Verband ZULuft : Lüftungstechnik auf hoher Flughöhe behandeln

Robert Grellet, Geschäftsführung Walter Bösch, Jürgen Fink, Geschäftsführung drexel und weiss energieeffiziente Haustechniksysteme, Gernot Pichler, Geschäftsführung Pichler, Wolfgang Hucek, Geschäftsführung Trox Austria und Florian Bouchal, Geschäftsführung Wolf Klima- und Heiztechnik

Robert Grellet, Geschäftsführung Walter Bösch, Jürgen Fink, Geschäftsführung drexel und weiss energieeffiziente Haustechniksysteme, Gernot Pichler, Geschäftsführung Pichler, Wolfgang Hucek, Geschäftsführung Trox Austria und Florian Bouchal, Geschäftsführung Wolf Klima- und Heiztechnik (v.l.n.r.)

- © TGA Redaktion/BF

Wolfgang Hucek und Robert Grellet haben einiges gemeinsam: Sie sind beide Geschäftsführer, Hucek bei Trox Austria, Grellet von der Firma Walter Bösch. Beide haben Kinder im schulpflichtigen Alter, was in diesem Fall auch beruflich eine Rolle spielt; und beide haben die Vision, die Anliegen der Lüftungstechnik sowohl innerhalb der Branche als auch in der Politik stärker zu positionieren und so gestaltend einzugreifen. Und noch eines eint die beiden: Sie sind Gründungsmitglieder und zwei von fünf Vorständen des Verbands ZULuft Austria (Zukunft Luft Austria). Im Gespräch mit der TGA erzählen sie vom entstandenen Feuer, etwas gemeinsam machen zu wollen, und wofür sie ihre Kräfte bündeln.

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Einem einzelnen Unternehmen kann man vorwerfen, dass es nicht aufklären will, sondern nur an seine eigenen Vorteile denkt.
Wolfgang Hucek

TGA Beginnen wir mit dem Anfang: Was gab den Anstoß für die Gründung des neuen Lüftungs-Verbands?

Robert Grellet: Wolfang, möchtest Du beginnen? Du hast den Anstoß dazu gegeben.

Wolfgang Hucek:
Gerne. Meine Erfahrung war: Wenn wir mit unseren Themen wahrgenommen werden wollen, dann tut sich jedes einzelne Unternehmen schwerer, als wenn wir unsere Kräfte in einem Verein bündeln. Einem einzelnen Unternehmen kann man vorwerfen, dass es nicht aufklären will, sondern nur an seine eigenen Vorteile denkt. Das habe ich immer wieder gehört, wenn ich Personen von der Bedeutung der Raumluftqualität überzeugen wollte. Dann habe ich andere Branchenvertretende kontaktiert und von denen dasselbe gehört: Allein ist es schwierig, mit den komplexen Themen der Lüftungstechnik durchzukommen. Da war dann sehr schnell das Feuer da, etwas gemeinsam zu machen. Wir hatten rasch Mitstreiter im Boot.

Grellet:
Wir waren sofort dabei, denn auch wir haben gesehen, dass wir allein nicht weiterkommen. Was ich ergänzen möchte, ist die persönliche Betroffenheit, gerade während der Anfangsphase der Corona-Pandemie: Wir hatten Kinder in den Schulen, die in teils wirklich miserablen Gebäuden mit schlechter Raumluftqualität sitzen müssen. Das hat mich genervt. Und nachdem einige Proponent*innen in der Branche in ähnlichem Alter sind und dieselbe persönliche Betroffenheit als Eltern hatten, haben wir rasch einen gemeinsamen Nenner gefunden. Aus dieser Emotion heraus sind wir in die professionelle Umsetzung gegangen.

Wolfgang Hucek, Geschäftsführer Trox Austria
Wolfgang Hucek, Geschäftsführer Trox Austria - © Trox Austria

Kooperation und Abgrenzung zu anderen Verbänden

Wie grenzen Sie den Verband nach außen ab? Sie sagen zum Beispiel, dass Sie derzeit bewusst noch keine klimatechnischen Themen behandeln.

