20 Jahre VIZ : „Es wird auch in Zukunft kein ChatGPT eine Druckhaltungsanlage installieren können"

Alexander Sollböck ist einer der besten Netzwerker der Branche: Seit einem Jahr setzt er sich als Obmann des VIZ für die Interessen der Gebäudetechnik ein. Wie die Mitgliedsbetriebe im VIZ miteinander arbeiten, welche gemeinsamen Ziele der Verband für die Markenindustrie und die verarbeitenden Betriebe verfolgt und wieso die Mitgliedschaft so billig ist, erklären er und VIZ-Geschäftsführer Kersten Viehmann im Jubiläumsinterview.

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TGA: Du bist seit längerem im VIZ aktiv und seit rund einem Jahr Obmann: Was war eigentlich Dein erster Kontakt mit dem VIZ?

Alexander Sollböck:
Mein allererster Kontakt war sehr früh, als ich den ersten Verbandsobmann Reinhold Scheuchl kennengelernt habe. Mein damaliger Arbeitgeber war in Verbandsaktivitäten nicht aktiv, und so hat mir dann Reinhold bei einem Netzwerkevent im Rahmen einer Fachmesse skizziert, was der VIZ so alles macht. Das hat mich schon damals beeindruckt. Bei Reflex Austria bin ich dann von meinem Vorgänger als Geschäftsführer, Wolfgang Burianek, als Vertretung zu einer VIZ-Sitzung geschickt worden. Dort habe ich mich relativ schnell eingebracht, weil mir die Art sehr zugesagt hat, wie hier neue Ideen begrüßt werden, wie auf Augenhöhe miteinander diskutiert und Konsensbildung angestrebt wird. Ich habe sofort gemerkt, hier passiert wirklich etwas für die Branche.

Der VIZ wird heuer 20 Jahre alt: Was unterscheidet den Verband heute von den Anfängen?


Sollböck:
Der VIZ wurde gegründet, um die Zulieferindustrie in einem Verband zu vertreten; vor allem die Rohrhersteller waren dabei federführend. Heute sind wir der einzige Verband, der alle Gewerke der Gebäudetechnik abdeckt. Das ist unser Ziel: Alle Gewerke miteinander zu verbinden. Wir sehen uns daher weniger als klassischer Verband, sondern als Branchen-Interessensvertretung. Der Branchenmarktforscher Arno Kloep sagt über uns, wir sind Trendsetter: Mit unserem neuen Slogan „Vorsprung – Information – Zukunft“ drücken wir unsere Intention auch aus.

Alexander Sollböck, Geschäftsführer von Reflex Austria und seit kurzem Obmann des Verbandes der Installations-Zulieferindustrie
„Heute sind wir der einzige Verband, der alle Gewerke der Gebäudetechnik abdeckt", so VIZ-Obmann Alexander Sollböck. - © Reflex
Heute sind wir der einzige Verband, der alle Gewerke der Gebäudetechnik abdeckt.
Alexander Sollböck, VIZ-Obmann

Markenqualität ist überlebenswichtig

Der VIZ war am Anfang darauf ausgerichtet, die Qualität der Lieferung an das Fachhandwerk vor allem in der Hinterwandindustrie sicherzustellen und entsprechende Rahmenbedingungen zu verbessern. Ist das heute noch genauso relevant, oder versteht sich Produktqualität mittlerweile von selber?

Sollböck:
Gerade in Zeiten wie diesen, wo jede Investition wohlüberlegt wird, schauen die Leute besonders auf Qualität. Zwar gibt es kaum mehr wirklich schlechte Produkte mit EU-Zulassung, und auch die Großhändler lassen ihre Eigenmarken bei Qualitätsherstellern produzieren. Aber Marken sind zunehmend überlebenswichtig, sie liefern von Anfang an eine Qualitätsgarantie. Gerade in der Installationstechnik geht es darum, Schäden zu vermeiden, denn diese können rasch sehr groß werden.

Kersten Viehmann:
Ich möchte auch betonen, dass im VIZ ausschließlich namhafte Markenunternehmen vertreten sind. Andere wollen wir gar nicht, also keine Billigprodukte, keine No-name-Marken aus Fernost – der VIZ vertritt die Markenindustrie.

