Kältemittelzukunft : „Es muss Alternativen zu Propan geben“

Alexander Springler, General Manager von Daikin Österreich

Alexander Springler, General Manager von Daikin Österreich

- © Daikin Austria, Martin Steiger

TGA: Herr Springler, Sie sind seit März General Manager von Daikin Österreich und seit 2008 im Unternehmen – gab es trotzdem Überraschungen in der neuen Rolle? 

Alexander Springler: Nein, große Überraschungen gab es nicht. Ich bin ja schon lange dabei und war in meiner Rolle relativ nahe an der Geschäftsführung. Die Aufgabe ist sehr vielfältig und ist auch in den letzten Jahren immer komplexer geworden.

Passend zu den Komplexitäten: Wie war das Jahr 2025 angesichts der dynamischen Marktlage bisher für Daikin in Österreich?

Springler: Wir durften uns im Bereich der gewerblichen und privaten Klimatisierung über eine sehr starke erste Hälfte 2025 freuen. Das letzte Jahr war schon außergewöhnlich gut und darauf konnten wir mit schönen Wachstumszahlen aufbauen. Der Bereich Heizung ist im gewerblichen Bereich, aber vor allem im privaten Bereich, schwieriger geworden. Das sehen auch wir an unseren Umsätzen. In der ersten Jahreshälfte konnten wir den Rückgang, der dort passiert, durch positive Entwicklungen in den Geschäftsbereichen der Klimatisierung und des Kundendienstes wettmachen. Ob sich das in der zweiten Hälfte des Jahres ausgehen wird, steht noch in den Sternen. 

Wir reden bei Daikin inzwischen genauso oft über das Thema Heizen wie über das Thema Kühlen oder Klimatisieren.

Umsatzverschiebung von der Klimatisierung zur Heizung

Gab es einen Auslöser dafür, dass die Klimatisierung so stark angezogen hat?

Springler: Einerseits haben wir in den letzten Jahren viel in unser Partnernetzwerk investiert, davon profitieren wir jetzt. Andererseits ist die Nachfrage durch relativ warmes Wetter im letzten Jahr gestiegen. Vor allem der warme Herbst, den wir letztes Jahr hatten, wirkt nach und beeinflusst das Geschäft sehr positiv. Das ist ein Treiber, den man nicht unbedingt planen kann, auf den man aber kurzfristig reagieren können muss. Zudem ist der kostenlose Betrieb von Klimaanlagen in Kombination mit PV-Anlagen ein wichtiger Vorteil.

Rechnen Sie in nächster mit einer Umsatzverschiebung von der Klimatisierung zur Heizung?

Springler: Verschiebungen gibt es jedes Jahr in die eine oder andere Richtung. Ich glaube, der Wärmepumpenmarkt wird sich mit der neuen Förderung jetzt wieder ein bisschen erholen. Das Budget für die Förderungen wird relativ rasch aufgebraucht sein, aber dadurch kommt eine gewisse Konstanz und eine gewisse Regelmäßigkeit rein. Auf welchem Niveau sich der Absatz normalisiert, das bleibt abzuwarten. Im Wärmepumpenmarkt kommt man auch von einem sehr hohen Niveau, dadurch fühlt sich dieser Rückgang brutaler an, als er tatsächlich ist. Ich bin ein Freund davon, sich den fünf- und zehnjährigen Schnitt anzuschauen – da gibt es schon einen Trend nach oben. Wir reden bei Daikin inzwischen genauso oft über das Thema Heizen wie über das Thema Kühlen oder Klimatisieren.

„Im Wärmepumpenmarkt kommt man auch von einem sehr hohen Niveau, dadurch fühlt sich dieser Rückgang brutaler an, als er tatsächlich ist“, summiert Alexander Springler.

- © Daikin Austria, Martin Steiger

Österreich: Eine Million Wärmepumpen bis 2035

Daikin rechnet damit, dass sich die Wärmepumpen-Anzahl in Österreich bis 2035 auf eine Million Geräte verdoppelt – dafür muss auch der großvolumige Wohnbau abgeholt werden, wie gehen Sie das an?

Springler: Dafür braucht es Lösungen. Die haben mit Produkten zu tun, aber auch mit Anwendungskonzepten. Und beides steht bei uns ganz oben auf der Agenda. Für den großvolumigen Wohnbau sind wir einerseits auf der Produktseite in der Forschung und Entwicklung dabei, versuchen aber ebenso gemeinsam mit den lokalen Kommunen, Städten und diversen Stakeholdern in diesem Bereich, Lösungskonzepte zu präsentieren, die umsetzbar sind. Momentan scheitert es noch an der technischen Umsetzbarkeit gepaart mit einer wirtschaftlichen Abbildung.

Woran liegt das?

