Lüftungstrends: Green AHUs und Retrofit : Die stille Revolution in der Lüftung

Wolf Martin Kloboucnik

Martin Kloboucnik, Geschäftsführer Wolf Klima- und Heiztechnik 

- © Wolf

Seit Juli 2024 ist Martin Kloboucnik Geschäftsführer bei Wolf Klima- und Heiztechnik. Er leitet das Unternehmen gemeinsam mit Samantha Stangl. Im TGA-Interview spricht Kloboucnik erstmals ausführlich über seine Sicht auf die Dekarbonisierung des Gebäudesektors und die Veränderungen im Lüftungsgeschäft. Vor allem zwei Themen stehen da bei Wolf derzeit im Fokus: Green Air Handling Units und der wachsende Retrofit-Markt, bei dem Wolf die Nase vorne hat. 

>> Sie wollen die neuesten Interviews mit schlauen Köpfen aus der TGA-Branche lesen? Abonnieren Sie unsere Newsletter – mit uns bleiben Sie informiert! Hier geht’s zur Anmeldung!

Förderungen prägen den Markt

TGA: Die Gebäude sind einer der großen Energieverbraucher, und hier gibt es den größten Hebel für mehr Effizienz und weniger Energieverbrauch: Wie sehen Sie die immer hohen Anforderungen, die die EU an die Verbesserung der Energieeffizienz am Gebäudesektor stellt? 

Martin Kloboucnik: Ein generelles Urteil möchte ich mir darüber nicht anmaßen. Aber wenn wir das auf unsere Branchen herunterbrechen, dann sehen wir, dass die Klimaziele bis 2030 oder 2040 derzeit ohne zusätzliche Maßnahmen nicht erreicht werden können. Wir haben miterlebt, was am Heizungsmarkt mit dem abrupten Ende der enorm hohen Förderungen passiert ist. Der Österreicher ist so konditioniert, dass er beim Heizungstausch nur aktiv wird, wenn es eine Förderung macht, der Heizungsmarkt steht derzeit. Über Verbände und Interessensvertretungen bekommen wir mit, dass auch die Auftragspuffer bei den Installateuren mittlerweile weg sind. Der Neubau ist noch nicht annähernd dort, wo er vor drei Jahren war. Das heißt, ohne stabile Förderprogramme wird die Dekarbonisierung des Gebäudesektors nicht funktionieren.  

>> Heizungstausch und Sanierungsbonus: Neue Förderung ab November

Wie sieht es bei der Lüftung aus? Auch die kann doch viel zur Energieeffizienz beitragen. 

Kloboucnik: Hier ist die Situation ähnlich. Die Landesförderungen für kontrollierte Wohnraumlüftungen wurden entweder gestrichen oder in umfassendere thermische Sanierungsprogramme eingebettet. Dort, wo der Einbau kein Förderkriterium mehr darstellt, werden auch keine KWRL Systeme eingebaut. Dabei sorgt die nicht nur für die Verbesserung der Luftqualität im Innenraum, sondern trägt auch massiv zur Energieeinsparung bei. Bis zu 30 Prozent der Heizkosten können so gespart werden. 

Wo der Einbau kein Förderkriterium ist, werden auch keine KWRL mehr eingebaut.

Retrofit für Lüftungsanlagen

Sehen Sie den Markt für KWRL wirklich so stark betroffen? 

Kloboucnik: Seit sie nicht mehr gefördert wird, ist die kontrollierte Wohnraumlüftung so gut wie verschwunden, selbst im Neubau mit den dichten Gebäudehüllen. Da sehe ich Parallelen zur Solarthermie, die ebenfalls nur mit Förderungen angenommen wird.  

Wie steht es um den Lüftungsmarkt in gewerblichen Objekten? 

Kloboucnik: Dieser wiederum läuft unabhängig von der Baukonjunktur sehr gut, anders als die Heizung. Wir profitieren hier als Wolf sicherlich von konsequenter Marktbearbeitung. Was aber neben dem Neubau ein immer größeres Thema wird, das ist das Erneuern von bestehenden Lüftungsanlagen. Retrofit funktioniert, denn an Lüftungsanlagen kann wenig kaputt werden, was nicht erneuert werden kann: Insbesondere Ventilatoren, Register und Filter eignen sich dafür. Zudem sind alte Produkte wie etwa Riemenantriebe nicht energieeffizient, deren Erneuerung hilft stark bei der Einsparung von Energiekosten. Ein weitereres Argument für Retrofit: Wird ein Lüftungsgerät komplett getauscht, muss man neue Richtlinien einhalten, was in der Regel größere Geräte erfordert. Gerade in der Lüftungsanlage ist der Platz dafür oft nicht da. Daher garantieren wir eine Modernisierung und Energieeinsparung ohne bauliche Maßnahmen. 

