Herz-Gruppe : Herz-Stiftung: Warum Gerhard Glinzerer auf einen dreistelligen Millionenbetrag verzichtet

Gerhard Glinzerer Herz

„Die Stiftung ist unser Versprechen an die Zukunft: Stabilität für die Gruppe, Mehrwert für die Branche und geschaffen, um zu bleiben" - Gerhard Glinzerer, CEO Herz Gruppe

- © Stanislav Jenis

Vor 37 Jahren hat Dr. Gerhard Glinzerer Herz übernommen, damals ein Unternehmen mit 200 Mitarbeitenden und „wenig internationaler Relevanz“, wie er selbst betont. Seit 1989 hat er die Herz-Gruppe aus eigener Kraft (und mit der Hilfe von Michail Gorbatschow, der den Weg nach Osteuropa für westliche Unternehmen geöffnet hat) zu einem international tätigen Gebäudetechnik-Unternehmen gemacht. Die heutige Dreiteilung in die Standbeine Armaturen, Energietechnik und Dämmstoffe bildet die Vielzahl an Produkten, die weltweit angeboten werden, nur unvollständig ab. Ausgehend von insgesamt 44 Produktionsstandort sorgen heute mehr als 3.000 Mitarbeitende für einen Jahresumsatz in der Gebäudetechnik von rund 600 Mio. Euro. 

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Im Vorjahr sorgte Glinzerer für Aufsehen mit der Ankündigung, die gesamte Unternehmensgruppe in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen und so die Zukunft des Unternehmens abzusichern. Im Gespräch mit der TGA geht er ins Detail und skizziert auch, wer die Begünstigten dieser Stiftung sein sollen: Im Mittelpunkt werden Themen der Aus- und Weiterbildung in der Gebäudetechnik stehen – und die Bewerbungsmöglichkeit dafür startet ab sofort!

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Herz-Stiftung: Die Erträge fließen in die Branche zurück

TGA: Sie haben die gesamte Herz-Gruppe in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht: Warum haben Sie diesen ungewöhnlichen Schritt gewählt?

Gerhard Glinzerer: In zwanzig Jahren bin ich auch nicht mehr so jung wie heute. Darum war es mir wichtig, jetzt die Weichen zu stellen, um die Struktur der Herz-Gruppe langfristig zu erhalten. Daher wurde Herz Industries, also die Holding über den einzelnen Unternehmensteilen Armaturen, Biomasse und Dämmstoffe, in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Die Erträge fließen in die Branche zurück, denn Begünstigte dieser gemeinnützigen Stiftung sind explizit Ausbildungsinstitutionen, Installations- und Gebäudetechnik-Betriebe für zukunftsorientierte Projekte und gemeinnützige Zwecke sowie Menschen aus der Branche, die krankheitsbedingt in Not geraten sind. Unser Geschäftsjahr endet immer mit Ende März, die Erträge werden erstmals mit der Bilanz 2026 ausgeschüttet, somit kann es schon im Herbst dieses Jahres erste Begünstigte geben.

Das wirft eine ganze Menge an Fragen auf, beginnen wir damit: Welche Rolle nehmen Sie selbst derzeit ein?

Glinzerer: Ich bin Vorsitzender des Stiftungsvorstands. Für mich war die Stiftungsgründung auch ein Ausdruck der Loyalität gegenüber meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern: Die Gruppe hat einen Jahresumsatz von rund 600 Mio. Euro und beschäftigt 3.000 Menschen. Das ist aus meiner Sicht eine sinnvolle Größe, die durch diese neue Struktur abgesichert ist. 

Unser Geschäftsjahr endet immer mit Ende März, die Erträge werden erstmals mit der Bilanz 2026 ausgeschüttet, somit kann es schon im Herbst dieses Jahres erste Begünstigte der Stiftung geben.

