12. VIZ Trendkongress 2025 : Österreichischer SHK-Markt: Sanierung bleibt Wachstumstreiber
Der 12. VIZ Trendkongress fand unter reger Beteiligung 2025 wieder im Hotel Gabrium in Maria Enzersdorf statt.
- © Michael PyerinAuch dieses Jahr durfte Obmann Alexander Sollböck ein volles Haus zum 12. Trendkongress des Verbands der Installations-Zulieferindustrie (VIZ) begrüßen. Ein "Line-up für neue Perspektiven" und natürlich der erste Sneak Peek in die aktuelle Trendstudie 2025/26 lockten über 100 Teilnehmer*innen aus der Industrie, dem Handwerk und dem Großhandel ins Hotel Gabrium in Maria Enzersdorf.
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KMU Forschung Austria: Durchwachsenes Jahr 2025
Bevor die Trendstudie in die Details des aktuellen SHK-Marktgeschehens in Österreich eintaucht, gab Christine Enichlmair von der KMU Forschung Austria einen Einblick in die allgemeinen Wirtschaftsdaten der Branche und präsentierte die aktuelle SHK-Konjunktur. Die Anzahl der Unternehmen (5.241 an der Zahl) und der Beschäftigten (insgesamt 34.075 Arbeitnehmer*innen) hat sich im Vergleich zum Vorjahr wenig verändert, was angesichts der weniger erfreulichen Umsatzentwicklungen überrascht: 2024 sank der Umsatz nominell um -0,5 Prozent und real um -5,2 Prozent. Diese diametrale Entwicklung schreibt Enichlmair einerseits der Systemrelevanz und breiten Kundenbasis der Branche zu – aber auch dem Fachkräftemangel: Betriebe würden versuchen, Beschäftigte so lange zu halten wie möglich.
Passend dazu liegt der Fachkräftemangel auch auf Platz eins der Herausforderungen für Betriebe 2025: 63 Prozent benennen diesen Problembereich. 2024 klagten mit 73 Prozent sogar noch mehr Unternehmen über fehlende Hände, den gesunkenen Wert erklärt Enichlmair mit der rückgängigen Auftragslage: „De facto gibt es einen starken Fachkräftemangel, der auch in den nächsten Jahren nicht weggehen wird.“ Darauf folgen die Problembereiche Bürokratie und Verwaltung mit 62 Prozent, Arbeitskosten mit 61 Prozent, Preiskonkurrenz mit 56 Prozent, Steuern und Abgaben mit 54 Prozent und schwache Kundennachfrage mit 49 Prozent. Preissteigerungen und Lieferkettenprobleme werden 2025 als weniger gravierend wahrgenommen als noch 2024.
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Zurück zur Auftragslage: Im ersten Halbjahr 2025 waren die Auftragseingänge der Installateur*innen nominell um -4,8 Prozent rückläufig, damit ist es „das dritte Halbjahr in Folge mit einem Rückgang“. Positiv waren die Eingänge zuletzt im ersten Halbjahr 2022. Einen vorsichtigen Lichtblick gibt das Stimmungsbarometer im 3. Quartal 2025, bei dem 26 Prozent der befragten Betriebe eine gute Geschäftslage, 23 Prozent eine schlechte Geschäftslage und 51 Prozent eine marktübliche Geschäftslage vermelden. „Das Saldo ist im positiven Bereich, das heißt, die Stimmung steigt wieder", fasst Enichlmair zusammen.
Für das 4. Quartal hält sich die Auftragseingangserwartung aber trotzdem in Grenzen: 14 Prozent der Betriebe erwarten Steigerungen, 52 Prozent keine Veränderung und 34 Prozent erwarten Rückgänge. Damit wäre das Saldo wieder „deutlich im negativen Bereich" – laut Enichlmair teils auch saisonbedingt. Chancen für die Branche sieht die KMU Forschung Austria abschließend in den Technologien der Wärmepumpe, Solarthermie, dem Fernwärmeausbau und der wachsenden Nachfrage nach Klimatisierungs- und Lüftungssystemen.
