Verband der technischen Gebäudeausrüster : VTGA öffnet sich: Wie Thomas Balázs den Verband sichtbarer machen will

Thomas Balázs ist seit Ende 2025 Obmann des Verbands der technischen Gebäudeausrüster (VTGA) und Geschäftsführer der Bacon Gebäudetechnik GmbH.

Thomas Balázs ist seit Ende 2025 Obmann des Verbands der technischen Gebäudeausrüster (VTGA) und Geschäftsführer der Bacon Gebäudetechnik GmbH.

- © Christoph Liebentritt

Den VTGA gibt es seit 120 Jahren, seine Mitglieder sind in erster Linie die großen gebäudetechnischen Anlagenbauer der Branche. Ins 121. Jahr seines Bestehens geht der Verband mit einem neuen Vorsitzenden: Thomas Balázs, Geschäftsführer von Bacon Gebäudetechnik, hat den Vorsitz von Gunther Herbsthofer (Herbsthofer Anlagenbau) übernommen. Der neue Mann an der Spitze will vor allem eines ändern: Den VTGA sichtbarer machen und aktiv die Zusammenarbeit mit anderen Stakeholder*innen der Branche suchen. 

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120 Jahre VTGA: Wofür die Technischen Gebäudeausrüster stehen

TGA: Österreich ist bekanntlich ein Vereinsland. Auch in der Gebäudetechnik gibt es viele unterschiedliche Interessenvertretungen, von den Innungen bis zu den Industrieverbänden oder den Organisationen, die sich um einzelne Energieträger und Technologien kümmern. Der Verband der technischen Gebäudeausrüster ist da so etwas wie der „stillste“ Verband der Branche, zumindest wirkt es so auf mich. Würden Sie dem zustimmen?

Thomas Balázs: Ja, dem stimme ich zu. Darin sehe ich sicher einen unserer Schwerpunkte: Den VTGA breiter aufzustellen, andere Kollegen und die eine Kollegin, die wir im Verbandsvorstand haben, in Zukunft stärker einzubinden, aber auch in mehr Kollaborationen mit anderen Verbänden. Denn die Herausforderungen für unsere Branchen sind nicht so unterschiedlich, ich denke, wir können gut miteinander an Themen arbeite und gemeinsam Ziele erreichen.

Der VTGA mag zwar eher still gewesen sein, aber er ist immerhin stolze 120 Jahre alt. Wofür steht der Verband?

Balázs: Ich sehe in dieser Zeitspanne von über 100 Jahren ein gutes Beispiel dafür, was sich für uns Menschen in dieser Zeit geändert hat. Wenn man sich vor Augen führt, wie anders Wohnräume, Büros oder Fabriken heute gestaltet sind als damals, sieht man gut, wofür wir stehen. Die Welt hat sich geändert, die Rahmenbedingungen, die in Gebäuden erfüllt werden müssen, sind andere, die Temperaturniveaus, die Zahl der Menschen die in den Räumen untergebracht werden, die Erwartungen an den Komfort: Und damit hat sich auch die Gebäudetechnik geändert.

Die Mitglieder des VTGA sind die großen Anlagenbauer der Branche, derzeit laut Ihrer Website etwas über 20 Unternehmen: Also jene, an denen man bei größeren Objekten ohnehin nicht vorbeikommt. Wozu brauchen diese Unternehmen einen Verband?

Balázs: Es ist wichtig zu differenzieren zwischen den unternehmerischen Aktivitäten der einzelnen Mitglieder und den gemeinsamen Aufgaben als Verband. Es gibt Anforderungen, die besser gemeinsam vertreten werden, als dass sie jeder einzeln für sich löst. Ich denke da an die Entwicklung von Lehrberufen, an Normen und rechtliche Rahmenbedingungen, die zu erfüllen sind. Auch die Herausforderungen der Digitalisierung werden nicht kleiner. Für solch grundlegende Dinge Lösungen gemeinsam zu erarbeiten, dafür ist der Verband da.

Einen Plan händisch zu zeichnen und die einzelnen Elemente ordentlich einzutragen wie früher, das kommt nicht mehr.

Fachkräfte und Digitalisierung im Verbandsfokus

Sie haben den Vorsitz vor kurzem von Gunther Herbsthofer übernommen. Was sind die Punkte, die Ihnen besonders am Herzen liegen? Welche Schwerpunkte haben Sie, welche Forderungen sind Ihnen wichtig?

