Energiepolitik : Luft-Wärmepumpe: Mit der Montage darf es nicht getan sein

Georg Benke

Georg Benke ist Gründungsmitglied, Gesellschafter und Senior Consultant, e7 Energie- und Umwelttechnik – und seit 2025 Besitzer einer Luft-Wärmepumpe.

- © e7

Georg Benke hat sich eine Wärmepumpe zugelegt – und dabei ist so ziemlich alles schiefgegangen, was schiefgehen kann. Der Gründungsgesellschafter des Energieberatungsunternehmens e7 hat sich beim Heizungstausch in seinem privaten Wohnhaus bewusst nicht als Energieexperte zu erkennen gegeben. Doch was er dann erlebt hat, hat seine schlimmsten Befürchtungen bei weitem übertroffen. 

In einem Artikel für die Wochenzeitung „Die Furche“ am 12. Februar 2026 hat er die Fehler dokumentiert: Diese reichen von überdimensioniert angebotenen Geräten über fehlerhafte Lieferungen und eklatante Mängel bei der Installation bis zur Inbetriebnahme durch den Hersteller, die sowohl Schulungsmängel des Personals als auch Fehler im System selbst offenbarte. Im Gespräch mit der TGA präzisiert Benke einige der Mängel und zieht daraus Schlüsse für eine mögliche Optimierung des Systems.

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Drei von vier Anbietern haben nicht einmal einen Blick in unseren Sicherungskasten geworfen.

Luft-Wasser-Wärmepumpe statt Gasheizung

Ein paar Highlights aus der Fehlerkette sollen hier dokumentiert werden. Schon die Wahl für die Luft-Wasser-Wärmepumpe anstelle der bisherigen Gasheizung, die noch vom Vorbesitzer als Hauptheizsystem neben einem Scheitholzkessel installiert worden war, verlief nicht komplikationsfrei. „Wir haben einen Brunnenbohrer wegen eines Angebots für einen Grundwasser-Brunnen angeschrieben, aber nie eine Antwort erhalten“, erzählt Benke. Eine Bohrung für Grundwasser war aufgrund der Bodenbeschaffenheit ausgeschlossen, ein Flächenkollektor für das Bestandsgebäude ebenfalls nicht möglich. Also Luft als Energiequelle, wo schon alleine drei der vier eingeholten Angebote wegen mangelnder Kompetenz ausschieden. „Die haben nicht einmal einen Blick in unseren Sicherungskasten geworfen“, wundert sich Benke.

Die Sonne in der Wanddurchführung

Dass dann beim 800-Liter-Speicher für die zusätzliche Nutzung von Solarwärme und Biomasse das Heizungswasser und das Warmwasser auf derselben Ebene angeschlossen wurden; dass dann nicht nur der Wind durch die Wanddurchführung von der Außeneinheit zum Gerät durchgepfiffen hat, sondern da so viel Platz war, dass sogar die Sonne durchscheinen konnte, lässt Benke noch immer mit dem Kopf schütteln. Das waren aber nur zwei der Mängel in der Ausführung. 

Dass die Regelung des Herstellers nicht nur drei unterschiedliche Nutzungsstrukturen und Vorgangsweisen hat – am Gerät selbst, in der App und am Raumbediengerät – sondern auch jeweils unterschiedliche Monitoring-Werte ausgewiesen werden, obwohl sie doch auf dieselben Daten zugreifen sollte, hat den Energieexperten aber wirklich überrascht. Dass ihm weder Installateur noch Hersteller eine Einschulung auf die neue Anlage gaben, kein Servicevertrag oder gar Energiemonitoring angeboten wurde und er die Optimierung der Anlage in Eigenregie übernehmen musste, wundert ihn besonders: Denn kaum ein Endkunde kann wissen, dass eine Heizung eben nicht „Plug-and-play“ ist, sondern auf die Anforderungen des jeweiligen Gebäudes im Rahmen des Betriebs eingestellt werden muss.

