Paradigmenwechsel bei der Wärmepumpe : Von der Heiztechnik zur Flexibilitätslösung
Die Roadmap für die Wärmepumpe der Zukunft
- © Wärmepumpe AustriaDie Diskussion über die Wärmepumpe dreht sich häufig um Stückzahlen. Das greift zu kurz. Entscheidend für den Erfolg der Energiewende ist nicht nur, wie viele Wärmepumpen installiert werden, sondern wie sie künftig mit Stromnetz, Energiemarkt und Gebäudetechnik zusammenspielen. Genau hier setzt die Studie „Netzdienliche Wärmepumpe der Zukunft“ an, die wir gemeinsam mit der Österreichischen Energieagentur beauftragt haben.
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1,3 Mio Wärmepumpen bis 2040
Österreich steht vor einer tiefgreifenden Transformation seines Energie- und Wirtschaftssystems. Bis 2040 soll Klimaneutralität erreicht werden. Dafür muss insbesondere der Wärmesektor umgebaut werden, der noch immer stark von fossilen Energieträgern abhängig ist.
Die Analyse unterschiedlicher Energie- und Klimaszenarien zeigt, dass Österreich bis 2040 mehr als 1,3 Millionen Wärmepumpen benötigen wird. Davon entfallen rund eine Million auf Heizungswärmepumpen. Das entspricht einer jährlichen Zubau-Rate von rund 50.000 Geräten zuzüglich des Austauschs bestehender Wärmepumpenanlagen.
Dieser Ausbau ist ambitioniert, aber machbar. Die Jahre 2022 bis 2024 haben gezeigt, dass der Markt solche Größenordnungen erreichen kann. Gleichzeitig bringt der Umstieg weit mehr als Klimaschutz. Bis 2040 können rund fünf Millionen Tonnen Treibhausgase pro Jahr eingespart werden. Dadurch ließen sich Strafzahlungen für den Staat in Form zusätzlicher CO₂-Zertifikate von bis zu zwei Milliarden Euro vermeiden. Darüber hinaus werden etwa 19 TWh Erdgas und Heizöl ersetzt – das entspricht rund einem Viertel der heutigen österreichischen Gasimporte.
Flexibilität wird zum Schlüssel
Eine zentrale Frage lautet: Hält das Stromnetz diesem Ausbau stand? Die Antwort der Studie ist eindeutig. Moderne Wärmepumpen sind nicht nur Stromverbraucher, sondern können aktiv zur Stabilisierung des Energiesystems beitragen. Der Roll-out der Smart Meter war dafür ein wichtiger Schritt. Gemeinsam mit Invertertechnologie, modernen Regelungen und Energiemanagementsystemen eröffnen sich neue Möglichkeiten für einen flexiblen Betrieb.
Damit verändert sich auch die Rolle der Wärmepumpe. Künftig geht es nicht mehr ausschließlich darum, mit möglichst wenig Strom möglichst viel Wärme bereitzustellen. Entscheidend wird auch, wann Strom bezogen wird. Wärmepumpen können Zeiten hoher Verfügbarkeit erneuerbarer Energie nutzen, Lastspitzen reduzieren und damit netz- und marktdienlich betrieben werden.
Die Wärmepumpe entwickelt sich damit von der Heiztechnik zur Flexibilitätslösung. Sie verbindet den Strom- und Wärmesektor und übernimmt eine neue Rolle im künftigen Energiesystem.
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Künftig geht es nicht mehr ausschließlich darum, mit möglichst wenig Strom möglichst viel Wärme bereitzustellen. Entscheidend wird auch, wann Strom bezogen wird.
Von der Effizienz zur Kostenoptimierung
In der Vergangenheit wurden Wärmepumpen vor allem nach energetischen Kriterien optimiert. Ziel war es, mit möglichst wenig Strom möglichst viel Wärme bereitzustellen. Dieses Paradigma erweitert sich nun. Für die Wärmepumpe der Zukunft wird neben der Effizienz zunehmend auch die Kostenoptimierung relevant. Nicht nur der Stromverbrauch zählt, sondern auch der Zeitpunkt des Verbrauchs. Wer günstige Marktpreise, Photovoltaik-Erträge oder Flexibilitätsoptionen nutzen kann, senkt Betriebskosten und unterstützt gleichzeitig das Gesamtsystem.
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Ein weiterer Vorteil: Die Wärmepumpe ist das einzige Heizsystem, das neben dem Heizen auch eine effiziente Kühlung im Sommer ermöglicht. Ein Nutzen, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Besonders in Kombination mit einer Photovoltaikanlage kann die Kühlung dann erfolgen, wenn der höchste PV-Ertrag zur Verfügung steht. So lässt sich sommerlicher Kühlbedarf häufig mit eigenem Solarstrom decken – praktisch ohne zusätzliche Energiekosten und mit maximaler Nutzung des PV-Überschusses.
Die nächsten Schritte
Die weitere Entwicklung konzentriert sich auf moderne Steuerungen, den Einsatz von KI, die Integration von Photovoltaik und Speichern, natürliche Kältemittel, geringere Schallemissionen sowie Hochtemperaturanwendungen im Gebäudebestand und in der Industrie. Die Ergebnisse unserer Studie zeigen deutlich: Der Ausbau der Wärmepumpe ist nicht nur ein Beitrag zur Erreichung der Energie- und Klimaziele. Er reduziert Energieimporte, stärkt die heimische Wirtschaft und erhöht die Versorgungssicherheit.
Was es jetzt braucht, sind die richtigen Rahmenbedingungen. Dazu zählen klare Vorgaben beim Ersatz fossiler Heizungen, eine kontinuierliche Lenkungswirkung durch die CO₂-Bepreisung sowie langfristig planbare Fördermodelle. Ebenso entscheidend sind ausreichend qualifizierte Fachkräfte. Denn eines zeigt die Studie ebenfalls: Der Erfolg der Wärmepumpe entscheidet sich nicht nur in der Politik oder auf dem Energiemarkt, sondern vor allem in der Praxis.
Praxiswissen Wärmepumpe
Mit dem Schulungsprogramm „Praxiswissen Wärmepumpe“ unterstützt der Verband seit Oktober 2025 gezielt Installateur und Fachplaner. Bis Juni 2026 haben bereits knapp 170 Teilnehmer die Ausbildung abgeschlossen.
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