VÖK-Marktstatistik : Minus für den österreichischen Heizungsmarkt
Inhalt
- VÖK: Kritik an der Förderstrategie
- Blick auf 2025: Abwartehaltung wegen der Bundesförderung
- Der österreichische Heizungsmarkt 2025 in Zahlen
- VIZ: Fachkräfte nicht vergessen
- Bundesinnung: Lehrberuf neu in Begutachtung
- Heizkesseltausch nur mit Dämmung?
- Fertigbau kam gut durch 2025
- 2026: Vorsichtige Prognosen
Robert Schneider, Geschäftsführer Messe Wels, Christian Murhammer, Geschäftsführung Fertighausverband, Franz Wastlbauer, Vorstandsmitglied ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, Elisabeth Berger, VÖK-Geschäftsführerin, Anton Berger, Bundesinnungsmeister der Sanitär-, Heizungs- und Lüftungstechniker*innen, Alexander Sollböck, Obmann Verband der Installations-Zulieferindustrie (VIZ) und Helmut Weinwurm, Vorsitzender der VÖK (v.l.n.r.) in der neuen Welser Messehalle 22.
- © Messe Wels/Roland PelzlMit einem Besucherplus von 18 Prozent am ersten Fachtag ist der Energiesparmesse Wels 2026 ein vielversprechender Start gelungen. Das verriet Messedirektor Robert Schneider bei der traditionellen Auftaktpressekonferenz, die dieses Jahr erstmals in der neu gebauten Messehalle 22 stattfand. Im effizienten Neubau findet ab sofort der Baubereich der Messe sein neues Zuhause.
Die Niedrigstenergie-Halle heizt mit Fernwärme und kühlt über Grundwasser. Auch eine Photovoltaikanlage ist geplant, dazu kommen LED-Leuchten, und Dreifachverglasung für Wärmedämmung – ein idealer Treffpunkt also für das diesjährige Podium: VÖK-Geschäftsführerin Elisabeth Berger moderierte das Paneel mit Robert Schneider, VÖK-Vorsitzendem Helmut Weinwurm, Bundesinnungsmeister Anton Berger, VIZ-Obmann Alexander Sollböck, Fertighausverband-Geschäftsführer Christian Murhammer und Franz Wastlbauer, Vorstandsmitglied der ARGE Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme.
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VÖK: Kritik an der Förderstrategie
Das Gespräch stand erneut im Zeichen der österreichischen Förderpolitik – einerseits mit Blick auf die Auswirkung der ausgelaufenen "Raus aus Öl und Gas"-Schiene auf 2025 und andererseits anlässlich der Anpassung der Sanierungsoffensive Anfang Februar und ihren möglichen Folgen für 2026. Die Vereinigung österreichischer Kesselindustrie (VÖK) forderte gar eine umfassende Neuausrichtung der österreichischen Heizungsstrategie: Dezentrale Energiesysteme und Technologieoffenheit seien die Schlüssel, um Haushalte und Betriebe kosteneffizienter aufzustellen. „Einseitige Vorgaben schaden der Versorgungssicherheit und machen die Energiewende für die Bürger unnötig teuer", warnte VÖK-Geschäftsführerin Elisabeth Berger davor, sich einseitig auf einzelnen Technologien zu fokussieren, um den Sanierungsstau nicht weiter zu verschärfen.
Die Sanierungsziele der EU sind nämlich ambitioniert: Die Gebäuderichtlinie (EPBD) will den Gebäudesektor bis 2040 vollständig dekarbonisieren. Die VÖK verwies auf den dafür notwendigen niedrigen Gebäudeenergiebedarf und die ebenso notwendigen thermischen Sanierungen. Mittelfristig erwartet sich die Vereinigung daher, dass dezentrale Heizsysteme wieder an Bedeutung gewinnen, da geringere Abnahmemengen leitungsgebundene Wärme unwirtschaftlich machen würden.
Auch sonst blieb die Vereinigung ihrer Linie treu und pochte auf Hybridheizungen und ihre Aufnahme in die Bundesförderung. Konkret fordert sie einen Wegfall der Verschrottungspflicht bei der Sanierungsförderung, die Akzeptanz dezentraler und hybrider Systeme im Neubau und die Streichung des Fernwärmegebotes – eine Kerbe, in die auch der VIZ und die Bundesinnung schlugen.