Was eine gemeinnützige Stiftung von anderen Stiftungen unterscheidet

Sie stehen für eine internationale Ausrichtung des Unternehmens und lassen auch kaum eine Gelegenheit aus, an der europäischen und österreichischen Politik Kritik zu üben. Soll die Zentrale von Herz auch weiterhin hier in Wien bleiben, oder ist eine Abwanderung denkbar?

Glinzerer: Als einzige Alternative zu Wien wäre der Hochschwab denkbar, wo ich herkomme, aber das ist wirklich nicht ideal für eine internationale Holding … ernsthaft: An ein Absiedeln aus Österreich ist nicht gedacht. Das würde wenig Sinn machen. Der Standort ist für unsere internationalen Gäste sehr attraktiv, sie kommen gerne hierher, um das wirtschaftliche mit den touristischen Annehmlichkeiten zu verbinden. Und sie wollen sehen, dass wir hier wirklich selbst produzieren und nicht einfach chinesische Ware umlabeln, wie man immer wieder hört.

Was unterscheidet Sie von René Benko? Stiftungen haben in Österreich nicht zuletzt seinetwegen den Ruf, dass damit Geld vor der Finanz und vor Gläubigern versteckt werden soll … 

Glinzerer: Wir sind gemeinnützig, daher kann es keine Begünstigten aus dem Familienkreis geben. Wir sind auch die erste und einzige gemeinnützige Stiftung in Österreich, in die ein international tätiges Unternehmen dieser Größenordnung eingebracht wurde, und die ausschließlich gemeinnützige Projekte finanziert.

Wir stehen am Anfang unserer Aktivitäten in der Stiftung und möchten die Stiftungszwecke möglichst unkompliziert und unbürokratisch realisieren.

Statuten und handelnde Personen der Stiftung

Sie haben schon angesprochen, dass Ausbildungsinstitutionen sowie Unternehmen und Personen aus der Branche begünstigt werden. Wie wird das ablaufen?

Glinzerer: Gemeinnützig ist recht weit definiert. Das umfasst auch Projekte im Kunst-, Kultur-, Forschungs- und Sportbereich. In unseren Statuten ist festgelegt, welche Aktivitäten gefördert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei primär auf der Ausbildung in unserer Branche. Es sollen Projekte, Ideen und Vorhaben gefördert werden. Ob Berufsschulen, HTLs oder andere Ausbildungsinstitutionen – wer Projekte im Sinne unserer Statuten umsetzen möchte, kann sich jederzeit an die Stiftung unter [email protected] wenden. Das heißt, es gibt kein Abo, dass eine bestimmte Summe immer einer bestimmten Schule zugeteilt wird. Wir stehen am Anfang unserer Aktivitäten in der Stiftung und möchten die Stiftungszwecke möglichst unkompliziert und unbürokratisch realisieren.

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Die Stiftung entscheidet über allfällige Dividendenzuflüsse. Sie selbst sind der Vorsitzende des Stiftungsvorstands, wer sitzt außer Ihnen in diesem Gremium?

Glinzerer: Der Stiftungsrat besteht derzeit aus Frau Mag. Margit Widinski von der BDO, unserer langjährigen Wirtschaftsprüferin der Herz Gruppe, unserem langjährigen Rechtsanwalt Dr. Martin Prokopp sowie Damir Rutar, Co-Geschäftsführer der HERZ Industries und verantwortlich für eine Reihe von Herz Standorten, insbesondere in Südosteuropa.

Gibt es Angestellte, die für die Stiftung arbeiten?

Glinzerer: Nein, wir sind da sparsam, weder prunkvolle Abendessen noch Konferenzen in Nizza stehen auf der Tagesordnung. Wir treffen einander in Wien, wenn es nötig ist, und entscheiden was ansteht.

© Herz

Die Gründungsprobleme der Stiftung und ihre Lösung

Ich habe mich für dieses Interview ins österreichische Privatstiftungsgesetz von 1993 eingelesen: Ist in dieser Struktur auch ein Aufsichtsrat vorgesehen?