Im „Antrittsinterview“ letzten April hast Du gemeint, dass man mehr in Richtung ganzheitlicher Lösungen denken müsse statt an einzelne Produkte. Wie lässt sich das im VIZ abbilden?


Sollböck:
Aktuelle Beispiele sind die VIZ Ingenieure und die VIZ Infodays: Wir bilden Netzwerke und Plattformen. Wir wissen, dass Gebäudetechnik-Planer*innen gerne dorthin gehen, wo sie Lösungen für mehrere Gewerke auf einmal besprechen können, anstatt einzeln mit mehreren Herstellern zu reden, bis sie alle Informationen beisammen haben. Wir als VIZ bieten ihnen diese Möglichkeit mit unseren Netzwerk-Events.

Der VIZ steht für die Markenindustrie, betont Geschäftsführer Kersten Viehmann.
Der VIZ vertritt die Markenindustrie.
Kersten Viehmann, VIZ-Geschäftsführer

Über die Hinterwandindustrie hinaus

Das entspricht auch dem aktuellen Trend zur Konzentration, zu Unternehmenszusammenschlüssen, Zukäufen und zur Bildung von vertikalen Vertriebspartnerschaften, um möglichst große Teile der Lieferkette abbilden zu können. Was bedeutet das für die Arbeit des VIZ?

Sollböck:
Es ist richtig, dass es den Trend zum „Vollsortimenter“ gibt. Ich persönlich denke auch, dass wir am Markt noch etliche Konsolidierungen und Übernahmen erleben werden. Für die Arbeit im VIZ ist das nicht so relevant, denn wenn die Unternehmen sehen, was wir alles auf die Beine stellen, das wird respektiert. Unabhängig von der Unternehmensgröße ist eher „Zeit“ der kritische Faktor: Aktiv in einem Verband mitarbeiten, das kostet nun einmal Zeit. Aber unser Leistungsangebot ist attraktiv auch für neue Mitglieder. Wir sind zunehmend breit aufgestellt und gehen längst über die klassische Hinterwandindustrie hinaus: Bei uns sind mittlerweile Lüftungshersteller, Heizungsanbieter und Vorderwand-Industrien vertreten.

Viehmann:
Die gute Vernetzung mit Ausbildungsstätten wie Berufsschulen und HTLs, unser Angebot an Daten und Statistiken sind starke Argumente für neue Mitglieder. Aber ich möchte betonen, dass wir sehr stak regional verankert sind und neue Ideen „bottom up“ entstehen, wie etwa die VIZ Ingenieure.

Wie genau sind denn die VIZ Ingenieure entstanden?

Sollböck:
Die VIZ Ingenieure sind in Tirol als „meeting point“ für angehende Ingenieur*innen entstanden. Wie es so oft ist bei einem Bier nach der Arbeit: Der technische Leiter eines großen Installationsbetriebs hat mir und anderen dabei erzählt, wie schwierig es für die Berufsschule ist, die Finanzierung für eine Sprachreise der Lehrlinge aufzustellen. Da sind sofort einige Betriebe aus dem VIZ helfend eingesprungen. Daraus hat sich die Idee entwickelt, eine Plattform zum Austausch zwischen Schulen, Handwerksunternehmen und Industrielieferanten zu schaffen. Alle brauchen Fachkräfte. Durchs miteinander reden entstehen hier Angebote für zukünftige Ingenieur*innen und eine positive Sogwirkung für die Branche. Wir rollen diese Idee mittlerweile österreichweit aus.

Das Leitbild des VIZ sagt, dass der Verband seine Mitgliederzahl verdoppeln will und der Mitgliederumsatz mehr als die Hälfte des Umsatzes in der gesamten Gebäudetechnik ausmachen soll. Jetzt ist Größe an sich kein Selbstzweck: Warum will der VIZ wachsen?


Sollböck:
Wir wollen unsere Mitgliedsbeiträge klein halten! Das ist ernst gemeint, denn im Vergleich zu anderen Organisationen haben wir die geringsten Kosten für unsere Mitglieder. Derzeit sind es 2.450 Euro im Jahr, das ist ein Bruchteil von anderen Verbänden. Wir sind keine gewinnorientierte Organisation, wir sehen aber, dass viele Themen kommen, die bespielt werden müssen. Je mehr Mitglieder wir sind, je mehr Köpfe mitarbeiten, desto leichter ist es sich zu Themen wirksam zu positionieren.

