Planer im Porträt: Bernd Krauß und Stephen Kaltheier : Keine 0815-Haustechnik
Bernd Krauß (links) und Stephen Kaltheier (rechts), die Firmengründer des Planungsteam E-Plus
- © Emanuel SutterlütyRund 360 Kilometer Luftlinie liegen zwischen der Technischen Hochschule Mittelhessen und dem Büro des Planungsteam E-Plus in Dornbirn: Eine Distanz, die Bernd Krauß und Stephen Kaltheier nach ihrem Studium der Energie- und Wärmetechnik gerne in Kauf nahmen. Beide studierten im zweiten Bildungsweg – Krauß ist gelernter Sanitärinstallateur und Spengler, Kaltheier gelernter Heizungsbauer – und beide hatten Interesse an der sich entwickelnden Energieszene in Vorarlberg.
„Wir waren nach unserer Diplomarbeit zum Passivhaus, mit dem Schwerpunkt der Wohnraumlüftung und Wärmerückgewinnung, sehr tief in diesem Thema drin. Auf eine Kleinanzeige in der Sonnenenergie sind wir 1996 nach Vorarlberg gezogen“, erinnert sich Kaltheier. Zeitgleich war in Vorarlberg in der zweiten Hälfte der Neunziger die Holzbauarchitektur im Kommen, damit verbunden auch effiziente Gebäudehüllen. Nach drei Jahren im Angestelltenverhältnis gingen die beiden Diplomingenieure den nächsten Schritt und gründeten das Ingenieurbüro Planungsteam E-Plus, das in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert.
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08/15-Haustechnik kommt bei uns selten vor. Eigentlich entwickeln wir Gebäude und planen später die Haustechnik.Bernd Krauß, Planungsteam E-Plus
Lowtech-Ansatz
Beim Planungsteam E-Plus beschäftigen sich aktuell acht Personen mit der energieoptimierten Gebäude- und Haustechnikentwicklung, genauer mit Haustechnikkonzepten für intelligente Gebäude und die Qualitätssicherung von Biomassenahwärmeanlagen. Zu den Spezialitäten des Büros gehört das sogenannte „Klima-Engineering“, eine ganzheitliche Gebäudeklimakonzeptentwicklung in Absprache mit der Architektur und nach den Vorstellungen der Bauherren, bzw. Investoren. „Das ist auch ein Unterscheidungsmerkmal von vielen anderen Ingenieurbüros, 08/15-Haustechnik kommt bei uns selten vor“, wie Krauß erklärt. „Eigentlich entwickeln wir Gebäude und planen später die Haustechnik. Wir versuchen sehr früh konzeptionell im Projekt dabei zu sein.“ Dabei darf – ganz in der Passivhaus-Denkweise – die Gebäudehülle nicht fehlen, von der Position, Größe und Höhe der Fenster bis hin zur thermischen Bauphysik.
Das Klima-Engineering umfasst Systemstudien, Wirtschaftlichkeits- und Lebenszyklusbetrachtungen sowie Qualitätssicherung zu Energieeffizienz und Komfort. Für komplexe Gebäuden kommen dynamische Gebäude-, Anlagen- und Tageslichtsimulationen zur Anwendung, die das Ingenieurbüro in Zusammenarbeit mit dem Liechtensteiner Büro Gasser Bauphysik Consult anbietet. Ihre Herangehensweise an die Gebäudetechnik beschreiben die beiden Geschäftsführer von E-Plus als Lowtech, „also nur so viel verbauen, dass der Restenergiebedarf, den das Gebäude noch hat, gedeckt werden kann“.
Der überwiegende Auftragsumfang der letzten fünf Jahre kommt eindeutig aus dem kommunalen Bereich, sowohl Sanierung als auch Neubauten.Stephen Kaltheier, Planungsteam E-Plus
Kommunen statt Wohnbau
Trotz seiner Wurzeln im Wohnbau hat sich die Auftragslage des Ingenieurbüros inzwischen von diesem Segment weg verlagert. „Wir sind mit knapp einem Drittel im Biomasse-Nahwärmebereich tätig. Hier insbesondere im Qualitätsmanagement 'QM Holzheizwerke', wo E-Plus seit 2006 den Status 'Qualitätsbeauftragter' führt und zudem als 'klimaaktiv Kompetenzpartner' in Österreich gelistet ist. Der überwiegende Auftragsumfang der letzten fünf Jahre kommt aber eindeutig aus dem kommunalen Bereich, sowohl Sanierung als auch Neubauten“, wie Kaltheier zusammenfasst. Nicht nur sei das Auftragsvolumen im Wohnbau aufgrund der belasteten Baubranche zurückgegangen, vielmehr habe man sich bewusst aus dem Segment verabschiedet, wie Krauß ergänzt. „Es ist zum Stillstand gekommen, was die Innovation betrifft, und es wird – aus unserer Perspektive – an den falschen Stellen gespart“.