Balázs: Zuallererst die Frage der Fachkräfte: Wie bekommen wir junge Leute in unser Berufsbild? Das war schon bei Gunther Herbsthofer ein Thema, das werde ich weiterführen. Ein anderes Thema ist der Warenkorb, also der Baukostenindex, der dem Baupreis zugrunde liegt, das werden wir als Verband weiterhin pflegen. Ein wichtiges Thema ist sicherlich die Digitalisierung, und hier möchte ich das Thema der Nachwuchspflege etwas weiter fassen: Die Herausforderung der Digitalisierung macht es nötig, dass wir entsprechende neue Angebote an junge Leute machen. Denn diese sorgen dafür, dass unsere gebäudetechnischen Anlagen von Anfang an digitaler gedacht werden. 

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Digitalisierung ist ein Schlagwort, das in der Gebäudetechnik sehr weit gefasst wird. Dazu gehören BIM, KI, digital twin, Gebäudeautomatisierung … was ist für Sie da zentral?

Balázs: Die Herausforderung ist die Geschwindigkeit, und dass wir auch die richtigen Dinge anpacken. Die Konvergenz der Gebäude mit der IT wird so oder so kommen. Es wird dazu keine Alternative geben, die Gebäude werden digital gesteuert werden, damit müssen wir umgehen können. Einen Plan händisch zu zeichnen und die einzelnen Elemente ordentlich einzutragen wie früher, das kommt nicht mehr. Damit wurde ein stabiler Zustand abgebildet, der längst von dynamischen Prozessen abgelöst wurde: Wenn ich ein Krankenhaus plane, werde ich bei Heizung oder Lüftung berücksichtigen müssen, wann die Besuchs- und Ambulanzzeiten sind, die Besucherströme abzubilden und die Leistungen dynamisch anpassen. Es geht immer um Daten, die wir in der Gebäudetechnik verwalten, steuern und nutzen.

Was ist mit der Künstlichen Intelligenz, die derzeit den größten Hype hat?

Balázs: Natürlich kann man aus der klassischen Gebäudeautomatisierung, aus der Mess-, Steuer- und Regeltechnik Informationen gewinnen und diese mit KI nutzen. Aber leider Gottes wird das Thema KI derzeit etwas missbräuchlich verwendet, ich würde das auch deshalb nicht so sehr im Vordergrund sehen. 

2025 feierte der VTGA sein 120-jähriges Bestehen.

- © VTGA

120 Jahre VTGA

Seit 1905 ist der Verband der technischen Gebäudeausrüster (VTGA) das Sprachrohr einer Branche, die Österreichs Bau-, Energie- und Umweltlandschaft entscheidend mitgestaltet. Er vertritt die Interessen der österreichischen Unternehmen aus den Bereichen Heizungs-, Klima-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektrotechnik. Als Berufsgruppe innerhalb des Fachverbands der Metalltechnischen Industrie (FMTI) in der Wirtschaftskammer Österreich bündelt der VTGA Kompetenz, Innovation und Nachwuchsförderung im Bereich der technischen Gebäudeausrüstung.

Die jungen Fachkräfte werden die Geschwindigkeit fast automatisch bringen.

Nachhaltigkeit: Ein Blick weg vom reinen Energieträger

Die Gebäudetechnik gilt als sehr konservative Branche, was kein Wunder ist: Schließlich muss man eine Technik planen und einbauen, die im Idealfall 30 oder mehr Jahre halten soll, da greift man gerne auf bewährtes zurück. Allerdings ist das auch ein Hemmschuh für Innovation und Digitalisierung. Wie lässt sich diese Diskrepanz lösen?

Balázs: Der Bau und das Nebengewerbe sind unstrittig konservativ. Aber das wird sich von selbst lösen mit der neuen Generation. Die „digital natives“ wollen keine ausgedruckten Pläne mehr, da sind Daten am, PC oder auf dem iPad selbstverständlich. Die jungen Fachkräfte werden die Geschwindigkeit fast automatisch bringen. 

Ein Begriff, der für den VTGA immer als wichtig genannt wird, ist die Nachhaltigkeit. Wie definieren Sie Nachhaltigkeit?

Balázs: Gut, dass Sie mich danach fragen. Ich war erst unlängst bei einer Podiumsdiskussion mit Studierenden, wo wir dieses Thema erörtert haben. Denn Nachhaltigkeit ist der wichtigste Beitrag, den wir als Gebäudetechniker beitragen. Nachhaltigkeit ist in zwei Aspekten für jedes Haus wichtig: Zum einen der optimale Verbrauch von Energie für Wärme oder Klimatisierung, und der sparsame Wasserverbrauch: Es ist essenziell, dass jedes Gebäude dem Nachhaltigkeitsprinzip entspricht. Es gibt aber noch einen zweiten Aspekt: Nämlich den, dass wir in Europa der Nachhaltigkeit unserer Infrastruktur stärkere Aufmerksamkeit schenken müssen. Die Infrastruktur selbst zu planen, zu errichten, aus unseren eigenen Ressourcen auch erhalten zu können: Das ist unser Beitrag zu etwas, das ich die „Resilienz“ Europas nennen möchte, und damit ein Kernthema der Gebäudetechnik.

