Planer im Porträt: Alexander Oehm : Bis ins kleinste Detail
Vor einem Jahr hat sich Alexander Oehm mit MO Ingenieure selbstständig gemacht.
- © MO IngenieureEin Jahr nach seiner Gründung beschäftigt das Ingenieurbüro MO Ingenieure bereits 16 Mitarbeitende – ein Wachstum, das keine Selbstverständlichkeit ist. Für Gründer und Geschäftsführer Alexander Oehm war der Schritt in die Selbstständigkeit dennoch ein bewusst gewählter. Die Anfangszeit vergleicht der 28-jährige Ingenieur und Freizeitpilot gerne mit einem Flugzeugstart: „Ich habe gewusst, worauf ich mich einlasse – aber mit dieser enormen Steigrate habe ich nicht gerechnet. Der Mitarbeiterzuwachs war enorm, der Kundenzuwachs auch.“
Das Tiroler Ingenieurbüro, dessen Anfangsbuchstaben auf die Initialen von Oehms Vater Markus zurückgehen, hat sich dem Leitsatz „Engineering today tomorrow“ verschrieben. Für Oehm ist das weniger ein Marketing-Versprechen als eine klare Haltung zur Rolle von Ingenieurbüros in einem angespannten Markt. „Für uns bedeutet Ingenieurwesen, trotz des Fachkräftemangels eine hohe Daten- und Planungsqualität zu liefern“, so Oehm.
Er beobachtet Anzeichen dafür, dass Planungsbüros künftig eine höhere planerische Detailtiefe und Datenqualität liefern müssen, da ausführenden Unternehmen zunehmend die personellen Ressourcen für die montagereife, technische Ausarbeitung fehlen. Die Planungsqualität müsse steigen, um ausführende Firmen zu entlasten – „damit sie sich auf das konzentrieren können, was sie am besten können: bauen.“
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Wir könnten noch größer sein, wenn wir wollten.
Frische Perspektiven und langjährige Erfahrung
Nun ist der Fachkräftemangel aber auch der Planungsbranche kein Fremdwort. Bei MO Ingenieure gelingt die Rekrutierung dennoch vergleichsweise gut. „Dadurch, dass wir ein junges Team sind und uns nach außen gut präsentieren, bekommen wir viele Bewerbungen. Wir könnten noch größer sein, wenn wir wollten“, sagt Oehm. Auffällig ist dabei neben der Größe auch die Zusammensetzung des Teams. Von Berufseinsteigern bis zum langjährigen Fachmann – die Altersstruktur im Ingenieurbüro MO ist vielfältig, der älteste Kollege ist 62 Jahre alt. „Wir sind ein junges, dynamisches Team, mit fundierter, jahrelanger Erfahrung der Alteingesessenen.“
In dieser Mischung sieht Oehm eine der Besonderheiten im Vergleich zu vielen Mitbewerbern. „Aus meiner Sicht geht der Trend am Arbeitsmarkt wieder dahin, nicht alle zwei Jahre den Job zu wechseln, sondern einen Arbeitgeber zu finden, bei dem man auch Jahrzehnte bleiben kann.“ Dass bis zur Pension des Gründers noch einige Jahre vergehen, kommt dieser Perspektive entgegen. MO Ingenieure engagiert sich als Teil der VIZ Ingenieure selbst aktiv in der Nachwuchsförderung. Die lokale Initiative unterstützt die Ausbildung und Gewinnung von Fachkräften, Lehrlingen sowie die Weiterbildung des Lehrpersonals in HTLs und Berufsschulen mithilfe der teilnehmenden Partnerbetriebe.
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Ich traue mich zu sagen, dass ungefähr zwei Drittel der Planer in Österreich nicht einmal 3D planen, da reden wir noch gar nicht von BIM.
Spezialität Scan to BIM & THS- Simulation
Das Ingenieurbüro deckt die Fachbereiche HKLS-Technik, Elektrotechnik, MSR und Brandschutztechnik aus einer Hand ab. „Die Kunden wollen weniger Schnittstellen“, weiß der Geschäftsführer. Das Leistungsspektrum ist ähnlich breit aufgestellt: Von der Beratung und Machbarkeitsstudien über die Planung bis hin zum Ausschreibung- und Vergabemanagement, der Fachaufsicht und dem technischen Facility Management ist alles dabei.
Ein klarer Schwerpunkt liegt auf Scan-to-BIM-Leistungen: Mittels 3D-Laserscanning können Bestandsgebäude und Anlagen millimetergenau erfasst werden. Aus 1,2 Millionen Messpunkten pro Sekunde entstehen Punktwolken und in weiterer Folge digitale Zwillinge. MO Ingenieure führt die Scans selbst durch und schafft so die Grundlage für aufbauende Planungen und BIM-Modelle. Auf Basis dieser präzisen, digitalen Bestandsaufnahme lassen sich realitätsgetreue Planungen aufsetzen, die sämtliche Gegebenheiten vor Ort millimetergenau berücksichtigen. „Das verkauft sich auf gut Tirolerisch wie die warmen Semmeln“, schmunzelt Oehm.