Hucek: Wir sind davon überzeugt, dass die Lüftungstechnik ein wichtiger Teil der Gebäudetechnik ist, und dass wir hier eine viel stärkere Position brauchen. Wir haben uns zwar in der Satzung die Möglichkeit eingeräumt, in Zukunft vielleicht auch breiter zu werden und beispielsweise Klimatechnik zu integrieren. Doch wir konzentrieren uns vorerst auf die Lüftungstechnik. Allerdings haben bei uns auch Player angedockt, die nicht nur Lüftungstechnik im Fokus haben, wie etwa Panasonic und Daikin. Das hat uns gezeigt, dass wir offensichtlich eine gute Strategie gewählt haben.

Grellet:
Wir haben uns in einem Strategieworkshop zusammengefunden und beschlossen, die Lüftungstechnik auf „hoher Flughöhe“ zu behandeln. Das heißt, dass wir nicht zu technisch werden wollen: Wir können im Detail schon über Ventile und Lüftungsdüsen sprechen, aber das Ziel ist es, die Luft im Gebäude im Auge zu behalten. Wir wollen im Raum bleiben, nicht in der Technik.

Robert Grellet, Geschäftsführer Walter Bösch
Robert Grellet, Geschäftsführer Walter Bösch - © Walter Bösch/Marcel Hagen
Wir können im Detail schon über Ventile und Lüftungsdüsen sprechen, aber das Ziel ist es, die Luft im Gebäude im Auge zu behalten. Wir wollen im Raum bleiben, nicht in der Technik.
Robert Grellet

Mit Komfortlüftungssysteme Austria gibt es seit vielen Jahren einen Verband, der sich des Themas der kontrollierten Wohnraumlüftung annimmt. Gibt es hier eine Abgrenzung oder auch Kooperationen?

Hucek:
Ja, wir arbeiten mit dem KLA zusammen. Wir hatten bereits einen gemeinsamen Vorstandstermin zur Entwicklung gemeinsamer Themenbereiche. Erstes Ergebnis war, dass wir in Sachen EU-Gebäuderichtlinie, wo aktuell Trilog-Verhandlungen anstehen, gemeinsam die ständige Vertretung Österreichs in Brüssel kontaktiert haben und diese mit Know-how unterstützen. Unser Fokus liegt auf der Luft im Gebäude und darauf, an politische Entscheidungsträger heranzutreten, während sich der KLA auf die kontrollierte Wohnraumlüftung konzentriert.

Alle ZULuft-Mitglieder waren davor im ÖFR aktiv: Was hat Sie dazu bewogen, dem Österreichischen Fachverband für Raumlufttechnik den Rücken zu kehren?


Grellet:
Wir wollen unsere Themen umsetzen und haben eine starke Vision zu Papier gebracht, die uns eint. Hier braucht es einen Fokus, den wir im Verein ZULuft wieder erkannt haben.

Hucek:
An politische Entscheidungsträger*innen heranzutreten war und ist der Kern unserer gemeinsamen Vision. Das steht nicht im Fokus des ÖFR, eine Richtungsänderung war nicht möglich, also haben wir uns zur Gründung des neuen Verbands entschlossen.

Die 7 (technischen) Kernbotschaften von ZULuft Austria

  1. Luftwechselrate: Außenluftvolumenstrom > 25 m3/h pro Person im Raum sowie eine Obergrenze für maximale CO2-Konzentration im Raum zur Sicherstellung von Wohlbefinden und Konzentrationsfähigkeit.
  2. Niedrige Schallemissionen: Schallleistungspegel < 43 dB(A) sowie Schalldruckpegel 35 dB(A) für Schulen und Dienstleistungsgebäude.
  3. Wärmerückgewinnung: Verpflichtender Einsatz für die Energieeinsparung.
  4. Außenluftfilter: Mindestens ePM 1 (50 Prozent) gemäß ISO 16890 für die Filterung von Pollen und Feinstäuben.
  5. Bedarfsgerechte Raumregelung: Automatisch geregelte Außenluftmenge in Abhängigkeit von der Luftqualität.
  6. Relative Luftfeuchtigkeit von 30-60 Prozent.
  7. Betriebssicherheit durch professionelle Betreuung der Anlagen von Inbetriebnahme bis Instandhaltung.