Glinzerer: Als gemeinnützige Stiftung gelten für uns die Regelungen vom Bundes-Stiftungs- und Fondsgesetz 2015. Ein Aufsichtsrat ist nur vorgesehen, falls ich persönlich nicht mehr in der Stiftung mitwirken kann. Aber nachdem ich keine Absicht habe, vom Himmel zu fallen, ist das noch kein Thema.

Ein Unternehmen dieser Größenordnung in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen ist jetzt offenbar zum ersten Mal passiert. Oder gab es dafür Vorbilder, an denen Sie sich orientieren konnten?

Glinzerer: Mir ist nicht bekannt, dass es in Österreich eine derartige Konstruktion in dieser Größenordnung und Struktur zuvor gegeben hat. Daher haben auch die Gründung und Tätigkeitsaufnahme der Stiftung längere Zeit in Anspruch genommen. Auf Bundes- und Landesebene waren drei Behörden involviert, mit denen eine auch wirtschaftlich sinnvolle Konstruktion zu akkordieren war. Wären die Anteile an der Herz Industries direkt als Stiftungskapital in die gemeinnützige Stiftung eingebracht worden, hätte dies ein rechtliches Problem darstellen können: Sollte der Wert der Unternehmensanteile aufgrund wirtschaftlicher Einflüsse gesunken sein, wäre möglicherweise eine jährliche externe Unternehmensbewertung erforderlich gewesen, verbunden mit einem erheblichen Aufwand.

Wie wurde das gelöst?

Glinzerer: Die Summe von 50.000 Euro, die bei der Stiftungsgründung in bar zu hinterlegen ist, wird jetzt als Stiftungskapital betrachtet und ist zu keiner Zeit zu unterschreiten. Die eingebrachte Firma, also Herz Industries, ist das Stiftungsvermögen, wird aber nicht als Kapital betrachtet und muss daher nicht jährlich neu bewertet werden.

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Weiterverkauf ausgeschlossen: Der Verzicht der Eigentümerfamilie

In Ihrem Organigramm gibt es auch eine Gesellschaft in Luxemburg. Welche Funktion hat die?

Glinzerer: Die wurde zu einem Zeitpunkt Anfang der 1990er gegründet, als noch nicht klar war, ob Österreich der EU beitreten wird, und wäre in diesem Falle für die Betreuung der EU-Märkte zuständig gewesen. Die Gesellschaft hat keine Funktion mehr, aber eine Auflösung wäre teuer und mühsam, also schleppen wir sie mit möglichst geringen Verwaltungskosten einfach mit.

Das Privatstiftungsgesetz ermöglicht es auch, weitere Ziele in einer nicht-öffentlichen Zusatzurkunde festzulegen. Ist das auch beim Bundes-Stiftungs- und Fondsgesetz der Fall und haben Sie diese Möglichkeit genutzt?

Glinzerer: Nein, das gibt es bei uns nicht. Es war ja nicht das Ziel, irgendetwas zu verstecken, sondern die Struktur von Herz langfristig abzusichern. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum bisher noch kein Unternehmen in Österreich in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht wurde: Die Eigentümerfamilie gibt dadurch ja ein beträchtliches Vermögen auf. Bei einem Unternehmen unserer Größe sprechen wir von einem mittleren dreistelligen Millionenbetrag, der durch einen Verkauf sonst lukriert werden könnte. Das ist bei Herz dank der Stiftung nun ausgeschlossen.

Wenn Sie von langfristiger Absicherung der Struktur sprechen: Hemmt diese Stiftungskonstruktion nicht auch die Weiterentwicklung des Unternehmens?

Glinzerer: Nein, denn die gemeinnützige Herz-Stiftung wird von Vorstandsmitgliedern geführt, die für die dynamische Weiterentwicklung der Stiftung stehen und nicht für die Konservierung des aktuellen Status. Außerdem bin ich nach wie vor in leitender und operativer Funktion im Unternehmen tätig. Natürlich wird es in 20 oder 30 Jahren ein anderes Management geben. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass der Geist unserer heutigen Unternehmenskultur erhalten bleibt und das Unternehmen auch künftig in diesem Sinne weitergeführt wird.