Springler: Beim wirtschaftlichen Aspekt kommen Faktoren wie das städtische Bild ins Spiel: Wo darf ich was hinstellen, wo darf ich was hinhängen, wo darf ich bohren? Hier bräuchte es Weichenstellungen seitens der Politik oder seitens der Städte – und Antworten auf die Frage, was man tatsächlich erreichen will und was man bereit ist, dafür aufzugeben. Im Moment soll alles so bleiben wie es ist, aber gleichzeitig will man anders heizen als bisher. Das ist technisch schwer umsetzbar. Manchmal muss man eben ins Erdreich bohren, oder ein Gerät draußen hinstellen, um die Umweltwärme anzuzapfen. Wenn das verboten ist, dann stoßen Projekte sehr schnell an ihre Grenzen.

>> Sanierung: Wärmepumpen-Praxistalk für Mehrfamilienhäuser

Seit kurzem gibt es neue Bundesförderungen für den Heizungstausch, inklusive nachträglicher GWP-Wert-Anpassung. Was ist Ihr Fazit? Sehe Sie Ihre Wünsche nach „langfristigen Fördermodellen und weniger föderalen Richtlinien“ erfüllt?

Springler: Grundsätzlich bin ich froh, aber ich will den Tag nicht vor dem Abend loben. Es gibt eine längere Planbarkeit, wir wissen, das Budget ist die nächsten fünf Jahre verfügbar und hat eine gewisse Größe. Ob es ausreichend ist oder nicht, kann man diskutieren, aber da soll jeder seine Meinung haben. Wenngleich ich persönlich mir wünschen würde, dass nicht die Anschaffung, sondern die Nutzung gefördert wird, egal ob das jetzt eine Wärmepumpe, ein E-Auto oder eine sonstige Förderung ist. Da, wo es Betriebskosten gibt, macht es Sinn, nicht die Anschaffung, sondern den Betrieb zu fördern. So viel zu meinem Wunschdenken, die Förderung ist jetzt auf jeden Fall in Ordnung. Auch mit der Anpassung des GWP-Werts sind wir zufrieden. Der Wert von 150 GWP in der Originalfassung hätte nicht der F-Gase-Verordnung entsprochen. Als europäisch oder weltwirtschaftlich denkende Organisation sind solche nationalen Eigenheiten schwierig.

Da, wo es Betriebskosten gibt, macht es Sinn, nicht die Anschaffung, sondern den Betrieb zu fördern.

Mit Loop by Daikin forciert Daikin die Kreislaufwirtschaft von Kältemitteln.

- © Daikin Österreich

Loop by Daikin: Kreislaufwirtschaft für Kältemittel

Mit Loop by Daikin forciert Daikin die Kreislaufwirtschaft von Kältemitteln. Für welche Kältemittel wird das aktuell durchgeführt?

Springler: Ja, wir wollen die vorhandenen Ressourcen mit der Kreislaufwirtschaft so lange wie möglich nutzen. Dafür nehmen wir Kältemittel zurück, bereiten sie auf und achten darauf, dass so wenig wie möglich entsorgt werden muss oder im schlimmsten Fall in der Atmosphäre landet. Wir versuchen, Loop by Daikin für alle Kältemittel anzubieten, die über die F-Gase-Verordnung ein Fade-out haben und wo es noch einen Bedarf für Bestandsanlagen geben wird.

Die F-Gase-Verordnung sieht ja auch gewisse Vorschriften für Eingriffe in den Kältemittelkreislauf vor …

Springler: Genau, aber es ist möglich, die Anlagen zu servicieren. Es wird weiterhin einen Bedarf an Kältemittel geben und idealerweise ist das Kältemittel, welches nicht neu produziert werden muss, wiederaufbereitet ist oder aus der Kreislaufwirtschaft zurückkommt.

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Es gibt einfach Projekte, wo allein aus sicherheitstechnischen Gründen Propan nicht die Lösung ist.

Es gibt auch eine Zukunft für künstliche Kältemittel

Wenn Sie auf die GWP-Vorgaben in den Förderungen und die F-Gase-Verordnung blicken, ist Propan mittelfristig der Weisheit letzter Schluss, oder sind Alternativen dazu in Sicht?

Springler: Es gibt nichts im Leben, was absolut ist und nur eine einzige Alternative hat. So ist es auch hier, jede Anwendung braucht das richtige Kältemittel. Das kann und wird in vielen Fällen Propan sein, inklusive Einschränkungen und zusätzlichen Kosten, die das mit sich bringt. Aber es muss Alternativen dazu geben, zum Beispiel in der gewerblichen Klimatisierung CO₂, das bei unseren VRV-Anlagen zur Anwendung kommt. Und dann andere natürliche Kältemittel bei großen Kaltwassersätzen zum Beispiel. Auch die künstlichen Kältemittel wird es weiterhin geben. Es gibt einfach Projekte, wo allein aus sicherheitstechnischen Gründen Propan nicht die Lösung ist. Bei Klimaanlagen kann ich nicht mit Propan in den Raum reinfahren. Da braucht es andere Lösungen. Unterm Strich heißt das, dass Daikin die Vielfalt auch bei Kältemitteln zu leben versucht.

>> Wie sich Daikin auf die F-Gase-Verordnung einstellt

Daikin stellt selbst Kältemittel her. Welchen konkreten Vorteil bringt das den österreichischen Kund*innen?