VIZ Installateure
Launch der VIZ Ingenieure 2023: Mit W. Judmaier, S. Fuchs, R. Kowarik, S. Zeiler, M. Casotti (am Pult), W. Redemoser, K. Viehmann (am Mikrofon), H. Heiseler, und A. Oehm (v.l.n.r.) - © VIZ
Es wird uns auch in Zukunft kein ChatGPT eine Druckhaltungsanlage installieren können.
Alexander Sollböck, VIZ-Obmann

Vom Fachkräftemangel bis zur KI

Welche Themen kommen auf die Branche zu?

Sollböck:
Das fängt beim Fachkräftemangel an und hört bei der Künstlichen Intelligenz auf. Die Branche befindet sich in diesem Spagat zwischen zunehmender Digitalisierung mit viel Potenzial nach oben, und den fehlenden Händen: Es wird uns auch in Zukunft kein ChatGPT eine Druckhaltungsanlage installieren können. Wenn ich dann aber in einer Berufsschule sehe, dass dort an 30 Jahre alten Schnittmodellen unterrichtet wird, ist klar, dass wir großen Handlungsbedarf bei der Modernisierung der Ausbildung haben. Der VIZ ist dafür mittlerweile der erste Ansprechpartner in der Branche.

Viehmann:
In Vernetzungstreffen mit anderen Branchenverbänden, wenn es etwa um die Abstimmung von gemeinsamen Stellungnahmen zu Gesetzes- oder Normenentwürfen geht, heißt es bei dem Thema Fachkräftemangel dann oft nur „um den Fachkräftemangel kümmert sich eh der VIZ“. Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Was hat ein Unternehmen also davon, VIZ-Mitglied zu sein?


Sollböck:
Bei uns finden sie die Netzwerk-Partner, die sie brauchen. Unternehmen, die sich nicht organisieren, werden es in Zukunft schwerer haben.

Wenn wir das Interview in einem Jahr wiederholen: Worauf wärst Du stolz?


Sollböck:
Stolz wäre ich, wenn wir 5-10 Mitgliedsbetriebe mehr hätten. Stolz wäre ich auf erfolgreiche VIZ Infodays 2025, und wenn der Rollout der VIZ Ingenieure zeigt, dass die Idee in ganz Österreich funktioniert. Und als Obmann möchte ich sagen: Stolz bin ich, wenn der VIZ-Vorstand und die Arbeitsgruppen so aktiv und konstruktiv bleiben wie jetzt.

20 Jahre VIZ – die Vision

Der VIZ wurde 2004 mit dem Ziel gegründet, qualitativ hochstehende Produkte und Systeme durch qualifizierte und gut ausgebildete Fachfirmen verbauen zu lassen und diesen den bestmöglichen Support zu geben. Der VIZ fördert deshalb das gut ausgebildete Fachhandwerk. Für die kommenden fünf Jahre hat sich das Netzwerk von Industriefirmen eine Vision gegeben, die da lautet:

  • Verdoppelung der Mitgliederanzahl: Gemeinsam machen die VIZ-Mitgliedsbetriebe 2029 mehr als die Hälfte des gesamten Umsatzes im Bereich der Haustechnik.
  • Etablierte Netzwerk-Events: Der bewährte Trendkongress wird zum allumfassenden Branchentreff entwickelt, die Fachveranstaltungen und Roadshows sollen ein Magnet für Expert*innen auch außerhalb des direkten Umfelds werden, der Teacher’s Day ist fester Bestandteil der Fortbildung, die VIZ-Ingenieure verbessern die Ausbildung von Jugendlichen.
  • Erfolgreiche Interessensvertretung: Beim VIZ laufen alle relevanten Informationen zusammen, der Gesetzgeber zieht den Verband als beratende Instanz bei legistischen und normativen Vorgaben bei, Newsletter und Bibliothek des VIZ sind gefragte Mittel zur Informationsgewinnung für die Mitglieder.

www.viz.at