Pellets statt Öl und Gas : Wann Pellets die richtige Wahl für den mehrgeschossigen Wohnbau sind
Bei Zinshäusern wie diesem liegen die jährlichen Einsparungen mit Pellets im Vergleich zu Erdgas im fünfstelligen Bereich.
- © proPellets AustriaIn großvolumigen Gebäuden und sowohl im Neubau als auch bei Sanierung und Heizungstausch, sind Pelletheizungen eine zunehmend interessante Option. Insbesondere dort, wo ein Fernwärmeanschluss technisch nicht möglich oder wirtschaftlich nicht vertretbar ist, müssen Alternativen für die Wärmeversorgung gesucht werden, und häufig findet man diese bei einer Pelletheizung.
Der Umstieg von einer fossilen Heizung auf Basis von Heizöl oder Erdgas auf eine Pelletheizung ist mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich: Die bestehende Wärmeverteilung mit Verrohrung und Heizkörpern kann in der Regel weiterverwendet werden, wodurch größere Eingriffe in das Gebäude entfallen. Der bestehende Platz für den Öltank kann das Pelletlager aufnehmen.
Pellets sind seit über 20 Jahren der günstigste Komfortbrennstoff. Der Preis liegt deutlich unter dem von Heizöl oder Erdgas. Bei typischen Verbrauchsmengen von Zinshäusern ergeben sich jährliche Einsparungen im fünfstelligen Bereich. Für Gebäude, die bereits vor 17–20 Jahren auf Pellets umgestellt haben, liegen dokumentierte Brennstoffkosteneinsparungen bei über 180.000 Euro – trotz volatiler Preise auf den Energiemärkten. Wesentliche Entscheidungsfaktoren sind somit die geringen Umbaumaßnahmen im Vergleich zu anderen Heizsystemen, die zuverlässige Funktionsweise der Anlage und die günstigen Brennstoffpreise.
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Praxisbeispiel: Zentralisierung und Pellets im Gründerzeitbestand
In der Goldschlagstraße 135 in Wien wurde ein Gründerzeitwohnhaus aufgestockt und generalsaniert. Dabei konnte demonstriert werden, dass Pelletheizungen auch im historischen Bestand technisch robust und wirtschaftlich vorteilhaft integrierbar sind. In diesem Gebäude wurden zwei zentrale Pelletkessel mit jeweils 100 kW Leistung sowie drei 1.500-Liter-Pufferspeicher installiert, die Warmwasserbereitung wurde zentralisiert. In den sanierten Wohnungen erfolgt die Wärmeabgabe über Fußbodenheizungen. Durch die Generalsanierung konnte der Heizwärmebedarf von 181,9 auf 41,8 kWh/ m²a gesenkt werden (–77 Prozent), die Energieeffizienzklasse des Gebäudes wurde von E auf B verbessert. Seit der Fertigstellung im Jahr 2012 werden Heizenergie und Warmwasser fossilenergiefrei mit Pellets bereitgestellt.
Einsparungen und Wirtschaftlichkeit mit Biomasse
Die Kosten für Pellets lagen in den letzten Jahrzehnten immer deutlich unter jenen für Heizöl und Erdgas. Deshalb heizt man mit Pellets wesentlich günstiger als mit der fossilen Konkurrenz von Öl und Gas. Für den Einzelnen wie auch für Eigentümergemeinschaften und Hausverwaltungen bedeutet dies geringere Kosten für die Wärmeversorgung, kurze Amortisationszeiten und stabile Kostenprognosen. Mittlerweile sind Pelletheizungen die erste Wahl für Haushalte, die zuvor mit Heizöl geheizt haben.
Förderprogramme für den mehrgeschossigen Wohnbau
Über die Förderprogramme des Bundes – insbesondere die „Sanierungsoffensive“, die 2027 zurückkommt – wird der Wechsel von fossilen auf erneuerbare Heizsysteme finanziell unterstützt. Im Bereich des mehrgeschossigen Wohnbaus (MGW) ist der Ersatz einer Öl- oder Gaszentralheizung durch erneuerbare Systeme förderfähig. Primär gefördert wird zwar Fernwärme. Doch ist diese technisch oder wirtschaftlich nicht zumutbar, sind Pelletzentralheizungen ausdrücklich zulässig und oft die logische Wahl. Die Förderhöhe beträgt ab nächstem Jahr max. 20 Prozent der Investitionskosten.
