Heizsysteme im CO2-Vergleich : Pellets und Wärmepumpe überzeugen
Anton Berger, Innungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker*innen, WKO Steiermark Vizepräsidentin Gabi Lechner und Nachhaltigkeitsexperte Andreas Gumpetsberger präsentieren die Pilotstudie (v.l.n.r.)
- © Foto FischerWelche Heizform ist über den gesamten Lebenszyklus betrachtet tatsächlich die klimafreundlichste? Die steirische Landesinnung der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker*innen ist dieser Frage in einer Pilotstudie auf den Grund gegangen. Dafür hat sie den CO₂-Fußabdruck verschiedener Heizsysteme von der Herstellung über den Betrieb bis zur Entsorgung – auch „Cradle-to-Grave“ genannt – analysiert. Das Ergebnis: Pellets und Wärmepumpen liegen in dieser Betrachtung vorne und erzielen bis zu 91 Prozent CO₂-Einsparung gegenüber bestehenden Ölheizungen.
Ein wenig überraschendes Ergebnis der Untersuchung ist die dominante Rolle der Nutzungsphase für die Treibhausgasbilanz. Herstellung und Entsorgung der Anlagen fallen im Vergleich zum jahrzehntelangen Betrieb kaum ins Gewicht. Basis der Berechnung war ein typisches Einfamilienhaus (Baujahr 1980, 150 m² Wohnfläche, vier Personen) beim Tausch eines bestehenden Ölkessels. Studienautor Andreas Gumpetsberger: „Oft wird über den ‚ökologischen Rucksack‘ bei der Herstellung neuer Heizungen diskutiert. Unsere Daten zeigen aber klar: Dieser ist vernachlässigbar. Der Hebel liegt im Betrieb."
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Diese Heizform hat den kleinsten ökologischen Rucksack
Im Vergleich zum Weiterbetrieb einer alten Ölheizung, die ca. 216 Tonnen CO2e über 20 Jahre erzeugt, zeigen moderne Heizsysteme ein großes Einsparpotenzial:
- Pelletsheizung: Mit einer Einsparung von 91,1 Prozent (ca. 197 Tonnen CO2e) ist sie der Spitzenreiter im Vergleich.
- Luft-Wasser-Wärmepumpe: Bei einer Betriebstemperatur von 45 °C (Flächenheizung) werden 84 Prozent CO₂ eingespart. Auch im Betrieb mit Radiatoren (55 °C) liegt die Einsparung bei 78,3 Prozent (basierend auf dem Strommix Österreich).
- Fernwärme: Der Anschluss an die Fernwärme Graz bringt eine Reduktion von 77,5 Prozent, der österreichische Fernwärme-Mix liegt bei 56,8 Prozent Einsparung.
- Öl-Brennwert: Ein Austausch auf moderne Öl-Brennwerttechnik bringt eine Reduktion von 14,3 Prozent.
Die Studie unterstreicht die Bedeutung des Handwerks für die Energiewende, betont auch Bundesinnungsmeister Anton Berger: „Die Installateure tragen dazu bei, die Klimaziele Österreichs und der EU zu erreichen." Ohne das Engagement und das Know-how der Installateur*innen seien Fortschritte bei der CO₂-Reduktion kaum möglich. Ein konkretes Beispiel zeigt die Hebelwirkung des Heizungstauschs auf: In rund 80 Montagestunden für eine neue Heizungsanlage werden über die Lebensdauer knapp 196 Tonnen CO₂ eingespart. Das entspricht einer rechnerischen Einsparung von 2.450 kg CO₂ pro Arbeitsstunde eine*r Installateur*in.
Wirtschaftlichkeit des Heizungstausches
Neben dem Klimaschutz ergeben sich auch ökonomische Vorteile: Durch den Ersatz von fossilen Systemen bleibt mehr Wertschöpfung in Form von Energieträgern und Arbeitsplätzen in Österreich, gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von Energieimporten aus dem Ausland. Laut Markteinschätzung des Fachverbandes Mineralölindustrie (FVMI) betrug der Heizölverbrauch 2024 ca. 631.000 Tonnen – davon mussten mindestens 600.000 Tonnen importiert werden. In der Steiermark sind aktuell noch rund 45.000 alten Ölheizungen (errichtet vor 2000) in Betrieb.