Springler: Der Vorteil ist, dass Daikin bereits Know-how auf dem Gebiet hat. Das heißt, wir entwickeln nicht Produkte und füllen dann ein Kältemittel ein, sondern wir entwickeln Produkte für eine gewisse Anwendung mit einem Kältemittel. Das ist in unserer Produktentwicklung ganz entscheidend. Das Kältemittel muss schon in der Designphase des Produktes berücksichtigt werden. Wenn man Expertise auf der Kältemittelseite und auf der Produktseite hat, dann hat man zumindest theoretisch das optimale Produkt. 

Das Daikin EDC in Gent.

- © Daikin
Während andere importieren, halten wir die Wertschöpfung hier am Kontinent.

EDC Gent: Forschung mit Schwerpunkt Europa

Kürzlich hat das neues Forschungs- und Entwicklungszentrum von Daikin in Gent eröffnet. Welche Bedeutung hat das für den Standort Europa und woran wird vor Ort jetzt genau geforscht?

Springler: Es ist ein klares Commitment zu Europa. Daikin produziert in Europa für Europa, das ist etwas, was nicht jeder macht. Während andere importieren, halten wir die Wertschöpfung hier am Kontinent. Das wird aber immer schwieriger, die Industrie hat in Europa im Moment keinen leichten Stand. Trotzdem haben wir in Europa gewisse Anforderungen an Lösungen und an Produkte und um etwas für einen Markt zu entwickeln, muss man auch nahe dran sein. In Gent wird für die ganze EMEA-Gruppe in allen Produktgruppen geforscht, aber der Schwerpunkt liegt auf Europa.

>> Kommentar: Der Bau springt 2026 an (ein bisserl)

Sie werben stark mit der Produktion in Europa für Europa, hat das auch technische Unterschiede? Oder geht’s da mehr um die Erfüllung potenzieller „Made in Europe“ Förderkriterien?

Springler: Ja, wir nehmen auf europäischen Spezialitäten auch in technischer Hinsicht Rücksicht, beispielsweise bei der Lautstärke der Wärmepumpen. Das Thema hat man auf anderen Kontinenten so in der Form nicht. Wir bringen kein Produkt und versuchen, es auf den Markt zu drängen, sondern wollen ein Produkt für die Anforderungen der Märkte entwickeln. Das ist der Grundgedanke und insofern ist die europäische DNA in unseren Produkten und Lösungen verankert. Und wenn es bestimmte Marktanforderung gibt, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass diese mit Förderungen verknüpft sind. Ein Beispiel sind die Vorgaben der EHPA, das fließt natürlich alles mit ein.  

Die Daikin Altherma 4 H Luft-Wasser-Wärmepumpe wurde im firmeneigenen Akustiklabor getestet.

- © Daikin
Vor ein paar Jahren mussten wir lernen, was passiert, wenn es auf einmal eine Verknappung gibt und man mit der Produktion nicht mehr hinterherkommt, wenn der Bedarf da ist. Das soll uns nicht nochmal passieren.

Europäische vs. japanische Wärmepumpe: Was sie unterscheidet

Zu den europäischen Spezialitäten: Daikin kommt aus Japan, wodurch unterscheiden sich europäische eigentlich von japanischen Wärmepumpen?

Springler: Was das technische Produkt betrifft, ist es wahrscheinlich egal, ob ich das in Japan in Australien, Amerika, Österreich, oder Belgien entwickle. Die Spezialität liegt darin, nicht nur ein Spitzenprodukt zu bringen, sondern dass es die Anmutung, das Aussehen und Funktionalität umfasst, die sich ein Europäer erwartet. Ein Beispiel: Eine Klimaanlage in Amerika funktioniert vom Prinzip her genauso wie eine in Europa. Nur in Amerika bläst diese Klimaanlage deutlich stärker, weil die Amerikaner das so wollen. In Europa hat man das nicht. Genau genommen ist es das gleiche Produkt, aber die Steuerung muss in Europa anders sein als in Amerika. Konkret soll das Beste aus zwei Welten verschmelzen: Japanische Ingenieurskunst und europäische Anforderungen. 

Ein Beispiel für die Ingenieurskunst von Daikin ist die neue Wärmepumpe Daikin Altherma 4 H, die im kürzlich eröffnen Werk in Polen produziert wird. Wie ist dort denn die Auslastung aktuell? 

Springler: Das Werk läuft aktuell noch nicht in voller Auslastung. Es ist das drittgrößte Daikin Werk weltweit. Die Produktionsstätte ist ein Investment in die Zukunft, für die wir mit Reservekapazitäten gerüstet sein wollen. Genau das ist das Positive: Daikin wird die Kapazitäten haben, die Nachfrage zu decken. Wir glauben an den europäischen Markt. Vor ein paar Jahren mussten wir lernen, was passiert, wenn es auf einmal eine Verknappung gibt und man mit der Produktion nicht mehr hinterherkommt, wenn der Bedarf da ist. Das soll uns nicht nochmal passieren.

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