Christian Rubin : Wie Windhager vom Mittelfeld in die Champions-League kommen will

Seit 1. Dezember lenkt Christian Rubin die Geschicke von Windhager als Chief Operating Officer. In dieser Funktion verantwortet er das Tagesgeschäft, für das der viel beschäftigte CEO Andreas Weißenbacher nicht immer zur Verfügung steht. Im ersten großen TGA-Interview spricht er über die Klimakrise als größte Herausforderung unserer Zeit, wie sich Windhager mit neuem Produktportfolio auf europäischer Ebene gegen am umkämpften Wärmepumpenmarkt durchsetzen will und warum man sich als Partner der Planungsbüros etablieren möchte.

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Wachstum als Vollsortimenter

Die wechselvolle Windhager-Geschichte der letzten Jahre ist ja bekannt. Worin siehst Du als neuer COO die größte Herausforderung für das Unternehmen? 

Christian Rubin: Die größte Chance für Windhager liegt darin, die vielfältigen internationalen Möglichkeiten, die sich durch die „Best Water Technologies“ (BWT) bieten, strategisch zu nutzen und daraus nachhaltiges Wachstum zu generieren. Der neue Eigentümer setzt dabei klare Ziele: Als Marktführer mit Aktivitäten in zahlreichen Ländern bringt er nicht nur umfassende Erfahrung, sondern auch ein weitreichendes Netzwerk ein, das Windhager zur Verfügung steht. Windhager, bisher bekannt für seine Zero-Emission Technology – für „Reinstes Heizen“ – und seine exzellente Biomasse-Organisation, wird nun zum perfekten Heizungsunternehmen, mit den effizientesten und leisesten windhagerNXT Wärmepumpen. Windhager ist bereits heute technologisch und organisatorisch ein optimaler Vollsortimenter im Heizungsmarkt.

Windhager als „exzellente Biomasse-Organisation“: Ist das auch die größte Stärke des Unternehmens, oder liegen die Stärken von Windhager woanders? 

Rubin: Windhager steht für wesentlich mehr als nur für das Heizen mit Holz. Natürlich ist Windhager der Pionier in Sachen „Reinsten Heizens“. Windhager war vor mehr als 25 Jahren eines der ersten Unternehmen, das Pelletkessel in bedeutender Stückzahl auf den Markt brachte. Von diesen Kesseln sind praktisch noch alle in Betrieb, da sie robust und auch einfach zu warten sind. Das ist natürlich eine unserer Kernkompetenzen. Windhager war traditionell aber immer ein Vollsortimenter am Heizungsmarkt, sowohl mit Gas- als auch Ölheizungen, und um die Jahrtausendwende machten wir dann den Schritt zu erneuerbaren Energien. In der Folge plante Windhager den Einstieg in den Wärmepumpen-Markt, was aber wie bekannt nicht besonders erfolgreich gestartet wurde. Jetzt, mit unseren Möglichkeiten – dank der BWT – und mit unserem strategischen Partner Heliotherm, sind wir bestens gerüstet, das Kapitel erfolgreich zu schreiben.

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Christian Rubin
Christian Rubin, COO Windhager/BHT - © BHT/Windhager

Best Heatpump: windhagernXT steht im Zentrum der neuen BHT-Strategie.

- © Windhager/BHT
Windhager steht für wesentlich mehr als nur für das Heizen mit Holz.

Verantwortung für die gesamte BHT-Gruppe

Andreas Weißenbacher bleibt als CEO von Windhager in der Gesamtverantwortung. Welche Aufgaben übernimmst Du als COO, also als Chief Operating Officer? 

Rubin: Dass Andreas Weißenbacher aufgrund seiner zahlreichen internationalen Aufgaben nicht immer für das Tagesgeschäft zur Verfügung steht, ist Fakt. In meiner Funktion als Chief Operating Officer (COO) trage ich die Gesamtverantwortung für die „Best Heating Technology“ (BHT) Gruppe. Dies umfasst nicht nur Windhager in Österreich, sondern auch die weiteren Tochtergesellschaften der Gruppe, wie die Windhager-Unternehmen in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und Italien sowie den Export. Ich verstehe mich als der operative Chef der BHT Gruppe als Sparringpartner meiner Kolleg*innen und Mitarbeiter*innen sowie als Partner unseres Eigentümers, der Feuer und Flamme zugleich für unsere Windhager / BHT ist. Ich verantworte die Umsetzung unserer Strategie im gesamten Unternehmensverbund und sorge dafür, dass die definierten Ziele in den einzelnen Märkten und Gesellschaften erfolgreich in die Praxis realisiert werden.