Ventilator-Austausch einer bestehenden RLT-Anlage.

- © WOLF GmbH
Green AHUs sind ein Puzzlestein, der dabei hilft, das Gebäude auf einen höheren Standard zu bringen.

Grüne Air Handling Units

Sie kommen am Lüftungsmarkt jetzt mit „Green AHU“ auf den Markt: Was sind „grüne Air Handling Units“? 

Kloboucnik: Mit den neuen ESG-Richtlinien wird nicht nur der CO₂-Fußabdruck des Betriebs von Geräten bewertet, sondern auch der bei der Herstellung. Das betrifft alle Bauteile eines Gebäudes, also Baumaterialien, Fenster – und eben auch Lüftungsanlagen. Ein Teil der Lüftungsgeräte besteht aus Stahlblech, und dafür bieten wir nun auch Produkte aus „green steel“ an. Das heißt, der Stahl wird im Prozess nicht mehr mit Koks oder anderen fossilen Brennstoffen erwärmt, sondern durch energieeffiziente, umweltfreundlichere Technologien wie etwa der Lichtbogentechnologie.  

Wie groß ist der Anteil von „Green AHU“ bei der Reduktion des CO₂-Fußabdrucks? 

Kloboucnik: Es ist ein Puzzlestein, der dabei hilft, das Gebäude auf einen höheren Standard zu bringen. Wir spüren bei gewerblichen Bauten bereits, dass hier immer öfter Produkte ausgeschrieben werden, die die entsprechenden ESG-Vorgaben erfüllen müssen.  

>> 50 Jahre Wolf in Österreich – Samantha Stangl: „Die nächsten Jahre werden spannend werden“

Wie hoch ist Ihre Erwartung an dieses Produktsegment? 

Kloboucnik: Die Lüftung ist ein Ausschreibungsgeschäft. Mit „Green AHU“ bieten wir eine Lösung, die Planern und Bauherren die Erfüllung von strengeren Gebäuderichtlinien ermöglicht, wenn sie es anstreben. Wir erwarten in den nächsten Jahren deutlich strengere Richtlinien und Vorgaben in diese Richtung.  

Kann man sagen, dass „Green AHU“ ein Zukunftsthema ist, Retrofit hingegen jetzt schon angekommen ist? 

Kloboucnik: Die Sanierung bestehender Anlagen spart jetzt schon massiv Energie und Kosten. Das ist eine stille Revolution, die schon im Gange ist. Mit wenig Aufwand kann ich das Lüftungsgewerk auf den Stand der Technik bringen und nochmal 10-20 Jahre betreiben – und zwar auch besser als bisher! 

Retrofit der Lüftungsanlage rechnet sich alleine über die Wirtschaftlichkeit.

Energiefresse aus dem System entfernen

Wie meinen sie das? 

Kloboucnik: Die Lüftungssanierung löst bei vielen Kunden Folgefragen aus. Ob man mit dem Retrofit vielleicht auch Entfeuchten könne, Kühlregister einbauen, eine moderne Regelung über Sensoren und andere Funktionserweiterungen. Wir haben schon viele entsprechende Projekte umgesetzt, wo die Lüftungsanlage aufgewertet wurde. Dabei kann oft der Platz genutzt werden, der durch den Austausch eines großen, riemengetriebenen Ventilators gegen einen modernen, kleineren frei wird. Oder auch der Ausbau der nicht mehr nötigen Filterstufe für den Riemenabrieb, da ist dann Platz für zusätzliche Kühlregister.  

Kehren wir zur Anfangsfrage zurück: Ist auch das ein förderungsgetriebener Markt, oder geht es hier um die Aufwertung des Gebäudes in energetischer Hinsicht? 

Kloboucnik: Unseren Kunden geht es hier einfach darum, Energiefresser aus dem System zu entfernen und wirtschaftlicher zu werden. Wir sehen eine Amortisation von zwei bis fünf Jahren, das ist extrem kurz. Es gibt hier meines Wissens nach keine Förderungen dafür, und auch ein Upgrade der Gebäudeklasse war in der Sanierung noch nie das Thema. Retrofit der Lüftungsanlage rechnet sich alleine über die Wirtschaftlichkeit. 

>> Kühlbedarf in Österreich 2050: Land der Berge und Klimaanlagen?