SHK-Markt in Deutschland und Österreich
Im Vorjahr wurde die VIZ-Trendstudie erstmals von Ronald Pommer erstellt. Der gelernte Wirtschaftsinformatiker und Ingenieurpsychologe warf dabei einen frischen Blick auf die Zahlen und Daten der Gebäudetechnik-Branche. Heuer war es ihm ein Anliegen, die „Dynamik hinter den Zahlen“, so Pommer, zu verstehen. Den neuen Zugang, die anderen Fragestellungen für seine nun zweite VIZ-Trendstudie beschreibt er so: „2024 war geprägt von Unsicherheit, Förderdebatten und Fachkräftemangel. 2025 interessiert mich weniger die Stimmung, sondern die Bewegung, die Dynamik hinter den Zahlen.“
Was dieses Jahr außerdem neu ist: Die Trendstudie enthält erstmals abgeleitete Handlungsempfehlungen und zieht Vergleiche mit den Ergebnissen der deutschen "Schwesterstudie" von Querschiesser Arno Kloep, der bis 2023 auch die Daten hierzulande erhoben hat. Unterschiede zum Nachbarland gibt es nicht nur im Großen bei der Verteilung der Montagekapazitäten (Österreich: 41 Prozent Heizung und 50 Prozent Sanitär; Deutschland: 53 Prozent Heizung und 47 Prozent Sanitär), sondern auch im Detail bei den einzelnen Warengruppen, genauer bei ihren erwarteten prozentuellen Veränderungen.
Allgemein erwartet man in Österreich nur bei zwei Warengruppen eine größere Zunahme als beim deutschen Nachbarn: Für die Fußbodenheizungen mit Wasser (AT: +4,6 Prozent; DE: +3,86 Prozent) und die Wärmepumpen (AT: +4,6 Prozent, DE: +3,84 Prozent). Gravierender ist der Unterschied in den Warengruppen der Hybridgeräte Gas/Wärmepumpe, bei den großen Druckhaltegeräten, Brennstoffzellen, kontrollierten Wohnraumlüftung, großen Entgasungsgeräten, Konvektoren, konventionellen Kesseln, Flachheizköpern, Punktabläufen, Elektro-Fußbodenheizungen und Designheizkörpern: Hier rechnen die österreichischen Befragten mit einer negativen Marktentwicklung, ihre deutschen Kolleg*innen hingegen nicht.
Diese Marktfelder wachsen 2026
Wo 2026 mögliche Wachstumspotenziale liegen, lässt sich aus den 138 Seiten der Trendstudie auf der Grundlage von 121 Fragen und 336 Antwortenden – 10 Prozent aus der Industrie, 15 Prozent Planer*innen und 75 Prozent Installateur*innen – ebenfalls herauslesen:
- Im Sanitärbereich prognostiziert die Studie ein Plus für extrem flache Brausetassen, Enthärtung, Keramik, Wasserfilter, Brausen, Duschsysteme, Dusch-WCs und Armaturen. Unter "rückläufige Klassiker" fallen hingegen Designheizkörper, Stahlwannen und Punktabläufe. Als gleichbleibend weist die Studie die Duschabtrennungen, Leckageschutz und Badmöbel aus.
- Was Heizungen betrifft, soll der Absatz von Wärmepumpen, Fußbodenheizungen, Effizienz-Zubehör wie Pumpen, Thermostatventile und Warmwasserspeicher sowie Strangregulierventilen wachsen. Keine Veränderungen soll es für Decken- und Wandheizung und Photovoltaik geben. Ein Minus steht hingegen der Solarthermie, Druckhaltung, Flachheizkörpern, Entgasung und Konvektoren im Raum, ebenso Röhrenradiatoren, Gas-Brennwertgeräten, Elektro-Fußbodenheizung, Hybridkesseln und Öl-Brennwertgeräten im Haus.
- Bei Klima und Lüftung dürften Klimaanlagen/Splitgeräte, die Kühlung über die Decke und den Fußboden zulegen, gefolgt von der Bauteilaktivierung. Am selben Niveau bleiben laut Studie die Kühlung über die Wand und die Wohnraumlüftung.
Fazit für die SHK-Marktentwicklung 2026
Zwar soll der Neubau 2026 langsam wieder anspringen, das Wachstum werde laut Pommer aber weiterhin aus der Sanierung kommen, der mit MGBA „Make Bestand great again" postulierte. Unter anderem komme dieses Wachstum aus dem Bad, das „nach Jahren im Orbit der Wärmepumpe und der erneuerbaren Energie" nun vor dem Comeback stehe. Insgesamt ist die Sanierung laut der Trendstudie inzwischen zur Basis für die Branche geworden, solange sich der Neubau im Wartemodus befindet, verlagert sich auch die Innovation in den Bestand.
Fünf Erkenntnisse der VIZ-Trendstudie, die bleiben
- Wachstum liegt im Bestand.
- Wärmepumpe/Fußbodenheizung und Komfortkühlung sind die Standard-Treiber im Duett.
- Wohnraumlüftung wird seitwärts gehen.
- Daten und Warten gehören schon sehr bald zum Geschäft.
- Es dauert nur mehr kurz und dann gilt: "Service schlägt Produkt"