So nicht: Dass bei der Wanddurchführung von der Außeneinheit zum Gerät so viel Platz war, dass sogar die Sonne durchscheinen konnte, lässt Benke noch immer mit dem Kopf schütteln. 

- © Georg Benke
Luft-Wärmepumpe mit Photovoltaik als Autarkie-Lösung zu verkaufen grenzt an Konsumententäuschung.

Verbesserungsvorschläge: Montage bis Monitoring

An diesem Punkt setzen auch die Verbesserungsvorschläge an, die Georg Benke für den gesamten Prozess hat. „Mit der Montage ist es nicht getan“, das müsse klargestellt werden. In der Pflicht sieht er dabei vor allem auch den Fördergeber und die öffentlichen Stellen, die sich um die Qualitätssicherung in der Gebäudetechnik kümmern sollten. Ein Qualitätssiegel für die Installation braucht es ebenso wie die Verpflichtung zum Energiemonitoring im Betrieb der Anlage. 

Die Effizienzsteigerung durch Energiemonitoring und Optimierung im Betrieb kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden: „Aus Projekten in großvolumigen Gebäuden, bei denen e7 die Haustechnik neue einstellt, wissen wir, dass da durchaus 20 Prozent drinnen sind. Bei manchen Projekten habe ich so sogar schon 50 Prozent Energieeinsparung geschafft“, so die Erfahrung des Energieexperten. 

Dass sich Programme wie klima:aktiv oder der Klima- und Energiefonds diesen leicht zu erntenden Energieeinsparungen noch nicht ausreichend aufgegriffen haben, hält Benke für einen schweren Fehler. Eine einfache Checkliste für den Endkunden, in dem von gedämmten Armaturen bis zum Vorhandensein eines Thermosiphons leicht zu erkennende Qualitätskriterien aufgelistet sind, sowie eine Verpflichtung des Installateurs im Rahmen der Förderzusage, nach sechs Monaten die Steuerung anzupassen, würde schon viel helfen.

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Das Stromnetz muss über das ganze Jahr finanziert werden, das Geld dafür muss im Winter verdient werden.

Luft-Wärmepumpen: Mehr Strombedarf im Winter

Ein Problem für Benke durch den forcierten Einsatz der Luft-Wärmepumpe ist aber die Erhöhung des Strombedarfs im Winter, der durch den Boom der Luft-Wärmepumpen massiv vorangetrieben wird. „Dieser Problematik weicht die Luft-Wärmepumpen-Branche aus“, konstatiert der Energieexperte: Denn es werde immer nur der Gesamtjahresverbrauch oder die Jahresarbeitszahl dargestellt. 

Der Hauptbedarf fällt allerdings im Winter an, und da um diese Jahreszeit sowohl Sonnenstrom als auch Wind- und Wasserkraft am Tiefststand sind, müssen von den Netzbetreibern große Erzeugungskapazitäten aus fossilen Kraftwerken bereitgehalten oder Importkapazitäten gesichert werden. Der „unbeliebteste Kunde“ wird dann jener sein, der zusätzlich zu einer Luft-Wärmepumpe eine Photovoltaik-Anlage besitzt: Der hat im Sommer praktisch keinen Stromverbrauch aus dem Netz, im Winter aber den um ein Vielfaches höheren Bedarf aus dem Stromnetz als Biomasse- oder Gasheizer. 

„Luft-Wärmepumpe mit Photovoltaik als Autarkie-Lösung zu verkaufen grenzt an Konsumententäuschung“, sagt Benke. Denn selbst mit Batteriespeicher müsste die PV-Anlage um den Faktor 46 größer sein als derzeit verkauft, wenn man auch im Jänner energieautark sein will. Aus energiepolitischer Sicht führt für ihn an „dynamic pricing“ mit deutlich höheren Strompreisen im Winter kein Weg vorbei: „Das Stromnetz muss über das ganze Jahr finanziert werden, das Geld dafür muss im Winter verdient werden“. Die Möglichkeit, den Strombezug zu deckeln oder Wärmepumpen im Extremfall sogar aus dem Markt zu regeln, kann dann ebenso zur Debatte gestellt werden.

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