Energiearmut in Österreich 2024 : Energiearmut betrifft jeden achten Haushalt
Mehr als eine halbe Million österreichischer Haushalte ist von Energiearmut betroffen.
- © M. Schuppich - stock.adobe.comIm Jahr 2024 war jeder achte Haushalt in Österreich von Energiearmut betroffen (12,5 %). Umgerechnet sind das etwa 517.000 Haushalte, um 0,4 Prozentpunkte mehr als noch im Jahr davor. Bei Haushalten mit niedrigem Einkommen lag der Anteil bei über 40 Prozent. 4,4 Prozent der Haushalte sind zudem nicht in der Lage, ihre Wohnung angemessen warm zu halten. Das geht aus einer Analyse von Statistik Austria im Auftrag der Arbeiterkammer Wien hervor, bei der das Energiearmutsrisiko von Haushalten nach sozioökonomischen, demografischen, energieverbrauchsrelevanten und regionalen Merkmalen untersucht wurde.
„12,5 Prozent aller Haushalte in Österreich waren im Jahr 2024 energiearm – das heißt, sie hatten entweder überdurchschnittlich hohe Energiekosten bei wenig Einkommen oder mussten aus finanziellen Gründen stark Energie sparen", ordnet Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin von Statistik Austria, ein.
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Wohnsituation verstärkt Risiko für Energiearmut
Energiearmut und Einkommensarmut sind eng miteinander verknüpft. Armutsgefährdete Haushalte haben ein hohes Risiko, auch energiearm zu sein, und umgekehrt haben energiearme Haushalte zumeist ein Einkommen unter der Armutsgefährdungsschwelle. Unter den armutsgefährdeten Haushalten lag der Anteil der Energiearmutsbetroffenen bei 45,8 Prozent. Haushalte, die nicht armutsgefährdet sind, waren nur zu 5,9 Prozent von Energiearmut belastet.
Zudem können energieverbrauchsrelevante Merkmale, die die Wohnsituation betreffen, einen wesentlichen Einfluss auf Energieverbrauch und die Betroffenheit von Energiearmut haben. 18,8 Prozent der Haushalte in älteren Gebäuden mit Baujahr bis 1960, 17,3 Prozent der Haushalte in Mietwohnungen, 16,8 Prozent der Haushalte in kleinen Wohnungen bis 80 Quadratmeter oder 16,1 Prozent jener in größeren Gebäuden mit mindestens 10 Wohnungen sind überdurchschnittlich durch Energiearmut belastet. Österreichweit betrachtet liegt die Energiearmut in dicht besiedelten Gebieten mit vorwiegend mehrgeschossigem Wohnbau mit 17,3 Prozent über dem Durchschnitt von 12,5 Prozent. Dementsprechend ist in Ostösterreich das Risiko, von Energiearmut betroffen zu sein, deutlich höher als in den Regionen mit niedrigerer Bevölkerungsdichte wie Südösterreich oder Westösterreich.
Ein-Eltern Haushalte und Ein-Personen Haushalte stark betroffen
Bei gewissen bestehenden "Risikofaktoren" sind Haushalte zudem zum Teil deutlich höher von Energiearmut betroffen: So sind 42,7 Prozent der Haushalte ohne oder mit nahezu keiner Erwerbsbeteiligung, 42,1 Prozent der Haushalte mit zumindest einer Person in Langzeitarbeitslosigkeit, 41 Prozent der Working-Poor-Haushalte und 38,8 Prozent jener mit der Haupteinnahmequelle aus Sozial- oder Versicherungsleistungen wie Kinderbetreuungs-, Arbeitslosen- oder Pflegegeld mit Energiearmut konfrontiert. Zusätzlich sind 31,1 Prozent der Haushalte mit einem niedrigen Bildungsabschluss von Energiearmut betroffen.
Auch die Haushaltskonstellation macht einen Unterschied. So sind vor allem Ein-Eltern Haushalte mit einem Anteil von 25 Prozent, Haushalte mit 3 oder mehr Kindern (21,9 %) oder Ein-Personen Haushalte (17,3 %) überdurchschnittlich stark durch Energiearmut belastet. Teilt man die Haushalte nach dem Geschlecht des Hauptverdienenden ein, sind Haushalte mit einer weiblichen Hauptverdienerin mit einem Anteil von 15,5 Prozent deutlich häufiger betroffen als Haushalte mit männlichem Hauptverdiener (10,5 %). Nach dem Alter des ältesten Haushaltsmitglieds gibt es dagegen keine wesentlichen Unterschiede.
Auswahl von überdurchschnittlich von Energiearmut betroffenen Gruppen:
| Haushalte | Prozent |
|---|---|
| Durchschnitt aller Haushalte | 12,5 % |
| Armutsgefährdete Haushalte | 45,8 % |
| Haushalt ohne oder mit nahezu keiner Erwerbsbeteiligung | 42,7 % |
| Haushalte mit Person in Langzeitarbeitslosigkeit (≥ 6 Monate) | 42,1 % |
| Haushalte mit Working Poor (armutsgefährdete Erwerbstätige) | 41 % |
| Haushalte mit Haupteinnahmequelle aus Sozial- und Versicherungsleistungen | 38,8 % |
| Niedriges Haushaltseinkommen (1. Quintil) | 34,1 % |
| Haushalte mit höchstens Pflichtschulabschluss | 31,1 % |
| Ein-Eltern Haushalte (Alleinerziehende) | 25 % |
| Haushalte mit 3 oder mehr Kindern | 21,9 % |
| Haushalte in Wohnungen mit Einzelraumheizung | 21,6 % |
| Haushalte mit Person in Kurzzeitarbeitslosigkeit (< 6 Monate) | 21,1 % |
| Haushalte in Gebäuden mit Baujahr bis 1960 | 18,8 % |
| Ein-Personen Haushalte | 17,3 % |
| Haushalte in Mietwohnungen (Nicht-Eigentum) | 17,3 % |
| Haushalte in Gebieten mit hoher Bevölkerungsdichte | 17,3 % |
| Haushalte in kleinen Wohnungen bis 80m² | 16,8 % |
| Haushalte in Gebäuden mit 10 oder mehr Wohnungen | 16,1 % |
| Haushalt mit weiblicher Hauptverdienerin | 15,5 % |