Magnetische Kühlung, KI und Stromeinsparung : Diese Start-ups kommen zur Chillventa

Light bulb of blank puzzle pieces as the bulb and hand drawn neck and rays over yellow background in a conceptual image of vision and idea.
© Gajus - stock.adobe.com

Neue Ideen und frischen Wind für die die Kälte-, Klima-, Lüftungs- und Wärmepumpentechnik bringt eine Reihe an Start-ups auf der diesjährigen Chillventa. Die Messe setzt bewusst auf die Beteiligung junger Branchennewcomer neben den etablierten Ausstellern. Während große Unternehmen ein breites Lösungsangebot präsentieren, setzen junge Unternehmen häufig gezielt in einzelnen Prozessschritten an – beispielsweise in Planung, Monitoring oder Serviceprozessen. Zu finden sind die deutschen Start-ups am Gemeinschaftsstand „Young Innovators“ in Halle 9, wo sie einen geförderten Einstieg in den Messeauftritt erhalten. Junge internationale Unternehmen können sich und ihr Angebot am START:HUB in Halle 8 präsentieren.

>> Welche Start-ups bereits fix dabei sind und woran sie arbeiten: 

Refolution: Ingenieurbüro für Industriekälte

Das deutsche Ingenieurbüro für nachhaltige Kälte- und Wärmepumpentechnologie arbeitet seit 2019 daran, Leuchtturmprojekte in der Industrie umzusetzen, die den Einsatz natürlicher Kältemittel vorantreiben. Das betrifft Prozesse wie Gefrieren, Gefriertrocknung, Gasverflüssigung und Separation sowie Tieftemperaturlieferketten vom Transport bis zu vollautomatischen Systemen sowie die Integration und Optimierung von Heiz- und Kühlsystemen für Fabriken und Produktionsanlagen.

Im Bereich der Prozess- und Anlagentechnik begleitet das Start-up aus Karlsruhe Projekte über den gesamten Lebenszyklus der Anlage: Das beinhaltet die Planung von Kühlanlagen von der Auslegung und Dimensionierung der Komponenten bis hin zur Anlagensteuerung, Inbetriebnahme, Betrieb, Wartung und Abriss. Dazu kommen Beratungen zur Fehlerbehebung, energetischen Optimierung, Erneuerung von Bestandsanlagen oder Auswahl von Neuanlagen sowie Trainings für Mitarbeitende. 

Bereits entwickelte kältetechnische Lösungen von Refolution umfassen Gefriertrocknungsanlagen, Abluftreinigungsanlagen, Tiefkühlzellen, Blutplasma-Froster und Stahlhärtungsanlagen. Für bestehende Anlagen können Energieanalysen zur Energierückgewinnung und Effizienzoptimierung durchgeführt werden, oder auch ein KälteCheck 360°. Dabei werden Kältemaschinen auf die zukünftigen Anforderungen der F-Gase-Verordnung und der REACH geprüft. 

>> Immer up to date mit spannenden Start-ups der Branche sein? Abonnieren Sie unsere TGA-Newsletter: Hier geht’s zur Anmeldung!

Factor4Solutions: Effiziente Kühlung mit Physik

F4S ist ein Spin-off der TU Berlin, das 2023 von Ingenieuren gegründet wurde. Mit dem SyMa Conductor zieht F4S eine Steuerungsebene für effiziente Kühlung ein: Statt einer unkoordinierten Einzelregelung für Kältemaschinen, Pumpen und Wärmeabgabeeinheiten wird so das ganze System zentral gesteuert. Der Optimierer erstellt dafür ein Echtzeitmodell der gesamten Anlage und nutzt physikalisch basierte Modelle statt statistischer Lernverfahren, was ihn sofort einsetzbar macht. Er ist außerdem herstellerunabhängig, kann für bestehende wie neu gebaute Anlagen genutzt werden und über vorhandene Gebäudemanagementsysteme gelegt werden.

Mit dem SyMa Conductor sind laut F4S Einsparungen zwischen 25 und 40 Prozent des Stromverbrauchs für die Kühlung möglich. Eine Fallstudie bei den Stadtwerken Karlsruhe brachte in den aktiven Monaten zum Beispiel gemessenen Einsparungen von etwa 40 Prozent. Geld verdient das Start-up auf Basis einer Shared-Savings-Lizenz: Die Gebühr entspricht einem Anteil an den erzielten Einsparungen, sodass sich die Effizienzsteigerungen selbst finanzieren und keine hohen Vorabinvestitionen erforderlich sind.

Das Autarc-Team

- © autarc

Autarc: KI-Software für Installationsbetriebe

Einen ganzen Werkzeugkoffer an KI-unterstützten Softwarelösungen für Handwerksbetriebe bietet Autarc. Das Start-up aus Berlin, das auch in Österreich tätig ist, gibt es seit 2023 und zählt über 40 Mitarbeitende sowie 2.000 Betriebe, die seine Softwareplattform bereits nutzen. Dort bündelt Autarc Tools für die Büroarbeit, Planung und Baustelle: Das Büro-Modul umfasst Leadmanagement, Angebotserstellung, Kundenverwaltung und Kommunikation. Für die Wärmepumpenplanung gibt es Gebäudeerfassung, Heizlastberechnung, Heizflächenauslegung, Wärmepumpendimensionierung und hydraulischen Abgleich in einem. 