Gerhard Glinzerer Herz
Gerhard Glinzerer behält als Stiftungsvorsitzender die Fäden in der Herz-Gruppe in der Hand. - © Jolly Schwarz - https://www.facebook.com/JollySchwarzPhotography
Durch einen Verkauf könnte ein mittlerer dreistelliger Millionenbetrag lukriert werden. Das ist bei Herz dank der Stiftung nun ausgeschlossen.

Den Herz-Weg der Zukunft mitgehen

Wo sehen Sie Weiterentwicklungs-Möglichkeiten für Herz?

Glinzerer: Wir haben im Konzern ein extrem umfangreiches Produktprogramm, das ein Angebot für alle Kontinente beinhaltet. Dementsprechend steht die geografische Erweiterung im Verkauf im Vordergrund. Natürlich liegt es auch auf der Hand, dass wir unsere Produkte weiterentwickeln und mit neuen Produktlinien ergänzen müssen –  aber das ist unser tägliches Brot.

Sie selbst sind kein Fan von Teilzeitarbeit, 4-Tage-Woche oder leiser treten: Wie geht es für Sie persönlich weiter? Derzeit scheint es, als würden Sie mit unveränderter Intensität weitermachen, oder?

Glinzerer: Ich bin ja mittlerweile Staatsangestellter, also Pensionist: Aber einen Hund, mit dem ich spazieren gehen könnte, habe ich nicht, und das ist auch nicht mein Ziel. Ich selbst werde weitermachen wie bisher. Es geht mir auch darum, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der nächsten Generation zu finden, die den Herz-Weg mitgehen wollen. Die Herz Gruppe ist als Arbeitgeber durchaus attraktiv und – so bedauerlich es für unser Land auch ist – wir erhalten zahlreiche Bewerbungen aus dem Automotiv-Bereich: hoch qualifizierte Techniker und Ingenieure, die sich in einer zukunftsträchtigen Industrie engagieren wollen.

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Sie sind sozusagen Österreichs Pionier bei der Gründung einer gemeinnützigen Stiftung: Haben schon andere Unternehmer angeklopft und nach Ihren Erfahrungen gefragt? Und würden Sie diesen Schritt auch anderen empfehlen?

Glinzerer: Bisher hat keiner angeklopft, und ehrlicherweise könnte ich derzeit keine Empfehlungen aussprechen: Wir haben ja gerade erst gegründet und selber noch keine Erfahrungen mit dem Stiftungsbetrieb. Ich glaube auch nicht, dass da viele nachfragen werden, denn wie gesagt: es gibt meist Kinder, Ehefrauen und andere Erbberechtigte aus der Familie, denen der Verzicht auf das Firmenvermögen nicht leicht fallen würde. Wichtig festzuhalten ist: Solange ich da bin, wird die Entwicklung bei Herz konsequent weitergetrieben, und es sind alle notwendigen Vorkehrungen getroffen, um dies auch in Zukunft sicherzustellen.

Die Herz-Stiftung: Wie man sich bewerben kann

Die gemeinnützige Herz-Stiftung wurde 2025 gegründet. Ende März 2026 wird erstmals eine Dividende an die gemeinnützige Herz-Stiftung fließen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 stehen diese Mittel für Förderungen im Einklang mit den Stiftungsstatuten zur Verfügung. 

Damit überführt Herz seine lange Tradition der Unterstützung für die Branche und insbesondere der Aus- und Weiterbildung in eine neue Struktur. Schon bisher stellte Herz Lehrbücher in 13 Sprachen für HTLs und Universitäten zur Verfügung, unterstützte Bildungseinrichtungen mit Laborständen und Produkten und bietet Schulungen für Schüler, Lehrlinge und praktizierende Fachkräfte an. 

Die Herz-Stiftung lädt explizit dazu ein, Vorschläge für förderungswürdige Projekte und Initiativen einzureichen. 

Kontakt via Mail: [email protected]

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