Du warst lange Zeit in Führungspositionen bei Bösch und Viessmann, also auch bei Vollsortimentern, aber immer mit Fokus auf Erneuerbare und Biomasse. Welche Erfahrungen kannst Du da einbringen, und was sind die Ziele bei Windhager? 

Rubin: Das Ziel für Windhager ist klar definiert: Das Unternehmen wird nicht länger im Mittelfeld der Heizungshersteller agieren, sondern sich klar in der Spitzengruppe etablieren. Dabei steht nicht nur die Steigerung des Marktanteils im Fokus, sondern auch die kontinuierliche Erhöhung der Schlagzahl und des Innovationsgrades. Sowohl das Windhager-Team als auch der Eigentümer werden Windhager als führenden Anbieter moderner Heizsysteme am Markt etablieren. 

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Windhager CEO Andreas Weißenbacher (li., mit Sommerauer-Geschäftsführer Herbert Oitner)

- © BHT Best Heating Technology
Windhager wird nicht nur die aktuelle Marktposition verbessern, sondern alles daran setzen in Kürze in der „Champions-League“ der Heizungsbranche mitzuspielen.

Von Platz 6 in Richtung Spitze

Wo steht Windhager derzeit? 

Rubin: Derzeit ist Windhager die Nummer 6 unter den österreichischen Heizungslieferanten und damit im Mittelfeld aktiv. Um dies anschaulich zu verdeutlichen, lässt sich die Situation mit dem Fußball vergleichen: Windhager musste bislang nie um die Relegationsplätze kämpfen, sodass die Gefahr eines Abstiegs zu keiner Zeit bestand. Gleichzeitig war das Unternehmen jedoch auch stets von einer Qualifikation für internationale Wettbewerbe entfernt. Für die Zukunft ist das Ziel klar: Windhager wird nicht nur die aktuelle Marktposition verbessern, sondern alles daran setzen in Kürze in der „Champions-League“ der Heizungsbranche mitzuspielen. 

Da gilt es international aber gegen sehr große Gegner zu bestehen, vor allem wenn die Wärmepumpe im Mittelpunkt stehen soll. Sogar Viessmann ist bekanntlich zu dem Schluss gekommen, dass man als europäisches Familienunternehmen zu klein ist, um gegen die asiatischen und globalen Konzerne zu bestehen. Wie soll das Windhager gelingen? 

Rubin: Ich glaube, dass man hier als Firma Viessmann vielleicht zu schnell, in übertriebener Ehrfurcht vor „Großkonzernen“, gehandelt hat. Wir bei Windhager vertrauen auf die vielen tausenden hochprofessionellen Partnerbetriebe, Installateure, Planer, Investoren und Marktpartner. Mit Windhager und unseren hochinnovativen, ökologie- und ökonomie-optimierten Heiz- und Energielösungen trauen wir uns sehr wohl, getragen von gelebter Partnerschaft, eine mit unseren Installateuren erfolgreiche gemeinsame Zukunft zu. 

Ich glaube, dass man hier als Firma Viessmann vielleicht zu schnell, in übertriebener Ehrfurcht vor „Großkonzernen“, gehandelt hat.
Christian Rubin, COO Windhager/BHT

Best Biomass: Langjährige Windhager-Kompetenz im Mittelpunkt

- © Windhager/BHT

Drei Produktsegmente: BIomasse, Wärmepumpe, Hybrid

Mit welchen Produkten sollen die gegebenen Herausforderungen des Marktes bewältigt werden?

