Panasonic : Die Propan-Urquelle von Pilsen

Porträtfoto von Roland Kerschbaum.

Roland Kerschbaum, Panasonic Heating & Cooling Österreich

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Wärmepumpen statt Fernseher: Auf diesen einfachen Nenner kann man bringen, was im tschechischen Pilsen vor sich geht. Seit 1996 baute der Mischkonzern Panasonic dort Fernseher für den europäischen Markt, 2018 wurde damit begonnen, in Teilen der Fabrik Wärmpumpen zu assemblieren. Der große Schnitt kam vor drei Jahren: Da fiel die Entscheidung, die TV-Produktion komplett aufzulassen und den Standort mit einer Investition von 320 Millionen Euro zu Europas modernster Wärmepumpen-Fabrik auszubauen und dabei voll auf natürliche Kältemittel zu setzen. 

Im September 2025 wurde Pilsen neu eröffnet. Zum Start arbeiten hier 700 Mitarbeitende im 1-Schicht-Betrieb, bis 2030 sollen im 3-Schicht-Betrieb bis zu 1,4 Millionen Geräte pro Jahr mit hohem Eigenfertigungsgrad samt eigener Forschung und Entwicklung vom Band laufen – vorausgesetzt, die Marktnachfrage springt wie erwartet an. Roland Kerschbaum, Verkaufsleiter Panasonic Heating & Cooling Solutions Europe für Österreich und die Schweiz, über die Bedeutung der Europäisierung für den heimischen Markt, die technischen Vorteile des Kältemittels Propan – und natürlich die Förderungssituation in Österreich

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Wärmepumpen "Made in Europe"

TGA: Welche Bedeutung hat es für Panasonic Österreich, dass nur 100 Kilometer von der österreichischen Grenze entfernt diese neue, große Produktionsstätte für Europa entsteht?

Roland Kerschbaum: Die Errichtung des neuen Wärmepumpenwerks in Pilsen ist für Panasonic Österreich ein strategischer Meilenstein. Die Nähe ermöglicht eine deutlich effizientere Logistik, kürzere Lieferzeiten und eine engere Abstimmung mit der Produktion. Für unsere Kunden bedeutet das mehr Flexibilität und Verlässlichkeit – gerade in einem dynamischen Markt wie dem der Wärmepumpen.

Die Fabrik entstand aus einer ehemaligen TV-Produktionsstätte des Konzerns, die 2022 endgültig aufgelassen wurde, und nutzt teilweise bestehende Produktionsanlagen wie etwa für die eigene Leiterplattenherstellung. Generell setzt Pilsen auf einen höheren Eigenfertigungsgrad als andere Wärmpumpen-Hersteller und will das auch noch ausbauen: Worin liegt da der Vorteil?

Kerschbaum: Der hohe Eigenfertigungsgrad in Pilsen bringt mehrere Vorteile: Wir sichern die Qualität unserer Produkte durch Kontrolle über zentrale Produktionsschritte, reduzieren Abhängigkeiten von Zulieferern und können Innovationen schneller umsetzen. Das ist ein klarer Wettbewerbsvorteil gegenüber Herstellern mit stark ausgelagerter Produktion. Weiters erfüllen wir durch diesen hohen Grad an Eigenfertigung auch in sehr strengen Ländern die „Made in Europe“ Kriterien.

Hoher Eigenfertigungsgrad: Vom Löten der Kupferrohre über die Leiterplatten für die Steuerungen bis zum Wärmetauscher werden möglichst viele Fertigungsschritte in der Pilsner Produktion konzentriert.

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Ungeachtet aller Verordnungen – R290 als Kältemittel ist eine sehr gute Wahl und wäre auch ohne Vorgaben die beste Lösung.

Propan als Kältemittel technisch sinnvoll

Ein Alleinstellungsmerkmal von Pilsen ist der fast komplette Fokus auf das Kältemittel R290, nur bei Innengeräten werden derzeit noch teilweise R32-Geräte hergestellt. Wann ist die Entscheidung für eine „Propan-Fabrik“ gefallen?

Kerschbaum: Die Entscheidung, Pilsen als „Propan-Fabrik“ auszurichten, fiel bereits frühzeitig im Rahmen der strategischen Neuausrichtung des Konzerns. Panasonic hat das Potenzial von R290 als zukunftssicheres, natürliches Kältemittel erkannt und konsequent darauf gesetzt. Die Umstellung auf R290 ist nicht nur ein technologischer Schritt und ein klares Bekenntnis zur Nachhaltigkeit, sondern auch technisch sinnvoll.

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Warum war Panasonic so überzeugt davon, dass die F-Gase-Verordnung mit den natürlichen Kältemitteln in dieser Form kommen und auch halten wird?

