Gebäudebestand Österreich : Studie rügt Heizsysteme und Energieeffizienz der Bundesgebäude

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Eine Studie der Umweltorganisation Global 2000 zeigt den schlechten Zustand von öffentlichen Gebäuden in Österreich auf.

- © Olivier Le Moal - stock.adobe.co

Ein Viertel der Gebäudefläche im öffentlichen Eigentum werden in Österreich noch immer fossil beheizt. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie der Umweltschutzorganisation Global 2000. Sie analysiert die Energieeffizienz und Wärmeversorgung von Gebäuden der öffentlichen Hand, inklusive Neubauten und umfassende Sanierungen der vergangenen Dekade. Die Ergebnisse zeigen auch, dass nur rund 5 Prozent der öffentlichen Gebäude gute Energiestandards vorweisen können. 

„Die Bundesregierung kommt ihrem Versprechen, auf dem Weg zur Klimaneutralität als Vorbild voranzugehen, nicht nach", kritisiert Johannes Wahlmüller. Die Gebäude würden sich zum Großteil in einem „erschreckend schlechten Zustand" befinden. Bund und Länder seien gefordert, ihr Sanierungs-Tempo zu beschleunigen und auf nachhaltige Heizsysteme, so der Klima- und Energiesprecher von Global 2000.

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Heizsysteme: Ein Viertel fossil beheizt

Ein Viertel (23 Prozent) der 8,2 Millionen Quadratmeter großen, analysierten Gebäudefläche im öffentlichen Eigentum heizt noch mit Öl- oder Gasheizungen, 11 Prozent mit Wärmepumpe oder Biomasse und 64 Prozent mittels Fernwärme. Die restlichen zwei Prozent der Fläche konnten nicht zugeordnet werden.

Große Unterschiede gibt es zwischen den Bundesländern: Tirol heizt 54 Prozent seiner öffentlichen Gebäudefläche mit fossilen Heizungen, Niederösterreich und Vorarlberg je 26 Prozent, Oberösterreich 21 Prozent und das Burgenland 18 Prozent. Positiver fällt die Auswertung in Salzburg mit 10 Prozent aus, dazu gesellen sich die Steiermark mit 8 Prozent und Wien mit 5 Prozent – Spitzenreiter ist Kärnten, das fast vollständig aus fossiler Energie ausgestiegen ist. 

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„Laut nationalem Energie- und Klimaplan sollen alle öffentlichen Gebäude bis 2027 frei von fossiler Energie sein"– ein Ziel, für das aktuell ein klarer Plan fehle, wirft Wahlmüller ein. Auch manche Unternehmen im öffentlichen Eigentum schneiden schlecht ab: Die Öbb heizt demnach mehr als die Hälfte ihrer Gebäude mit fossilen Brennstoffen, die Asfinag kommt auf fast 40 Prozent und betreibt noch viele Stromdirektheizungen. Bei der BIG sind hingegen über 80 Prozent der Fläche ohne Gas und Öl beheizt, der Großteil via Fernwärme. 

Studienerschwernis: Datenlage ist löchrig

Für die Studie hat die Umweltschutzorganisation Daten über Anfragen des Umweltinformationsgesetzes erhoben und analysiert. Die Studie untersucht Schulen, Krankenhäuser, Amtsgebäude und Wohngebäude, sowie Gebäude von Unternehmen im öffentlichen Eigentum, wie der Öbb und der Asfinag. Oft lässt der Datenbestand jedoch zu wünschen übrig, wie in der Studie zu lesen ist: Während Heizsysteme bekannt sind, fehlen Energiekennzahlen und Details zu Neubauten oder Sanierungen häufig. Gebäude mit weniger als 250 m², denkmalgeschützte Gebäude und Bauten für religiöse Zwecke oder die Landesverteidigung sind nicht in die Analyse eingeflossen, da für sie oft Ausnahmen oder Sonderregelungen gelten.

Energieeffizienz: 5 Prozent erreichen Effizienzklasse A oder darüber

Die Ergebnisse für die Energieeffizienz der 6,2 Millionen analysierten Quadratmeter fallen ebenfalls durchwachsen aus: Nur 5 Prozent der öffentlichen Gebäude von Bund und Ländern erreichen hohe Energiestandards (Energieeffizienzklasse A oder besser). 44 Prozent entfallen auf die Klasse B, 25 Prozent auf die Klasse C und 27 Prozent in die Klassen D bis G. Bei rund einem Viertel der gemeldeten Flächen ist die Effizienzklasse unbekannt. Die Vorgabe der EU-Energieeffizienz-Richtlinie, nach der jährlich 3 Prozent der öffentlichen Gebäudeflächen auf Niedrigstenergie- oder Nullemissionsstandard saniert werden müssen, könne so nicht erfüllt werden, gibt Global 2000 zu bedenken.

Nach Bundesländern gereiht ist der Anteil sanierungsbedürftiger Flächen (Klassen D-G) in Tirol am höchsten, die meiste Fläche mit Energieeffizienzklasse A und darüber findet sich in Wien – dort fehlen in der Analyse allerdings Daten zu Schulen, der MA 34 und Wiener Wohnen. Aber auch beim Bund insgesamt (48 Prozent) sowie den Österreichischen Bundesforsten (46 Prozent) ist der Anteil an Flächen mit Energieeffizienzklasse D oder darunter hoch. Bei der Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) fällt rund ein Drittel der Gebäude in dieselbe Kategorie. Positiv hervortun sich hingegen die landwirtschaftlichen Bundesversuchswirtschaften, über die Hälfte
der Fläche (58 Prozent) erreicht Effizienzklasse A.

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Neubauten und Sanierungen: Luft nach oben

Schlussendlich widmet sich Global 2000 auch noch den Neubauprojekten und umfassenden Sanierungen, die zwischen 2015 und 2025 von den analysierten Einrichtungen gemeldet wurden. Von 107 Neubauprojekten mit einer Bruttogrundfläche von 400.203 m² erreichten 28  Prozent eine der höchsten Energieeffizienzklassen (A oder darüber). Der Großteil – 64 Prozent – wurde der Klasse B zugeordnet. Bei 33 Gebäuden, die zusammen 8 Prozent der Fläche ausmachen, lag die Effizienz bei Klasse C. Fünf Neubauten erreichten lediglich Klasse D – darunter zwei Projekte der Stadt Wien aus dem Jahr 2024. Ein ÖBB-Neubau aus 2020 wurde der Klasse  E zugeordnet, ein weiteres Projekt in Salzburg aus dem Jahr 2015 sogar der niedrigsten Klasse G.

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Im gleichen Zeitraum wurden insgesamt 97 umfassende Sanierungen gemeldet, die eine Bruttogrundfläche von 173.303 m² umfassen. Mit 64 Projekten entfiel ein Großteil dieser Maßnahmen auf ÖBB-Wohnbauten. Bei etwa einem Drittel der sanierten Fläche (36  Prozent) wurde Effizienzklasse C erreicht, bei 3 Prozent sogar nur Klasse D. Die Mehrheit der sanierten Fläche bewegt sich in Klasse  B. 14  Prozent – fast ausschließlich Projekte der Stadt Wien – erreichten die höchste Klasse A.

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