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⇨ Dieser Artikel stammt aus dem TGA-Planerjahrbuch 2026. Darin erwarten Sie folgende Highlights:
- Zukunftstrends: Gemeinschaftliche Stromerzeugung, nachhaltiges Heizen im mehrgeschossigen Wohnbau, Human Centric Lighting, bauwerksintegrierte Photovoltaik und Gebäudebegrünung – das erwartet die Branche
- Referenzen von der integral geplanten Produktionsstätte bis zur Geothermie hinter historischer Straßenfassade
- Innovative Projekte: Fugenlose Bäder, Refurbishment im Projektgeschäft, Seewasserkraftwerk in Bregenz, „Open BIM“ im Spitalsbau und weitere Leuchtturmprojekte
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Brennstofflogistik: Auch in der Stadt etabliert
Pelletanlagen können in bestehende Heizräume integriert werden. Der Standort des alten Ölkessels kann für den modernen Pelletkessel verwendet werden, an der Stelle des alten Öltanks wird für gewöhnlich das Lager für die Pellets errichtet. Die Logistik ist auch im innerstädtischen Bereich etabliert: Geliefert werden Pellets mit Silofahrzeugen, die den Brennstoff mit Druckluft einblasen. Für die Zustellung ist eine temporäre Abstellfläche während der Befüllung erforderlich. Die Befüllstutzen sollten idealerweise straßenseitig oder über den Innenhof erreichbar sein. Mit standardisierten Planungsrichtlinien (ENplus, ÖNORM, Herstellerleitfäden) ist die Umsetzung in Altbauten heute Routine. Für die Planung sind Lagerraumgröße und -gestaltung, Befülllogistik, Förderbedingungen und Abgassysteme mit der Leistung des oder der Kessel abzustimmen. Gegebenenfalls kann man auch mit Contracting-Modellen arbeiten.
>> Pellets statt Öl: Wie eine Heizungssanierung am besten gelingt
Unabhängigkeit und Versorgungssicherheit in einem
Pelletheizungen machen Wohnhäuser weniger abhängig von volatilen fossilen Energiemärkten. Die übers ganze Land verteilten 55 Werke, die Pellets produzieren, und die deshalb kurzen regionalen Lieferketten sorgen in Österreich für eine gesicherte Versorgung mit dem Brennstoff, für stabile Preise und Wertschöpfung im eigenen Land.
Bis zu 98 Prozent CO2-Einsparung
Beim Vergleich mit einer Ölheizung senken Pelletheizungen die CO₂-Emissionen um bis zu 98 Prozent (Lebenszyklusbetrachtung). Pellets stammen in Österreich aus der Verwertung von Sägenebenprodukten, die bei der stofflichen Nutzung von Holz anfallen, und sind somit regional verfügbar. Jede installierte Pelletheizung reduziert die Importabhängigkeit von Öl und Gas und stärkt die heimische Wertschöpfung, unterstützt heimische Arbeitsplätze und verhindert den Devisenabfluss für den Einkauf von Öl und Gas auf dem Weltmarkt: Pro Jahr muss die österreichische Volkswirtschaft ca. 10 Mrd. Euro für den Einkauf von Öl, Gas und Kohle auf den Weltmärkten aufwenden – Geld, das im Inland deutlich besser investiert wäre.
Moderne Technik, geringe Feinstaubemissionen
Die Feinstaubemissionen in Österreich sind seit Jahrzehnten rückläufig – die Emissionen von PM10 und PM2,5 haben sich seit 1990 praktisch halbiert. Dennoch werden mitunter Sorgen bezüglich Feinstaubemissionen geäußert. Adressieren diese die Holzverbrennung, betreffen sie vor allem alte Holzkessel und -öfen oder unsachgemäß betriebene Allesbrenner, die in dieser Form heute gar nicht mehr installiert werden dürfen. Moderne Pelletheizungen arbeiten hingegen mit kontrollierter, elektronisch geregelter Verbrennung. In größeren Anlagen werden zusätzlich Feinstaubabscheider oder Gewebefilter verwendet. Werden ENplus-zertifizierte Pellets verwendet – was in Österreich Standard ist – und die Anlagen regelmäßig gewartet, erreicht man eine sehr saubere Verbrennung. Verglichen mit älteren Allesbrennern – besonders bei unvollständiger Verbrennung – sinken die Feinstaubemissionen von Pelletzentralheizungen pro erzeugter Kilowattstunde Wärme um ca. 95 Prozent.
Fazit für TGA-Planer*innen
Pelletheizanlagen bieten in urbanen mehrgeschossigen und allgemein in großvolumigen Gebäuden:
- hohe Einsparungen bei den Brennstoffkosten,
- deutliche CO₂-Reduktion,
- sehr niedrige Feinstaubemissionen durch moderne Technik,
- Förderfähigkeit (Bund & Länder) bei Heizungstausch,
- Energieunabhängigkeit und regionale Verfügbarkeit,
- Versorgungssicherheit durch einen Energiespeicher im Gebäude, der den Jahresverbrauch an Energie aufnehmen kann, und
- insgesamt die Wertsteigerung einer Immobilie.
Die Pelletheizung ist eine technisch ausgereifte und bewährte, wirtschaftlich sinnvolle und emissionsarme Lösung für die Wärmeversorgung im Neubau und beim Heizungstausch in großvolumigen Gebäuden.