Sprechen Sie damit auch die Forderung an, die Gebäudetechnik solle eine entscheidende Rolle beim Ausstieg aus fossilen, meist importierten Energieträgern spielen?

Balázs: Die Gebäudetechnik kann natürlich Möglichkeiten liefern, wie die unterschiedlichen Technologien in verschiedenen Bereichen eingesetzt werden. Die Diskussion wird aber häufig verkürzt geführt, hier müssen wir den Blick vom reinen Energieträger lösen. Plakatives Beispiel: Wir haben auf der einen Seite ein Rechenzentrum stehen, das gekühlt werden muss, auf der anderen ein Wohngebäude, das beheizt werden muss. Es gibt häufig an der einen Stelle Überkapazitäten, an der anderen einen Bedarf: Wir Gebäudetechniker haben die Möglichkeit, hier für die optimale, nachhaltige Nutzung zu sorgen.

Jede Norm, die einer anderen widerspricht, ist eine zu viel. Aber überall dort, wo etwas nicht klar geregelt ist, ist es eine Norm zu wenig.

Qualität entscheidend für Normen

Die Gebäudetechnik bewegt sich in einem Feld mit einer Vielzahl an Regularien, von der EBPD bis zu den einzelnen Normen. Sind es zu viele Regeln?

Balázs: Es wäre zu einfach zu sagen, dass es zu viele Normen gibt. Jede Norm, die einer anderen widerspricht, ist eine zu viel. Aber überall dort, wo etwas nicht klar geregelt ist, ist es eine Norm zu wenig. Ich halte viel von strukturierten Zugängen. Gerade in modernen Gebäuden will niemand mehr, dass Dinge ungeregelt ablaufen. Für mich ist die Frage der Qualität von Normen und Regelungen entscheidend. Wir als VTGA leisten unseren Beitrag, hier zu einer Qualitätsverbesserung beizutragen. Es geht für mich aber auch darum, den Prozess zu verbessern, mit dem Normen erstellt werden, und die Qualität der Nutzung zu überprüfen und anzupassen. Auch hier werden digitale Tools helfen. 

Ein Thema, das die Branche in den letzten Jahren sehr stark bewegt hat, ist die immer wieder wechselnde Fördersituation, insbesondere für den Wechsel zu erneuerbaren Technologien. Wie wichtig ist das für Sie, und was wünschen Sie sich?

Balázs: Mein Zugang mag da plakativ klingen, aber ich sehe das wirklich so: Ich wünsche mir Transparenz, und dass Förderungen einem definierten Ziel folgen. Wenn es das Ziel ist, bestimmte Standards zu Erreichen und Veränderungen in der Substanz des Gebäudebestands zu erreichen, sind Förderungen sicher eine der Möglichkeiten, das zu erreichen. 

Was wären andere Möglichkeiten?

Balázs: Dass der Gesetzgeber die Standards und Veränderungen, die er sich wünscht, auch selbst vorlebt. Deshalb ist es zentral, dass der Staat als Vorbild agiert und klare Rahmenbedingungen schafft – etwa durch Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen, Vorgaben zur Reduktion des Wasser- und Energieverbrauchs sowie durch moderne, innovative Gebäude.

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Für Balázs ist es die Aufgabe der Gebäudetechniker*innen, Qualität zu liefern und die richtige Lösung zu finden.

- © Christoph Liebentritt
Dass Innovationszyklen immer kürzer werden und innovativen Technologien zur „commodity“ werden, das ist keine Überraschung. Von der Geschwindigkeit sind wir wohl überrascht worden, ja.

Anlagenbauer als Wärmepumpen-Vorreiter

Die angesprochenen Nachhaltigkeits-Themen haben derzeit aber eher weniger Konjunktur als noch vor wenigen Jahren, oder?

Balázs: Das stimmt schon, die Zeiten sind wirtschaftlich herausfordernd. Viele Unternehmen legen nicht den obersten Fokus darauf, sondern konzentrieren sich darauf, ihr Kerngeschäft abzusichern. Auch von den Ausschreibungen der öffentlichen Hand wird das nicht vorangetrieben. Dass sich Nachhaltigkeit und wirtschaftlicher Erfolg gut kombinieren lässt, das muss erst wieder common sense werden.