Rubin: Unsere Firma konzentriert sich auf drei wesentliche Segmente sowie unsere Mission vom „Reinsten Heizen“, die maßgeblich für die erfolgreiche Strategie-Umsetzung sind. Im Mittelpunkt steht die Biomasse, die das Herzstück unseres Portfolios bildet und unsere langjährige Kompetenz in diesem Bereich widerspiegelt. Ein weiteres zentrales Segment sind Hybrid-Anlagen. Diese Systeme kombinieren verschiedene Energiequellen wie Wärmepumpen, Biomasse, Gas oder Öl und bieten dadurch flexible Lösungen für unterschiedliche Anforderungen. Schließlich setzen wir auf die Wärmepumpe, die unter unserer neuen Marke windhagerNXT – Best Heatpump Technology – umgesetzt wird. Hier bieten wir ein breites Spektrum an Lösungen an, welches von hocheffizienten DELUXE-Varianten mit SCOP 6+ – die in Kooperation mit Heliotherm umgesetzt werden –, bis hin zu den preiswerten EDEL-Produkten reicht, die speziell für den Massenmarkt konzipiert sind. EDEL steht für Efficiency, Durability, Economy/Ecology und Luxury. Damit können wir unterschiedlichste Kundenbedürfnisse erfüllen und unsere Wettbewerbsfähigkeit und Marktposition im internationalen Markt weiter ausbauen.

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Die größte Herausforderung unter den drei Segmenten bleibt aber die Wärmepumpe, oder? 

Rubin: In Europa konkurrieren über 100 Wärmepumpenanbieter. Um erfolgreich zu sein, braucht es innovative und anpassungsfähige Lösungen, die mehr als nur Preis bieten. Für Windhager, mit Präsenz in über 20 Ländern, ist daher eine flexible Basiskonfiguration der Produkte notwendig, um unterschiedliche Marktbedürfnisse zu befriedigen. 

Best Hybrid: Mit Lösungen für unterschiedlichste Anforderungen will Windhager die Planungsbüros ansprechen.

- © Windhager/BHT

Best Heatpump Technology

BWT hat zwar langjährige Erfahrung mit Wärmepumpen in der Schwimmbad-Beheizung und der Kooperation bei asiatischen Partnern. Aber das Windhager Wärmepumpen-Konzept in wenigen Monaten auf dem europäischen Markt auszurollen, wirkt wirklich sehr ambitioniert.

Rubin: Wir sind für den Start und den Markteintritt sowohl technologisch als auch organisationstechnisch gut vorbereitet. Wir werden gemeinsam mit unseren kompetenten Installateur-Partnern, den Windhager Heizungsprofis, im Sinne unseres Slogans „windhagerNXT – Best Heatpump Technology – For You and Planet Blue“ den Markt mit qualitativ hochwertigen super leisen und effizienten Wärmepumpen bearbeiten. 

Die Turbulenzen am Wärmepumpen-Markt seit 2022 sind bekannt: Wie ist die Prognose für 2026 und die kommenden Jahre?

Rubin: Wärmepumpen sind eine klimafreundliche Heizlösung. Strengere Klimaziele, steigende CO₂-Preise und auch Förderprogramme werden den Absatz kontinuierlich steigen lassen. Die Wärmepumpen sind sowohl im Neubau als auch in der Renovation eine gefragte Lösung. 

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Windhager wird in diesem Jahr noch einen neuen Gaswandkessel auf den Markt bringen, der „Wasserstoff-ready“ ist.

Raus aus den Förderungen ist möglich

„Raus aus dem Förderungsgetriebe“ ist eines der erklärten Ziele des neuen Eigentümers. Andreas Weißenbacher hat BWT ja auch in einem Markt außerhalb staatlicher Förderungen aufgebaut. Ist das im Heizungsmarkt möglich? Und wie könnte das gelingen? 

Rubin: Ja, es ist möglich! Wenn ich eine Technologie anbiete, die interessant, erneuerbar und nur geringfügig teurer ist, wird sich das bessere Angebot durchsetzen. Wir beobachten zwar, dass Nachhaltigkeits- und Erneuerbaren-Themen derzeit in der Bedürfnispyramide nach hinten gerückt sind. Betrachten wir jedoch die zahlreichen Krisen weltweit, so sticht die Klimakrise als die größte hervor. Langfristig ist sie die einzige Krise, die für alle Menschen von Bedeutung sein wird. Daher wird das Thema seine Brisanz behalten und wir werden langfristig mit unseren Lösungen erfolgreich sein. 

