Heizen mit Servern : Wie Serwas Bitcoin-Mining und Gebäudeheizung kombiniert

Das Team von Serwas: Timo Berkmann, Manuel Untergasser und Lucas Bolte (v.l.n.r.)

Das Team von Serwas: Timo Berkmann, Manuel Untergasser und Lucas Bolte (v.l.n.r.)

- © Johannes Aitzetmüller

Serverabwärme als nachhaltige Wärmequelle für Gebäude – das ist die Idee hinter dem Innsbrucker Start-up Serwas. Das Gründerteam rund um Manuel Untergasser, Timo Berkmann und Lucas Bolte verbindet Hochleistungsserver mit direkter Wasserkühlung und integriert die dabei entstehende Wärme effizient in bestehende Heizsysteme. Mit der Verbindung von Digitalisierung und Energieeffizienz sorgen die jungen Gründer für Aufmerksamkeit in der Start-up- und Technologieszene und stoßen sowohl bei Pitch-Wettbewerben als auch bei Pilotprojekten auf positive Resonanz.

Die sogenannte Server-Zentralheizung des jungen Unternehmens verwendet die meist ungenutzte Abwärme von leistungsstarken Computer-Servern, um Gebäude mit "digitaler Wärme" zu beheizen. Damit ist weniger die Nutzung der Server-Abwärme großer Rechenzentren via Fernwärme gemeint, sondern eine dezentrale Bereitstellung von Serverleistung durch die Serwas-Kund*innen, die gleichzeitig für Wärme sorgt.

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Die digitale Welt erzeugt Wärme, die ungenutzt bleibt, und die reale Welt benötigt Wärme, für die teuer bezahlt werden muss.
Serwas-Website

Digitale Wärme: Das Konzept hinter Serwas

Das Prinzip: In der Serwas-Heizung – also dem Server – sind hunderte Computerchips verbaut, die digitale Aufgaben verarbeiten und dabei Strom verbrauchen, aber gleichzeitig Wärme erzeugen. Diese Abwärme ist auch in größeren Rechenzentren der Knackpunkt, für die Kühlung sind viel Energie und Wasser nötig. Bei Serwas-Heizungen gibt es pro Chip einen Kühlkörper, der von Kühlflüssigkeit durchströmt wird, auch "Direct-to-Liquid-Cooling" genannt. Die Kühlflüssigkeit nimmt die Wärme auf und kann diese im nächsten Schritt mittels Wärmetauscher an das vorhandene Heizsystem im Gebäude übertragen. 

Ein Server nimmt in etwa den Platz von vier Schuhkartons ein und lässt sich direkt an vorhandene Leitungen anschließen. Die Lösung ist skalierbar und wartet mit einem zweiten Zusatznutzen auf: Kund*innen werden für das Bereitstellen der Rechenleistung vergütet. Wenn dann auch eine eigene Photovoltaik-Anlage vorhanden ist, steigt die Wirtschaftlichkeit. Aktuell wird die Rechenleistung der Server zum Bitcoin-Mining genutzt, zukünftig will Serwas auch KI-Server zur Verfügung stellen und sich den global wachsenden Bedarf nach Rechenarbeit zu Nutze machen. Die Devise des Start-ups: „Die digitale Welt erzeugt Wärme, die ungenutzt bleibt, und die reale Welt benötigt Wärme, für die teuer bezahlt werden muss."

Schlussendlich passt eine zentrale Steuerungssoftware den Betrieb automatisch und bedarfsgerecht an den aktuellen Wärmebedarf an. Alle fünf Sekunden werden der aktuelle PV-Überschuss, Strompreise, die Temperatur und der Wärmebedarf abgefragt. So können gezielt jene Zeiträume genutzt werden, in denen Strom besonders günstig verfügbar ist. Gibt es eine PV-Anlage, werden mithilfe von Wetterdaten die optimalen Betriebszeiten prognostiziert. Überschussstrom kann mit Echtzeitsteuerung direkt verwendet werden, anstatt ins öffentliche Netz eingespeist zu werden. Alternativ kann die Anlage mit aktuellen Börsenstrompreisen verbunden werden. In diesem Fall wählt das System selbstständig die kostengünstigsten Betriebszeiten. Aber: Mit klassischem Netzstrom rechnet sich der Betrieb nicht, wie das Start-up auf seiner Website schreibt.

Erste Systeme arbeiten bereits

Systeme der ersten Generation von Serwas basierend auf Bitcoin-Minern sind bereits in privaten und gewerblichen Gebäuden im Einsatz, unter anderem zur Nutzung von PV-Überschussstrom. Aktuell arbeitet das Start-up in Kooperation mit den Innsbrucker Kommunalbetrieben an einem Pilotprojekt, bei dem Abwärme von Servern für KI-Anwendungen zur Beheizung des Amraser Schwimmbads genutzt werden soll. 

>> Oberes Hausfeld: Heizen mit dem Fernwärme-Rücklauf

MCI-Beteiligung für Wachstumskurs

Das MCI Start-up Center hilft den jungen Unternehmern aktuell beim Aufbau von Serwas. Neben der aktiven Vernetzung mit relevanten Unternehmenspartnern ermöglicht die Unternehmerische Hochschule die Teilnahme an der MCI Founders Academy. Das Konzept von Serwas fand auch bei Wettbewerben und Preisverleihungen bereits Anerkennung: So wurde Serwas für den Tiroler Innovationspreis nominiert, beim H-Farm Mozart Bootcamp für den besten Pitch ausgezeichnet sowie mit der Senator h.c. Dr. Martin Steinmeyer Förderung geehrt.

Auch beim Boost.Up! Demo Day von Startup.Tirol konnte das Team die Jury überzeugen und den ersten Platz erzielen. Darüber hinaus belegte das Start-up beim MCI Creativity Award 2025 den dritten Platz und erhielt zusätzlich den Sonderpreis für das umsetzungsreifste Konzept. Darüber hinaus bereitet sich Serwas in diesem Jahr auf die nächste Wachstumsphase vor. Geplant ist unter anderem die Einbindung in Gemeinschaftliche Erzeugungsanlagen (GEA) sowie Energiegemeinschaften (EEG) in das Serwas-System. Auch eine Integration in den Energieregulierungsmarkt vorgesehen. 

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