Bei den Wärmepumpen sind die Anlagenbauer so etwas wie die Vorreiter, sie konzipieren seit Jahren große Lösungen. Kam die Verbreitung der Technologie, die von einem Jahr aufs andere zur führenden Heizungstechnik geworden ist, seit 2022 für Sie überraschend? 

Balázs: Dass Innovationszyklen immer kürzer werden und innovativen Technologien zur „commodity“ werden, das ist keine Überraschung. Von der Geschwindigkeit sind wir wohl überrascht worden, ja. Das hat aber einfach auch damit zu tun, dass man im Vorhinein immer hofft, dass Veränderungen absehbar und damit leichter beherrschbar sein mögen. 

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Die größte gebäudetechnische Herausforderung liegt derzeit darin, im Geschosswohnbau vor allem in den Städten ein „Raus aus Gas“ zu schaffen. Hier sind schon alleine wegen der Größe der Objekte die Anlagenbauer ganz besonders gefordert. Wie kann das gelingen: Mit Wärmepumpen, oder auch mit anderen Technologien?

Balázs: Auch bei dieser Frage würde ich gerne einen Schritt zurückgehen. Wir gehen da oft zu plakativ an das Thema heran. Es ist zuallererst unsere Aufgabe als Gebäudetechniker, und zwar sowohl von uns großen Anlagenbauern als auch von den KMUs, dass wir Qualität liefern und die jeweils richtige Lösung finden. Diese besteht häufig in einer Kombination aus verschiedenen technischen Möglichkeiten, die wir auch gewerkeübergreifend denken müssen. Wo gibt es die schon angesprochenen Überkapazitäten, und wie können diese genutzt werden? Kann ich aus der Abwärme einer Krankenhaus-Wäscherei vielleicht den für die Kühlgeräte benötigten Strom erzeugen? Das ist unsere Qualität: Den Kunden in ihrem jeweiligen Umfeld die optimalste Lösung für ihre individuelle Situation bieten. Dass Wärmepumpen häufig Teil der Lösung sein werden, liegt auf der Hand.

Wir müssen neben den HTLs auch die Fachhochschulen stärker adressieren.

Nachwuchs: Vom Quereinstieg bis zur Lehre mit Matura

Nachwuchspflege und Fachkräftemangel sind die aktuell größte gemeinsame Herausforderung der Branche. Wo sehen Sie Potenziale, in Zukunft Mitarbeitende für die Gebäudetechnik zu finden?

Balázs: Für unser klassisches Berufsbild sind die HTLs natürlich entscheidend. Ich habe mich als eine meiner ersten Aktionen als VTGA-Obmann mit den Fachvorständen der HTLs getroffen, um deren Lage kennenzulernen und zu erörtern, wie wir junge Leute dorthin bekommen. Da geht es sehr stark auch um junge Frauen, die könnten noch wesentlich stärker für eine Ausbildung in der Gebäudetechnik motiviert werden. Die gewerblichen Lehrlinge werden in dieser Diskussion manchmal etwas vergessen, obwohl die Hälfte der Belegschaft in der Montage arbeitet. Hier spüren wir sehr stark, dass sich die Bildungsebenen verschoben haben …

… wie meinen Sie das mit den verschobenen Bildungsebenen?

Balázs: Es ist häufig so, dass Eltern, die selbst eine Lehre absolviert haben, sich wünschen, dass Ihre Kinder Matura machen. Und wer früher nach der Matura arbeiten gegangen wäre, studiert heute oft. Für uns heißt das, dass wir neben den HTLs auch die Fachhochschulen stärker adressieren müssen, die mit ihren Ausbildungen näher an der Praxis sind als die Universitäten. 

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Welche Rollen können Quereinsteiger*innen in der Gebäudetechnik spielen? Ist das ein Arbeitskräftepotenzial der Zukunft, oder sind die Anforderungen des Berufs dafür zu spezifisch?

Balázs: Früher hat man typischerweise eine Ausbildung gemacht, hat in einem Unternehmen begonnen und ist dort auch in Pension gegangen. Dass es diesen Luxus in Zukunft nicht mehr geben wird, habe ich meinen Kindern schon vor Jahren gesagt. Die Anforderungen ändern sich immer rascher, wir müssen uns mit unserem Wissen weiterentwickeln und davon ausgehen, dass wir unterschiedliche Tätigkeiten im Laufe eines Berufslebens ausüben werden. Daher definiere ich den Begriff „Quereinsteiger“ gar nicht mehr so eng: Der Wechsel zwischen verschiedenen Berufsbildern wird normal werden.

Wie kann eine Branche diese Entwicklung unterstützen?