Zwischenfazit nach einem halben Jahr Verband

ZULuft gibt es jetzt seit etwas über einem halben Jahr: Wie ist Ihr Zwischenfazit? Hat sich das so entwickelt wie gedacht, oder gab es Überraschungen?

Hucek:
Wir können ein gutes Resümee nach den ersten 225 Tagen ziehen. Es ist nach dem ersten Schritt sehr schnell gegangen mit der Gewinnung von Mitgliedern. Wir wollten bis Ende September alle ansprechen, das ist uns sogar rascher gelungen. Wir haben Stand Anfang Oktober 18 Mitglieder und einige weitere konkrete Interessenten. Das war für mich schon eine positive Überraschung, wie gut das gelaufen ist.

Grellet:
In so einem Gründungsprozess ist entscheidend, wie ein Team funktioniert. Und das war hervorragend, wir haben eine sehr schnelle, effiziente Abstimmung geschafft. Unser erstes Ziel war die Gründungs-Pressekonferenz auf der WEBUILD Energiesparmesse 2023, das war sozusagen ein „proof of concept“ für das Funktionieren des Verbandsvorstands. Wir bekommen seither viel Zuspruch, es gab bisher niemanden der grundsätzlich kritisch oder gar ablehnend gegenüber unserem Weg war.

Wie sind Sie organisatorisch aufgestellt? Ist ein operatives Büro geplant oder ein Kümmerer, bei dem die Dinge zusammenlaufen?


Hucek:
In der ersten Phase ging es darum, in der Branche bekannt zu werden und uns breiter aufzustellen, das ist gelungen. Jetzt sind wir in der zweiten Phase, in der wir die Treiber des Themas behandeln. Das ist zum Beispiel wie angesprochen die EU-Gebäuderichtlinie EPBD. Wir haben als ZULuft auch am nationalen Energie- und Klimaplan teilgenommen. Das Thema Schule, das Robert Grellet angesprochen hat, liegt am Tisch und ist uns wirklich ein Anliegen. Parallel dazu bauen wir derzeit einen wissenschaftlichen Beirat auf, der alle unsere Inhalte objektiv unter die Lupe nehmen wird. So wird sichergestellt, dass wir nicht Partikularinteressen kommunizieren. Es hat für uns also Vorrang, inhaltlich und thematisch stärker zu werden, ehe wir an organisatorische Dinge wie ein eigenes Büro oder einen Geschäftsführer denken.

Wir können ein gutes Resümee nach den ersten 225 Tagen ziehen. Es ist nach dem ersten Schritt sehr schnell gegangen mit der Gewinnung von Mitgliedern.
Wolfgang Hucek

Rolle der Lüftungstechnik in der Politik

Sie haben sich viele Themen vorgenommen: Gesundheitsförderung, Energieeffizienz, Kommunikation von anerkannten Standards, Bewusstseinsbildung, Interessensvertretung ... nachdem nicht alles gleichzeitig geht: Verstehe ich Sie richtig, dass sie in der derzeitigen Phase so etwas wie „politisches Lobbying“ für Raumluftqualität priorisieren?

Grellet:
Ja, das ist uns ein großes Anliegen. Ich habe die Sorge, dass unser Thema, die Raumluftqualität, in den nächsten zwölf Monaten im politischen Umfeld zermahlen wird. In Zeiten eines intensiven Wahlkampfs, und so einer steht uns bevor, sind einfache Antworten gefragt. Unsere Themen sind aber kompliziert, da braucht es Aufklärung und auch Leute, die bereit sind zuzuhören. Wir müssen die Expertise von Arbeitsmediziner*innen und Gesundheitsökonom*innen transportieren, oder auch „Total Cost of Ownership“ im Gebäude statt schneller Lösungen, und die Rolle der Lüftungstechnik klarer formulieren und deren positive Auswirkung auf den Menschen im Raum. Das wird viel Arbeit erfordern, da müssen wir ordentlich und überparteilich präsent sein.

