Wohnpark-Sanierung : Das Alt Erlaaer Energiesystem
2026 feiert der Wohnpark Alt-Erlaa sein 50-jähriges Bestehen.
- © Christian LendlMit der energetischen Sanierung des Wohnparks Alt-Erlaa arbeiten die Gesiba und die Alt-Erlaa AG (AEAG) gemeinsam mit der Stadt Wien an der Dekarbonisierung des ikonischen großvolumigen Wohnbaus. Die Anlage zählt mit ihren 3.182 Wohnungen und mehr als 9.000 Bewohner*innen zu den größten Österreichs. Nun beginnt ein neues Kapitel, das die thermische Modernisierung der Gebäude mit einer erneuerbaren Wärmeversorgung verbinde. Dafür wird die bestehende Wärmeversorgung auf Erdgasbasis schrittweise durch ein Energiesystem ersetzt, das auf Geothermie, Wärmepumpen und Wärmerückgewinnung basiert.
>> Immer up to date mit Praxisprojekten der Branche sein? Abonnieren Sie unsere TGA-Newsletter: Hier geht’s zur Anmeldung!
Werkzeugkasten für die Wärmeversorgung ausgenutzt
Herzstück des Projekts, bei dem fast 3.000 Wohnungen gleichzeitig saniert werden, ist die vollständige Umstellung der Wärmeversorgung. Rund 780 Erdwärmesonden erschließen künftig die im Untergrund gespeicherte Energie. Ergänzt wird das System durch 18 Luftwärmetauscher sowie die Nutzung der Abwärme aus der Wohnungsabluft, die künftig in den Heizkreislauf zurückgeführt wird. Gleichzeitig werden 38 Gaskessel durch insgesamt 60 Wärmepumpen ersetzt. Ein hydraulischer Abgleich aller Wohnungen, die Einregulierung der bestehenden Abluftanlagen sowie die Reduktion der Vorlauftemperatur sorgen dafür, dass das neue Energiesystem effizient betrieben werden kann.
„Die Kombination aus thermischer Sanierung, Geothermie, Wärmepumpen und intelligenter Gebäudetechnik zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in bestehenden Wohnanlagen steckt“, betont AEAG-Vorstand Paul Steurer. Das Projekt wurde durch umfassende Voruntersuchungen abgesichert: Geotechnische Erkundungen bis in 200 Meter Tiefe, Heizlastberechnungen, Gebäudesimulationen sowie erfolgreiche Tests mit abgesenkter Vorlauftemperatur bestätigen die technische Machbarkeit.
78 Prozent weniger Endenergiebedarf
Parallel zur Heizungsumstellung werden auch umfangreiche Maßnahmen an der Gebäudehülle umgesetzt. Dazu zählen der architektonisch abgestimmte Fenstertausch, die Verbesserung der Wärmedämmung an Außenwänden und Kellerdecken sowie weitere energetische Optimierungen. Dadurch soll der Endenergiebedarf für Heizung und Warmwasser um rund 78 Prozent sinken. Die CO₂-Emissionen werden – abhängig vom eingesetzten Strommix – zudem um 90 bis 100 Prozent reduziert.
>> 1,6 Prozent: Österreichs Sanierungsrate stagniert trotz Förderungen
Die wirtschaftliche Umsetzung des Projekts wird maßgeblich durch Förderungen des Wohnfonds Wien, der den überwiegenden Teil der Fördermittel bereitstellt, sowie der Kommunalkredit Public Consulting (KPC) ermöglicht. Insgesamt werden rund 50 Prozent der Kosten der Sanierungsmaßnahmen durch Förderungen gedeckt. Für die Mieter*innen entstehen so keine Mehrbelastungen.
Das Projekt in Zahlen
- 3.182 Wohnungen mit über 9.000 Bewohner*innen
- rund 780 Erdwärmesonden
- 18 Luftwärmetauscher
- Nutzung der Abwärme aus der Wohnungsabluft
- Ersatz von 38 Gaskesseln durch 60 Wärmepumpen
- Hydraulischer Abgleich aller Wohnungen
- Vorbereitung der sommerlichen Temperierung (Free Cooling)
- Reduktion des Endenergiebedarfs um rund 78 Prozent
- Verringerung der CO₂-Emissionen um bis zu 100 Prozent bei Versorgung mit Ökostrom