Balázs: Zum Beispiel, indem wir verstärkt Lehrberufe mit Matura-Abschluss anbieten. Oder indem wir Möglichkeiten für Menschen mit Grundausbildungen in anderen Bereichen schaffen, an diese anschließend sich in der Gebäudetechnik weiterzuentwickeln. Die Erwachsenenbildung wird wichtiger werden, wir dürfen nicht immer nur an die Ausbildung von Jugendlichen denken. Wir als Arbeitgeber haben gute Möglichkeiten, Menschen auf ihrem individuellen Weg in die Gebäudetechnik zu begleiten.

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Authentizität statt Kampagnen

Seit vielen Jahrzehnten gibt es Initiativen, die darauf abzielen, einzelne Branchen oder Berufsbilder für junge Leute attraktiv zu machen. Das reicht von zahlreichen Initiativen, die das Ziel haben, Frauen in technische Berufe zu holen, und geht bis zu den Imagekampagnen, die bald schon jede einzelne Landesinnung für ihr jeweiligen Lehrberuf durchführt. Was ist der Ansatz des VTGA?

Balázs: Meine Erfahrung ist: Werbekampagnen überzeugen oft weniger als gedacht. Junge Menschen wollen keine inszenierten Botschaften, sondern echte Einblicke. Beispiele aus dem Alltag, reale Teams – das wirkt stärker als jede Hochglanzkampagne. Ein gutes Beispiel ist der Töchtertag in Wien. Als wir ihn vor einigen Jahren erstmals bei uns durchgeführt haben, nahmen drei Mädchen teil, zwei davon Töchter von Mitarbeitern. Drei Jahre später waren es bereits 30 junge Frauen. Das zeigt, dass Interesse vorhanden ist. Gleichzeitig glaube ich, dass wir uns noch immer zu stark an klassischen Rollenbildern orientieren – an der Unterscheidung zwischen „typischen Damen- und Herrenberufen“. Veränderung entsteht dabei weniger durch Werbung als durch konkrete Beispiele. Authentische Einblicke und reale Vorbilder wirken stärker als jede Kampagne. Meine Chefin ist zum Beispiel eine Frau – und eine sehr tolle auch noch.

>> Nicht Reagieren, sondern Agieren: Inspiriert vom Geschäftsführungsstil seiner Tochter Maria Kollar, münzt Herbert Kollar Erfahrungen als erfolgreicher Installations-Unternehmer in konkrete Lösungsansätze um.

Die Schwierigkeiten, die es 2024 und noch 2025 gegeben hat, werden wir in der Gebäudetechnik heuer und auch nächstes Jahr noch spüren.

Baunebengewerbe braucht langen Atem

Kommen wir zur Marktentwicklung: Wir haben drei Jahre Rezession hinter uns. Wie ist die aktuelle Situation, und wie ist Ihr Ausblick?

Balázs: Das Baunebengewerbe ist ein dem Bau nachgelagertes Gewerk. Die Schwierigkeiten, die es 2024 und noch 2025 gegeben hat, werden wir in der Gebäudetechnik heuer und auch nächstes Jahr noch spüren. Die Gesamtlage erholt sich, aber Projekte, die noch nicht entwickelt wurden und noch nicht gebaut werden, fehlen einfach. Ein Vorteil ist, dass die Entscheidungsfreude im öffentlichen Bereich zurück ist. Wenn sich alles wie erwartet entwickelt, rechne ich 2028 wieder mit einem normalen Verlauf. 

Sie haben sich wahrlich keinen einfachen Zeitpunkt ausgesucht, um den Vorsitz des VTGA zu übernehmen, oder?

Balázs: Schwierig ist relativ, die Generationen vor uns hatten es auch nicht immer leicht. Wenn es uns gelingt, den VTGA auf breitere Beine zu stellen, und ich muss Sie übrigens korrigieren: Wir sind bereits über 30 Mitglieder und ich hoffe, dass die Anzahl weiter steigt – also wenn das gelingt, und wenn wir uns in Zusammenarbeit mit den anderen Branchenverbänden gemeinsam auf die richtigen Themen konzentrieren, denke ich, dass wir in Summe eine Verbesserung für Österreich erreichen können. 

Welche neuen Mitglieder wollen Sie noch für den VTGA ansprechen? 

Balázs: Es gibt noch einige wesentliche Anlagenbauer, die wir ins Boot holen können. Zweitens öffnen wir die Türen auch für andere Gewerke aus dem weiteren Bereich der Gebäudetechnik. Und drittens bin ich davon überzeugt, dass die angesprochenen technologischen Innovationen, dass die Digitalisierung auch neue Firmen in die Branche bringen wird.

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