Wärmepumpen, Geothermie & digitaler Zwilling : Energievision für die Meischlgasse
So funktioniert die Wärme- und Kälteversorgung im Stadtquartier Meischlgasse im Winter und Sommer.
- © Wien Energie / APA-GRAFIK ON DEMANDIm 23. Wiener Gemeindebezirk entsteht ein neues Stadtquartier, das nicht nur durch seine Größe – rund anderthalbmal so groß wie der Stadtpark – beeindruckt, sondern vor allem durch sein innovatives Energiekonzept. Auf dem Areal der Meischlgasse sollen knapp 2.000 Wohnungen entstehen, deren Wärme für Heizung und Warmwasser künftig vollständig mit erneuerbaren und lokal verfügbaren Ressourcen bereitgestellt werden.
Herzstück der Anlage ist ein Wärmenetz, das mit insgesamt 565 Tiefensonden verbunden ist. Ergänzt wird es durch Solarthermie und Photovoltaik. Um das Quartier mit Heizung, Warmwasser und Kühlung zu versorgen, kommen auch Wärmepumpen und Luft-Wasser-Wärmetauscher zum Einsatz.
Derzeit laufen die Bohrarbeiten: Mit schwerem Gerät werden Sonden in bis zu 80 Meter Tiefe eingebracht. Diese "Schlauch-Schlaufen" in den Bohrlöchern sind mit einer Sole-Flüssigkeit gefüllt und entziehen dem Erdreich Wärme – in dieser Tiefe hat es ganzjährig rund zehn bis zwölf Grad – die anschließend zur Energiegewinnung an der Oberfläche genutzt wird.
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Sieben Bauträger, zehn Energiezentralen
Im Winter wird über Erdsonden Wärmeenergie bezogen und mit Wärmepumpen für Heizung und Warmwasser genutzt. Im Sommer wird überschüssige Wärme in den Boden abgeführt, die Gebäude werden dadurch temperiert. Über das Jahr betrachtet wird also Wärmeenergie vom Sommer- ins Winterhalbjahr gebracht und es ergibt sich eine ausgeglichene Bilanz. Die Erdsonden werden mit mehreren Metern Abstand gesetzt, insgesamt entsteht dadurch ein Energiespeicher mit 2,3 Millionen Kubikmeter Erdvolumen. Die Sonden sind auf die Baufelder verteilt und speisen in ein gemeinsames Netz ein. In den Häusern werden insgesamt zehn Energiezentralen errichtet, in denen Wärmepumpen und andere Maschinen ihre Arbeit verrichten.
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Ergänzt wird das System durch Sektorkopplung in Form einer Power-to-Heat-Anlage, die die Nutzung von Strom und Wärmeenergie vernetzt. Eingesetzt wird sie einerseits zur Warmwasseraufbereitung, wenn es an sonnigen Sommertagen ein Überangebot an Strom gibt. An besonders kalten Wintertage kann sie, andererseits Verbrauchsspitzen bei der Heizung abzudecken. Sämtliche Anlagen werden mit Ökostrom betrieben. Wien Energie setzt das Energiekonzept zusammen mit sieben Bauträgern um.
Energiemanagement mit KI-Automation
Um zu gewährleisten, dass alle Komponenten möglichst effizient zusammenspielen, bringt Wien Energie eine Simulation des Energiesystems zum Einsatz. Dabei wird das gesamte System in Form eines „Digitalen Zwillings“ abgebildet. Die Sensordaten aus dem gesamten Quartier werden in Echtzeit erfasst und Parameter wie Temperatur und Energieverbräuche mittels Energiemanagement genau überwacht. Simulationen, Prognosen und KI-gestützte Automationen ermöglichen dabei eine besonders vorausschauende Betriebsweise.
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Stadtquartier Meischlgasse in Zahlen
- Fläche: 9,6 Hektar
- Wärmeleistung: 3,8 MW
- Temperierungsleistung: 1,3 MW
- Anzahl Tiefensonden: 565
- Nettogeschossfläche: 95.000 Quadratmeter
- Photovoltaik-Anlagen: 283 kW Peak
- Solarthermie: 348 Quadratmeter
- Energiezentralen: 10