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Jetzt versteht sich Windhager als Vollsortimenter: Wie soll es mit Öl und Gas weitergehen? 

Rubin: Im Sinne einer nachhaltigeren Ausrichtung wurde die Produktion und der Verkauf von Ölkessel schon vor Jahren beendet. Übrig bleibt Gas, welches insbesondere in Kombination mit Wasserstoff ein interessantes Zukunfts-Thema darstellt. Durch Erhöhung des Wasserstoff-Anteils lässt sich dort jedoch viel in Bezug auf die CO₂-Reduktion erreichen. Windhager wird in diesem Jahr noch einen neuen Gaswandkessel auf den Markt bringen, der „Wasserstoff-ready“ ist.

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Das Potenzial der Biomasse

Im Gegensatz zur Wärmepumpe gibt es für Biomasse außerhalb Mitteleuropas doch einigen Gegenwind. Wie sind da die Wachstumsaussichten? 

Rubin: Biomasse nimmt auf dem internationalen Heizungsmarkt weiterhin eine Nischenrolle ein. Es gibt zwar Märkte mit beachtlichem Wachstumspotenzial, aber es wird kein so stark wachsender Markt wie der der Wärmepumpen. Im Gegensatz zur Wärmepumpe konkurrieren jedoch deutlich weniger Unternehmen um den Biomasse-Markt. Tatsächlich dominieren österreichische Hersteller den Markt. „Best Biomass mit Purest Heating“ ist unser Anspruch und eine unserer drei strategischen Säulen. Das einzigartige Know-how der Zero-Emission-Technology – ohne Elektrofilter – zeichnet Windhager aus. 

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Vom "Brain Drain" zum "Brain Gain"

Windhager hat in letzter Zeit einigen „Brain-Drain“ beklagen müssen. Wie ist die aktuelle Situation: Konnte das gestoppt werden, bleiben die Leute an Bord? 

Rubin: Es mag sein, dass das vor der Insolvenz vor zwei Jahren das ein Thema war. Aber seitdem unser neuer Eigentümer die Geschicke der Gruppe lenkt, gibt es bei uns einen erheblichen „Brain Gain“ – ich zähle mich auch dazu. Es macht mir richtig Freude, mit meinem hervorragenden lokalen und internationalen Team die Geschichte „Reinsten Heizens by Windhager“ zu schreiben.

Ein Teil dieser Geschichte ist „Customized Solutions by Windhager“, das am Sommerauer-Standort in St. Pantaleon etabliert wird. Warum ist dieses Projekt so wichtig für Windhager? 

Rubin: Windhager positioniert sich nicht nur als Heizungslieferant, sondern auch als Partner der Planungsbüros mit maßgeschneiderten und serienfertigen Lösungen für Großprojekte bietet. 

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Neuer Fokus auf Planungsbüros

Die Planer*innen sind für Windhager ein neuer Fokus, wenn ich das richtig sehe. Bisher lag der Schwerpunkt traditionell bei den Installateur*innen. Wie soll diese Zielgruppe bespielt werden? 

Rubin: Wir erweitern derzeit unser Profi-Team mit Spezialist*innen, die sich neben dem Verkauf auch gezielt um die Betreuung der Planer kümmern. Vor allem haben wir die partnerschaftliche Arbeit mit Planungsbüros in Österreich, Deutschland und der Schweiz – auch mit dem Portfolio aus unserem Firmenverbund – im Fokus.  Wir setzen auch hier auf die Kooperation und die Möglichkeiten, die uns BWT bietet. In unseren Headquarters in Mondsee und Seekirchen stellen wir die Welt des Heizens und die Welt des Wassers vor, schulen unsere Partner und bieten perfekte Kundenspezifische Lösungen im Rahmen unserer „Best Building Technologies“ an. 

Die Pläne sind ambitioniert: Woran soll man in zwei, drei Jahren merken, dass bei Windhager neue Leute am Ruder gewesen sind? 

Rubin: Man wird die Entwicklung unserer Firmengruppe an der Kundenzufriedenheit, an den Marktanteilen sowie an unseren Innovationsleistungen sehen und messen können. 

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