Ein komplexes, langfristiges Thema ist zum Beispiel die „sommerliche Überwärmung“. Da gibt es jetzt beispielsweise eine Studie der ZAB, der Zukunftsagentur Bau, die konstatiert, dass mit Verschattung und vor allem Querlüften in der Nacht das Problem in Österreich bis 2050 im Großen und Ganzen im Griff zu behalten ist, ganz ohne Technik. Ist sommerliche Überwärmung auch ein Thema, mit dem Sie sich auseinandersetzen?


Grellet:
Es gibt einfach keine One-fits-all-Lösung. Was in einem Einfamilienhaus am Land lüftungstechnisch funktioniert, wird in der Wiener Innenstadt nicht funktionieren. Mit Lüftungstechnik finden wir Lösungen für Feinstaubbelastung, Energieeffizienz, auch für die sommerliche Überwärmung: Wir müssen nur wissen, was die Kund*innen wollen, dann können wir die entsprechenden Komfortansprüche erfüllen. Ohne Lüftungstechnik werden wir in unserer Klimazone, mit unseren Ansprüchen und Art der Gebäudenutzungen nicht auskommen. Mit Technik schaffen wir Lösungen für Probleme. Es ist nie sinnvoll, nur auf eine Technologie und eine Lösung zu setzen.

Eine Qualitätskennzahl für die Raumluftqualität, das ist unser Treiber: Nutzer*innen sollen genau erkennen können, was das für sie bedeutet.
Robert Grellet

Schule als gemeinsames Feld mit deutschem Fachverband

Der deutsche Fachverband Gebäude-Klima ist ein Kooperationspartner von Ihnen, wie sieht diese Kooperation aus? Was können Sie von den deutschen Erfahrungen übernehmen?

Hucek:
Wir haben bereits in einer sehr frühen Phase begonnen, über Kooperationen mit dem FGK zu sprechen. Dieser Verband sitzt auf einem großen Wissensschatz und zeigt viel Offenheit, diesen mit uns auch zu teilen: Offenbar mache wir als ZULuft da einen seriösen Eindruck auf die deutschen Kolleg*innen. Es gibt bereits regelmäßige Termine, und ein Beispiel wo wir vom Wissensschatz des FGK profitiert haben, ist eben die EPBD: Deutschland ist näher an Brüssel dran, wir haben da wertvolle Inputs bekommen, die uns zum Handeln bewogen haben. Wir haben zudem das Thema Schule als gemeinsames, überregionales Feld entdeckt, da wollen wir gemeinsam aktiv werden.

>> Lesen Sie auch: Warum Stoßlüften in Klassenräumen keine sinnvolle Lösung ist

Zum Abschluss: Wie würden Sie persönlich Ihre Vision beschreiben?

Grellet:
Die Innenraumluft als gesetzlich festgelegten Wert definieren, das ist ein großes Ziel, das ich verfolge. Eine Qualitätskennzahl für die Raumluftqualität, das ist unser Treiber: Nutzer*innen sollen genau erkennen können, was das für sie bedeutet.

Hucek:
Wir haben als ZULuft sieben Kernbotschaften definiert, auf die zahlen alle unsere Aktivitäten ein. Dafür bündeln wir unsere Kräfte, dafür setze ich mich ein.

Klassenzimmer
© Abzal - stock.adobe.com

Wer ist ZULuft Austria?

Im Vorstand von ZULuft Austria sind neben Wolfgang Hucek und Robert Grellet drei weitere Geschäftsführer österreichischer Unternehmen vertreten: Florian Bouchal, Wolf Klima- und Heiztechnik, Jürgen Fink, drexel und weiß sowie Gernot Pichler von J. Pichler. Die Mission lautet, als Stimme der österreichischen Lüftungsindustrie aktiv mit Entscheidungsträger*innen aus Politik und Wirtschaft zu sprechen und sich für die Qualität der Innenraumluft einzusetzen.

Gesunde Raumluft auf gesetzlicher Grundlage ist das Ziel: In Geschäften, Gewerbeflächen, Bürohäusern und vor allem für Kinder in Schulen und Kindergärten. Dazu steht ZULuft für intelligente, bedarfsorientierte Lüftungssysteme als Beitrag zur Energieeffizienz und zur Nachhaltigkeit in Gebäuden. Der Verband zählt Stand Mitte Oktober 18 Mitglieder.

www.zuluft.at