Kerschbaum: Dass die F-Gase-Verordnung ernst gemeint ist, stand nie wirklich in Zweifel. Panasonic hat jedoch schon lange vorher Erfahrung mit natürlichen Kältemitteln aufgebaut. Beispielsweise arbeiten wir schon seit 25 Jahren mit CO₂ als Kältemittel in der Gewerbekälte. Aber ungeachtet aller Verordnungen – R290 als Kältemittel ist eine sehr gute Wahl und wäre auch ohne Vorgaben die beste Lösung für die aktuellen Herausforderungen, etwa in der Gebäudesanierung.

Die Vorteile von R290 sind aber noch lange nicht überall angekommen …

Kerschbaum: Es gibt noch eine große Gruppe an Handwerkern, die anders arbeiten wollen. Aber auch für die haben wir Lösungen, so werden wir R32 auch bald in neuen Serien im größeren Leistungssegment ab 12 kW zum Einsatz bringen. Bis 2034 kann das in jedem Fall zum Einsatz kommen, dann werden wir weitersehen. Institutionelle Investoren wie Bauträger und Fertigteilhaushersteller setzen hingegen alle auf R290, sie wollen das modernste Kältemittel anbieten.

Zum Start arbeiten hier 700 Mitarbeitende im 1-Schicht-Betrieb, bis 2030 sollen im 3-Schicht-Betrieb bis zu 1,4 Millionen Geräte pro Jahr mit hohem Eigenfertigungsgrad samt eigener Forschung und Entwicklung vom Band laufen.

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Es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern darum der Herr im eigenen Haus zu sein: Strom können wir in Europa produzieren, Öl nicht.

Der Wärmepumpen-Markt ist da und wird wachsen

Derzeit steht am Standort die Assemblierung im Vordergrund. In Zukunft soll aber gemeinsam mit der Universität Pilsen das Know-how für die komplette Entwicklung von Wärmepumpen für Europa in Pilsen konzentriert werden. Können da Vertriebstöchter wie die österreichische einen Beitrag dazu leisten?

Kerschbaum: Die Weiterentwicklung unserer Produkte erfolgt schon seit langem in sehr enger Abstimmung mit allen relevanten Parteien. Optik ist wichtig, Effizienz ist wichtig, Schallreduktion erst recht, aber auch alles, was es dem Installateur leichter macht, die Geräte zu montieren. Neu ist, dass wir nun unsere europäische R&D in der ausführenden Fabrik unterbringen können und damit Entwicklungsprozesse noch präziser gesteuert werden können.

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Die Fabrik ist auch ein Versprechen an die Zukunft. Von den theoretisch möglichen 1,4 Mio. Wärmepumpen pro Jahr ist man derzeit wegen der fehlenden europäischen Nachfrage meilenweit entfernt. So wird etwa im Ein-Schicht-Betrieb gefahren, im Vollausbau wird Drei-Schicht-Betrieb angepeilt. Wie sind die Prognosen für die Marktentwicklung: In Europa, und natürlich auch in Österreich?

Kerschbaum: Allen Unkenrufen zum Trotz, der Markt ist da und er wird wachsen. Wir sehen in ganz Europa überaus positive Tendenzen. Zum Beispiel bei großen Wärmpumpen: Wir haben in Österreich jetzt schon deutlich mehr Wärmepumpen 20-50 kW im Markt als im ganzen Jahr 2024. Dieser Bereich wird drastisch wachsen, das freut mich auch sehr, weil wir als Panasonic hier Marktanteile gewinnen konnten. Langfristig betrachtet ist die Wärmepumpe eine der Schlüsseltechnologien für die Dekarbonisierung und Energieunabhängigkeit Europas. Es geht nicht um die Rettung der Welt, sondern darum der Herr im eigenen Haus zu sein: Strom können wir in Europa produzieren, Öl nicht.

Woher kommt dann die spürbare Unruhe in der Wärmepumpenbranche? Dass das Wachstum nicht so weitergehen kann wie 2022 und 2023, war doch klar, oder?

Kerschbaum: Was wir als Branche ändern müssen, ist die Art der Kommunikation. Schön, wenn ein Kunde eine Wärmepumpe der Umwelt zuliebe kauft, oder weil es gerade eine Förderung gibt. Wir müssen wieder viel stärker die Vorteile von Systemen für den Anwender selbst in den Fokus rücken. Wärmepumpen sind bereits die attraktivste Lösung für Heizen und Kühlen. Sowohl im Neubau als auch in der Sanierung. Ich habe keine Sorgen, dass wir die geplanten Kapazitäten nicht ausschöpfen werden.

Förderung nach dem Prinzip “keine Wellen”

Und natürlich noch die Frage nach den Förderungen: Für die Heizungssanierung gibt es endlich wieder Geld, wie beurteilst Du neu vorgestellte Lösung?

Kerschbaum: Ich bin sehr froh, dass es nun einen klaren Fahrplan für die nächsten Jahre gibt, nach dem Prinzip „keine Wellen“! Das Fördervolumen ist wieder auf einem Niveau, wie wir es von früher kennen, dennoch erwarte ich aufgrund zukünftig steigender Preise für CO₂-Emissionen eine stärkere Sanierungsrate, als wir es aus der Vergangenheit kennen.

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