Planer im Porträt: Riebenbauer : Energiearchitekten am Werk

Josef Riebenbauer

Josef Riebenbauer im Planer-Porträt

- © gkartworks

Während des Interviews mit Josef Riebenbauer scheint die Sonne durch die großflächigen Fenster des neuen Firmengebäudes im steirischen Pinggau. Nach fast drei Jahrzehnten ist das Unternehmen Anfang des Jahres in sein neues Büro nur einen Katzensprung vom alten Standort entfernt gezogen. „Es war uns wichtig, im Ortskern zu bleiben und dadurch Arbeitsplätze mit Mehrwert zu schaffen“ so Riebenbauer.

Vor Ort handelt das Büro nach eigenen Lehren: Das Gebäude ist an die von Riebenbauer geplante örtliche Fernwärme angeschlossen, das Dach mit Photovoltaikmodulen für die E-Autos der Firmenflotte und Solarthermie für den Warmwasserbedarf belegt. Dank Pufferspeicher kann die Sonnenenergie in der Übergangszeit auch zum Heizen via Fußbodenheizung genutzt werden, an heißen Sommertagen springt eine Propan-Kältemaschine ein. Die Toilettenspülung läuft mit Regenwasser und ein Batteriespeicher mit 60 kWh speichert überschüssigen Sonnenstrom. 

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Planung ist Familiensache

Josef Riebenbauer (25) ist nach fünf Jahren im Betrieb seit diesem Jahr dritter Geschäftsführer des Ingenieurbüros, das sein Vater Leo Riebenbauer 1991 gegründet hat – gemeinsam mit seinem Vater und dem langjährigen Mitarbeiter Wolfgang Artner bildet er die Führungsetage des Traditionsbetriebs. Schwester Lisa Henrich kümmert sich um die Kommunikations- und Marketingagenden des Unternehmens. Auch in der Belegschaft wird ein familiärer Umgangston gepflegt, mittags lässt das Büro Suppe vom örtlichen Gasthaus liefern und gegessen wird gemeinsam.

Aber zurück dorthin, wo alles begann: Wie die meisten der Mitarbeitenden im Büro begann Leo Riebenbauers Werdegang in Pinkafeld; Fußstapfen, in die sein jüngster Sohn später treten sollte. Danach folgte die Anstellung bei einer Haustechnikfirma, die auf Pharmaindustriebauten spezialisiert war. „Aufgewachsen auf einem Bauernhof in der Oststeiermark, hat er früh ein Gespür für Energie und Ressourcen entwickelt. Mit der Gründung seines Ingenieurbüros, das sich von Beginn an ausschließlich der erneuerbaren Energie widmet, hat er diese Erfahrung in eine klare berufliche Vision übersetzt“, erzählt Sohn Josef Riebenbauer. Statt Öl- und Gaskesselanlagen plante das Büro als eines der ersten in Österreich gleich zu Beginn Biomasse-Heizwerke in Kombination mit Solarthermieanlagen und den Ausbau von Fernwärmenetzen. 

Gemeinsam mit seinem Vater Leo Riebenbauer (mittig) und dem langjährigen Mitarbeiter Wolfgang Artner (rechts) bildet Josef Riebenbauer (links) die Führungsetage des Traditionsbetriebs.

- © gkartworks.com
Wir nutzen die ganze Palette an erneuerbarer Energie, die örtlich vorhanden ist.

Aus der Region, für die Region

„Alles hat mit Genossenschaften begonnen, also Menschen, die ihre Energieversorgung im Ort selbst in die Hand nehmen wollten und beschlossen haben auf Wärmenetze zu bauen“, so Riebenbauer. „Heute planen wir Anlagen von kleinen regionalen Initiativen bis hin zu jenen von großen Landesenergieversorgern.“ Im Berufsalltag verstehen sich die 20 Mitarbeitenden nicht nur als Planer*innen, sondern vielmehr als Energiearchitekt*innen. „Wir machen nicht nur klassische Haustechnikplanung. Wir nutzen die ganze Palette an erneuerbarer Energie, die örtlich vorhanden ist, um sinnvolle Lösungen für unsere Kunden zu projektieren, zu planen und umzusetzen.“

Die aktuellen Krisen und Kriege würden klar zeigen, dass man nur mit individuellen Energielösungen und regionalen Ressourcen wirklich unabhängig werden könne. „Dieses Ziel begleitet unser Unternehmen schon seit mehr als 35 Jahren. Es hat sich schon viel bewegt, aber es wartet auch noch sehr viel Arbeit, was die Energiewende angeht“, so Riebenbauer.

Nach fast drei Jahrzehnten ist das Unternehmen Anfang des Jahres in sein neues Büro nur einen Katzensprung vom alten Standort entfernt gezogen. 

- © Büro Riebenbauer

TGA und darüber hinaus

Wie im Namen enthalten, setzt das Büro für Erneuerbare Energien Projekte rund um nachhaltige Energiequellen um. „90 Prozent unserer Arbeit erledigen wir als Generalplaner, wir decken also zusätzlich zu HKLS- auch die Elektro- sowie Bauplanung ab", fasst Riebenbauer die Leistungen von der Projektentwicklung bis zur Schlüsselübergabe zusammen. 