Analog dazu gibt es ein PV-Planungsmodul inklusive Photogrammetrie, Modulbelegung, Stringplanung, Verschattungsanalyse und Wirtschaftlichkeitsberechnung. Zur digitalen Steuerung der Abläufe zwischen Büro und Baustelle bietet das Baustellen-Modul Leistungen wie Einsatzplanung, Tagesübersicht, Foto- und Protokolldokumentation und rechtssicherer Archivierung. Weitere Services rund um Förderungen, Netzanmeldung, Energieausweise und mehr gibt es als Add-ons. Gemeinsam mit Cloover bietet Autarc seit 2025 auch die Möglichkeit, Finanzierungsoptionen für Wärmepumpen-, Photovoltaik- und Wallbox-Projekte direkt in der Planung anzubieten. 

>>  KI treibt Zukunftsmarkt Rechenzentrumskühlung an

Saboy Anlagentechnik: Datenanalysen in Minuten

Saboy Anlagentechnik aus Stockach nutzt Betriebsdaten zur frühzeitigen Erkennung von Auffälligkeiten und unterstützt bei der Anlagenoptimierung. Die eigene Software Decodex analysiert mit ihren Algorithmen automatisiert Daten, um ungünstige Betriebszustände, Fehler und Optimierungsmöglichkeiten aufzudecken. Zur Nutzung ist keine Installation notwendig, via API-Schnittstelle oder CSV-Daten kann sofort mit der Analyse gestartet werden. Danach gibt es konkrete technische Handlungsempfehlungen für Anlagen von der klassischen Gebäudetechnik bis hin zur Industrie. Die Analysen reichen vom Lauf- und Regelverhalten der Anlage, der Überprüfung von Messwerten und Sensorik, der Erkennung von Energieverlusten bis hin zur Überwachung kritischer Zustände im Kältesystem, Luft- und Volumenströmen und mehr.

Magnetisch kühlen will Magnotherm Solutions, ein 2017 gegründetes Spin-off der TU Darmstadt. 

- © Magnotherm

Magnotherm Solutions: Kühlung ohne Kältemittel

Magnetisch kühlen will Magnotherm Solutions, ein 2017 gegründetes Spin-off der TU Darmstadt. Durch die Nutzung des magnetokalorischen Effekts will das Start-up die magnetische Kältetechnologie als bessere Alternative zur Gaskompression etablieren und sie für den breiten Markt zugänglich machen. Statt Kältemitteln kommen magnetokalorische, beschichtete Materialien zum Einsatz. Sie erwärmen sich beim Anlegen eines Magnetfelds und kühlen ab, wenn das Magnetfeld entfernt wird. In einem aktiven magnetokalorischen Regenerator (AMR) verbaut, reagiert das Material auf ein von Permanentmagneten erzeugtes Magnetfeld mit Erwärmung oder Abkühlung. Wasser, das als Übertragungsmedium durch das Modul fließt, transportiert die Wärme oder Kälte.

Mit Kaltwasservorlauftemperaturen zwischen 0 °C und 25 °C eignet sich die magnetische Kühlung für die Anwendung in industriellen Prozessen, Server und Rechenzentren, Gebäudekühlung, Medizin- und Pharmaindustrie sowie Einzelhandel, Gastronomie und Hotels. Aktuell konzentriert sich das Start-up mit seinen drei marktreifen Kühlprodukten auf den DACH-Raum.

>> So.Cool: Auf der Suche nach dem Mitbewerb

Mainteny: All-in-one Software für Wartungsunternehmen

2020 entstand mit Mainteny ein Start-up mit dem Ziel, Wartungsunternehmen wettbewerbsfähiger zu machen und für die digitale Zukunft zu rüsten. Indem das Cloud-basierte ERP-System des Unternehmens administrative Aufgaben aus dem Büro und dem Außendienst übernimmt, bleibt Techniker*innen mehr Zeit an den Anlagen. Zu den Büroaufgaben zählen etwa die Rechnungs- und Angebotserstellung, Kunden- und Vertragsverwaltung und die Lagerhaltung. Für den Außendienst bietet Mainteny eine Techniker-App, einen Auftragsplaner und Werkzeuge für Arbeitsscheine, Checklisten sowie Projektmanagement. Dazu kommen Produktivitäts-Services wie eine KI-Bürokraft, Zeiterfassung, IoT-Monitoring und die Integration anderer Dienstleister. Heute ist Mainteny in neun Ländern tätig, verwaltet über 100.000 Anlagen, über 18.000 Aufträge pro Monat und über 15 Millionen Euro an Rechnungsbeträgen pro Monat.  

WiBra: Modularer Gehäusebau

WiBra mit Sitz in Tichelbrink vereinfacht mit modularn Einhausungen die Planung und Integration von Anlagen. Das Unternehmen entwickelt und produziert nicht nur die Wetterschutz- und Schallschutzgehäuse, sondern plant, baut und integriert Kälteanlagen wie auch Wärmepumpen und betreibt einen Fachhandel mit Zubehörartikeln. Mit dem modularen Gehäusesystem ModuForm im Baukastenprinzip, Gehäusebau-Maßanfertigungen mit ModuForm+ und modularem Rahmenbau mit ModuFrame+ unterstützt WiBra Anlagenbauer und bietet Serienfertigung für Hersteller von Wärmepumpen und Kälteanlagen an.

Sie wollen mehr?