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Besonders über das Building Information Modeling spricht er passioniert. Oft werde der Begriff fälschlicherweise für 3D-Planung genutzt. „Ich traue mich zu sagen, dass ungefähr zwei Drittel der Planer in Österreich nicht einmal 3D planen, da reden wir noch gar nicht von BIM.“ Oehm sieht darin unter anderem ein Resultat des Marktes, der dies schlicht nicht bezahle – dafür brauche es die richtigen Auftraggeber. Besonders komme es auf eine bedarfsgerechte Durchführung an: „Wir leben den LOIN-Ansatz (Level of Information Need) und fokussieren uns bewusst auf den Informationsgehalt der Modelle. Ein hohes Level of Detail gehört für uns zu einer ordnungsgemäßen, detailgetreuen Planung.“ Der Planungsaufwand erhöht sich dadurch, schafft für den Auftraggeber aber frühzeitig Kosten- und Ausführungssicherheit. Und: „Durch die Planungstiefe lassen sich Schnittstellen reduzieren und relevante Themen bereits in frühen Projektphasen klären.“
Ergänzend dazu setzt MO Ingenieure auf thermisch-hydraulische Simulationen (THS), um das dynamische Verhalten komplexer Energie- und Versorgungssysteme realitätsnah abzubilden. Insbesondere bei Industrie- und Gewerbebauten ermöglicht die Methode fundierte Aussagen zu Lastgängen, Betriebsstrategien und Systemreserven. So lassen sich Anlagenkonzepte gezielt optimieren und Investitions- sowie Betriebsrisiken frühzeitig reduzieren.
Tiroler Know-how für internationale Projekte
Aufbauend darauf macht es Sinn, dass MO Ingenieure sich auf Großprojekte im Gewerbe- und Industriesektor konzentriert. „Wir arbeiten für Auftraggeber, die Qualität nicht nur fordern, sondern auch zu schätzen wissen“, beschreibt sich das Ingenieurbüro selbst. Damit eröffnen sich Möglichkeiten über die österreichische Grenze hinweg, im letzten Jahr war unter anderem ein 4 MW Hybrid-Erdsondenprojekt im Bereich Pharmachemie in Deutschland dabei, für die MO Ingenieure ein ganzheitliches Design des Energiekonzepts für die Kälte- und Wärmeversorgung lieferte. Dazu gesellt sich ein Regierungsprojekt in Usbekistan, dessen Konzept für Wärme-, Kälte- und elektrische Versorgung öffentlicher Gebäude mit Fokus auf 100 Prozent erneuerbare Systeme und unter Verwendung lokaler Ressourcen ebenfalls die Tiroler Handschrift trägt.
Branchenstandard Planer am Bau
Im Laufe des vergangenen Jahres hat das Ingenieurbüro zudem ein Qualitätsmanagement nach dem deutschen Standard „Planer am Bau“ eingeführt. Der branchenspezifische Standard ist speziell auf die Anforderungen von Planungsbüros zugeschnitten, der TÜV Rheinland hat MO Ingenieure dafür kürzlich zertifiziert. Das notwendige Erstaudit wurde erfolgreich absolviert, damit ist das Ingenieurbüro nun das zweite seiner Art in Österreich, das diese Zertifizierung nachweisen kann.
Ich wollte immer mehr wissen, bis ins kleinste Detail. Jetzt bin ich für das kleinste Detail verantwortlich.
Kleine Umwege, großes Ziel
Technikaffin war der Oehm bereits als Kind, ursprünglich wollte er Pilot werden. Nach dem Realgymnasium wechselte er in den Gebäudetechnik-Zweig der HTL Jenbach, in dem er – wie er selbst sagt – etwas mehr Zeit verbrachte als geplant. Nach dem ersten Anlauf und einer Phase beruflicher Umorientierung kehrte Oehm wieder an die HTL zurück und schloss diese berufsbegleitend neben seiner ersten Anstellung in einem Ingenieurbüro ab. Darauf folgte die Befähigungsprüfung Ingenieurbüros, ein Pilotenschein und nun die Selbstständigkeit. „Es war alles andere als geradlinig, aber für mich definitiv der richtige Weg“, scherzt er heute darüber. Seinen heutigen beruflichen Erfolg schreibt Oehm seiner Neugierde zu. „Ich wollte immer mehr wissen, bis ins kleinste Detail. Jetzt bin ich für das kleinste Detail verantwortlich, das macht Spaß.“ Diese Detailorientierung prägt inzwischen nicht seine Arbeit, sondern die Kultur des gesamten Büros.