Luft nach oben gibt es hingegen im kommunalen und gewerblichen Bereich. Bei ersterem spielt der Vorarlberger Kommunalgebäudeausweis KGA eine große Rolle. Mit ihm können Gemeinden bis zu 20 Prozent mehr Bedarfszuweisungsmittel bei Neubau und Sanierung von kommunalen Gebäuden erhalten, wenn diese energetisch und ökologisch ausgeführt werden. „Dort ist die Energieperformance äußerst relevant, denn von 1.000 erreichbaren Punkten werden knapp 500 beim Thema Energie vergeben“, ordnet Krauß ein.
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Nicht nur, aber auch für den betrieblichen Bereich bietet das Planungsteam E-Plus mit der Leistung „E-MAX“ an, nachhaltige Energiesysteme schnittstellenübergreifend zu konzeptionieren. Wichtig sei es, dass am Ende ein Gesamtkonzept herauskommt, wie Kaltheier betont: „Ein PV-Anlagen-Hersteller rechnet aus, wann wie viel Kilowattstunden ins Haus reinkommen und damit endet seine Dienstleistung oftmals. Bei unseren E-MAX Untersuchungen und Auswertungen berücksichtigen wir, unter Zuhilfenahme des Planungstool Polysun, die gesamten stromgeführten Energiesysteme, also Photovoltaik, Wärmepumpen, Kältemaschinen, Kraft-Wärme-Kopplung oder andere erneuerbare Energien und planen die dezentrale Stromversorgung. Der Betrieb in Gebäuden mit Kühl- und Heizanlagen, Produktion oder anderen stromintensiven Verbräuchen wird somit unabhängiger und spart langfristig Betriebskosten“.
Drei Büros, ein Partnernetzwerk
Das Planungsteam E-Plus ist auch Teil der Incept Holding, die als Dachorganisation drei Netzwerkpartner und ihren Marktauftritt verbindet. Dazu gehören auch Gasser Bauphysik Consult und das teamgmi Ingenieurbüro in Wien. Das Wiener Ingenieurbüro ist etwa gleich groß wie das Planungsteam E-Plus, das an seinem Aufbau beteiligt war – gemeinsam teilt man sich Aufträge in Österreich grob nach Osten und Westen auf. Gasser Consult ist als Partnerbüro wiederum auf thermische Bauphysik und dynamische Simulationen spezialisiert, die es braucht, um Lowtech-Gebäudetechnik überhaupt umzusetzen.
Quartiersentwicklung im Kommen
Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit sind „Energieeffizienz-Highlights“, wie das Ingenieurbüro sie nennt, so etwa auch das neue Rathaus in Hohenems. Der sechsgeschossige Holzbau, der den Vorarlberger Holzbaupreis 2025 gewonnen hat, bezieht seine Energie aus der Tiefe. „Die zweigeschossige Tiefgarage musste pilotiert werden, damit sie aufgrund des Auftriebs nicht hochschwimmt“, weiß Kaltheier. „Die statisch notwendigen Gründungspfähle wurden dabei mit Kunststoffschläuchen belegt und so eine gesamte Erdabsorberanlage als Energiequelle gebaut“.
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Die Anlage versorgt ein gesamtes Quartier aus vier Wohn- und Geschäftsgebäuden, einem Sanierungsprojekt und dem Rathaus via Wärmepumpe und Flächensystemen im Winter mit Wärme und im Sommer mit Direct Cooling. Außerdem wird das Gebäude mechanisch be- und entlüftet, inklusive Wärme- und Feuchterückgewinnung. Das Planungsteam E-Plus zeichnete für die Haustechnik-Planung, MSR-Planung, Fachbauleitung verantwortlich: „Da war vom Denkmalschutz bis zum modernen Holzhybrid-Bürohaus alles dabei.“
„Energiekonzepte für Quartiere, d.h. mehrere Gebäude oder ganze Stadtteile, kommen immer mehr“, beobachtet auch Krauß. Involviert war das Ingenieurbüro u.a. in die Nutzung der „Seewärme“ des Bodensees als Energiequelle für ein Bregenzer Büro – und Wohnquartier. Hierzu wurden mehrere E-MAX-Variantenstudien erstellt und aufgezeigt, zu welchem Kilowattstundenpreis die Energie schlussendlich in unterschiedlichen Optionen zu beziehen ist.
Eine Auszeichnung mit dem Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit gab es 2021 für das Bildungszentrum Frastanz-Hofen, bei dem das Ingenieurbüro die Haustechnik-Planung innehatte. Eine Nominierung für den Staatspreis sowie die Auszeichnung mit Klimaaktiv Gold folgten 2024 für den Schulkomplex Hittisau. Mit Projekten wie diesen zeigt das Planungsteam E-Plus, wie weniger Technik und mehr Konzept, Gebäude entstehen lassen, die für Menschen und Umwelt funktionieren.