz vor der Eskalation des Iran-Konfliktes, die stark gestiegenen Energiekosten sind somit nur teilweise abgebildet. „Die Betriebe brauchen jetzt dringend Planungssicherheit und Entlastung von den hohen Energiekosten. Die Lehre aus den vorangegangenen Krisen ist: Wer rasch die Kosten dämpft, verhindert eine Inflationsspirale, die dem Standort abermals massiv schaden würde“, betont Spartenobmann Denk.
Er fordert, dass energieintensive Branchen im Gewerbe und Handwerk bei Kompensationszahlungen nach dem Stromkosten-Ausgleichsgesetz (SAG) ebenfalls berücksichtigt werden. Eine effektive und wirkungsstarke Wettbewerbskontrolle solle national und auf EU-Ebene verhindern, dass Großlieferanten die Krise als Vorwand für Angebotsverknappungen oder Preissteigerungen nützen. Und die strategische Gasreserve in Österreich solle dazu beitragen, Preisspitzen zu vermeiden.
Staat soll bei Ausbildungen einspringen
Mit knapp 44.000 Lehrlingen war das Gewerbe und Handwerk Ende 2025 weiterhin der größte Lehrlingsausbilder des Landes. Die Betriebe klagen jedoch über mangelnde Unterstützung. Denk weist darauf hin, dass sich die Lehrlingseinkommen in den vergangenen zehn Jahren fast verdoppelt haben. „Die Ausbildungsbetriebe investieren pro Jahr 3 Milliarden Euro in die Lehrlinge. Sie sorgen dafür, dass die Lehre attraktiv bleibt. Es ist der Staat, der sich aus der Verantwortung stiehlt.“
Oftmals liege es an den Betrieben in drei Lehrjahren zu kompensieren, was das staatliche Schulsystem in neun Jahren nicht geschafft hat. Und auch die Unterdeckung bei der betrieblichen Lehrstellenförderung sei noch ungelöst. Die Förderung – die maximal 15 Prozent der Lehrlingseinkommen abdeckt – werde jedoch weiter von Sozial- und Finanzministerium blockiert. Denk fordert eine dauerhafte Finanzierung, eine Kürzung der Lehrlingsförderung sei völlig inakzeptabel: „Wollen wir, dass unsere Jugend in den Betrieben weiterhin eine klare berufliche Zukunft vor Augen hat? Oder wollen wir, dass sie fürs AMS ausgebildet werden?“