Neben Nah- und Fernwärme mit Biomasse, KWK für Holz- und Biogas, Photovoltaik- oder Solarthermieanlagen, sowie Geothermie und der klassischen TGA bietet das Büro zudem die vollständige Förderabwicklung an: „Der Kunde bekommt von uns nicht nur Planung im klassischen Sinn, sondern ein Gesamtpaket das, je nach Bedarf, auch Wartung und Optimierung von bestehenden Anlagen umfassen kann.“ 

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Da Riebenbauer selbst eine Heizanlage betreibt, kennt er die Herausforderungen des täglichen Betriebs aus erster Hand: „Durch unsere Erfahrung in Bezug auf Betriebsführung von Energiezentralen ist uns bewusst, wie Komponenten am besten angeordnet sein müssen, damit sie im Betrieb einfach in der Handhabung sind.“ 

Ein Großteil der Projekte des Büros liegt im Bereich der Energieversorgungsanlagen, Riebenbauer will sich künftig aber auch den Themen Geothermie, Anergie und Quartierslösungen stärker widmen. Was die Auslastung betrifft, dürfe man sich jedenfalls nicht beschweren, verrät der Geschäftsführer. Er fügt jedoch hinzu „wünschenswert wäre eine für uns als Planer und die Endkunden verlässliche Förderlandschaft, die kontinuierlich Impulse für die Energiewende setzt“. 

Industrieabwärme zu Bio-Fernwärme

Angenommen wird das Leistungsangebot nicht nur in Österreich, kürzlich hat das Ingenieurbüro ein Projekt in Frankreich fertiggestellt. Aus fünf Energiezentralen eines über die Jahre hinweg gewachsenen Hotelbetriebs wurde dabei eine kompakte Energiezentrale, von der aus ein Nahwärme- und Kältenetz betrieben wird. Im Sommer trägt die Abwärme der Propan-Kälteanlage mittels Wärmepumpe zur Warmwasserbereitung bei, die Sonne wird mittels PV-Anlage in das Energiekonzept einbezogen. Das Hackgut wird von einem regionalen Produzenten geliefert. Für Riebenbauer eine Erfolgsgeschichte über europäische Zusammenarbeit: „Wir arbeiten bei unserem Projekt im Elsass mit Firmen aus Frankreich, Deutschland und Österreich zusammen und freuen uns über die guten Beziehungen über Landesgrenzen hinweg.“ 

Ein zweites Leuchtturmprojekt ist die Bio-Fernwärme in Bruck an der Mur. Zwei Heizwerkstandorte mit einer Gesamtleistung von 12 MW versorgen über 390 Objekte, weitere 16 Megawatt können über die Abwärme der örtlichen Papierindustrie ausgekoppelt werden. Insgesamt 1.200 Kubikmeter installierte Pufferspeicher machen es möglich, große Frühspitzen im Netz mit gespeicherter Wärme abzufedern. Durch die Nutzung der Abwärme in Kombination mit dem Pufferspeichervolumen kann eine große Menge an Hackgut und damit an Ressourcen eingespart werden. 

Bio-Fernwärme in Bruck an der Mur

- © Büro Riebenbauer

Unterschätzte Solarthermie

Aufmerksamen Leser*innen wird vielleicht schon aufgefallen sein, wie häufig die Solarthermie in diesem Artikel vorkommt. Das hat einen einfachen Grund: Für Josef Riebenbauer versteckt sich in der Technologie eine Menge ungenützten Energiepotenzials. Dass die Solarthermie unter dem PV-Boom der letzten Jahre gelitten hat, findet er schade: „Es gibt sehr viele österreichische Produzenten, während wir unser Geld bei PV-Modulen häufig ins Ausland schicken.“ Ungeachtet dessen sei die Photovoltaik eine ausgezeichnete Energiequelle.

Dass die Solarthermie auch für Einfamilienhäuser im urbanen Bereich bestens geeignet ist, hat das Ingenieurbüro mit einem der „100 Projekte Raus aus Gas“ in Wien unter Beweis gestellt. Die südseitige Fassade eines Wiener Einfamilienhauses ist mit 18 Quadratmetern an Sonnenkollektoren ausgestattet, die von Februar bis November nahezu den gesamten Warmwasserbedarf der Bewohner decken. Ein unbeheizter Wintergarten trägt in den Übergangszeiten zusätzlich passiv zur Temperierung bei. Den restlichen Energiebedarf für Heizen und Kühlen übernimmt eine Erdwärmepumpe, gespeist durch eine PV-Anlage an der Ostseite des Jahrhundertwendehauses. Die Solarthermie unterstützt zusätzlich bei der Regenerierung des Erdsondenfelds

Auch in Pinggau liefert die Sonne am Ende des Gesprächs kurz vor der Mittagspause noch kräftig Energie für PV- und Solarthermieanlage. Bleibt nur noch eine Frage: Welche Tagessuppe steht am Menü? „Wenn mich nicht alles täuscht, eine Frittatensuppe.“ 

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