Blick auf 2025: Abwartehaltung wegen der Bundesförderung
Förderungen treiben den Heizungsmarkt, das haben die letzten Jahre bewiesen. So auch 2025: Nachdem die bis 2026 vorgesehen Fördermittel im Dezember 2024 ausgeschöpft waren, dauerte der Neuanlauf des neuen Förderprogramms bis November 2025. Die daraus resultierende Abwartehaltung der Endkund*innen war spürbar, auch der neue Fördertopf leerte sich trotz der Anpassungen rasch. Den Sanierungsbonus gibt es für das laufende Jahr seit 2. Februar nicht mehr. Grund dafür ist, dass die Mittel offenbar vorrangig für thermische Sanierungen im mehrgeschossigen Wohnbau reserviert wurden. Darüber, die Förderanpassung der richtige Schritt war, war man sich am Podium freilich nicht einig.
>> Branchenreaktionen auf die neue Sanierungsoffensive
Ein Dorn im Auge der Diskussionsrunde: Dass Projekte wie diese häufig auf Fernwärme setzen, eben auch weil die aktuelle Sanierungsoffensive ein Fernwärmegebot enthält. Während die Zahl der mit Fernwärme versorgten Wohneinheiten wuchs, nahm die Nachfrage nach dezentralen Heizungsanlagen 2025 ab. Insgesamt wurden im letzten Jahr 92.500 Heizungsanlagen verkauft, 11 Prozent weniger als 2024 (104.000 Anlagen).
Der österreichische Heizungsmarkt 2025 in Zahlen
Am meisten nachgefragt waren 2024 Wärmepumpen mit 36.100 Stück, das entspricht einem Marktrückgang von 21 Prozent (2024: 45.900 Anlagen). Darunter erfreut sich die Luft-Wasser Wärmepumpe ungebrochener Beliebtheit, 83 Prozent der verkauften Anlagen sind in diesem Segment zu finden.
Holzheizungen für heimische Pellet, Hackgut und Stückholz kamen auf 23.500 Anlagen und ein Minus von 19 Prozent (2024: 28.850 Anlagen). Hier wurden überwiegend vollautomatische Pelletheizungen verkauft, die rund 80 Prozent des Marktes ausmachen.
Ein Plus von 14 Prozent gab es hingegen bei den Gasheizungen mit 31.900 Geräten (2024: 30.000 Anlagen). Ölkessel wurden 1.100 Stück verkauft, das ist ein Plus von 29 Prozent. Für Solarthermie und Photovoltaik wird von einem Rückgang zwischen 20 und 30 Prozent ausgegangen.
VIZ: Fachkräfte nicht vergessen
Die Förderung kann den Markt zwar ankurbeln, jedoch drohe der Fachkräftemangel über kurz oder lang zum entscheidenden Bremsfaktor zu werden, warnte Alexander Sollböck. „Die Branche steht unter Volllast – aber nicht überall dort, wo wir es in den vergangenen Jahren gewohnt waren“, erklärte der Obmann des VIZ. Aktuelle Umfragen des Verbands würden eine Verlagerung der Montagekapazitäten von der Heizung hin zum Sanitärbereich zeigen – „eine positive Entwicklung für die Sanitärbranche, die in jüngerer Vergangenheit teils starke Rückgänge hinnehmen musste".
Ein Beispiel aus Tirol verdeutlicht die Dimension des Problems: Allein die 22 dort aktiven VIZ-Ingenieure melden über 70 offene Stellen, von denen aktuell nur rund ein Drittel besetzt werden kann. Mit den steigenden Temperaturen verschärft sich die Situation weiter, denn die Lüftung und Klimatisierung werden zu einem weiteren Wachstumstreiber. „Damit stehen wir als Branche gemeinsam vor einer großen Aufgabe – aber auch vor vielen neuen Chancen“, so Sollböck.
Bundesinnung: Lehrberuf neu in Begutachtung
Dem Nachwuchsthema widmete sich auch Bundesinnungsmeister Anton Berger bei der Präsentation der aktuellen Branchenzahlen. Auch 2025 war die Lehre "Installations- und Gebäudetechnik“ der fünftbeliebteste Lehrberuf bei Burschen. Aktuell bilden etwa 1.500 Ausbildungsbetriebe rund 4.180 Lehrlinge aus. Insgesamt vereint die Branche aktuell 7.753 Mitgliedsbetriebe und rund 36.000 Arbeitnehmer*innen.
Die Innung setzt sich außerdem für einen geänderten Lehrberuf "Installation- und Energietechnik ein", dieser sei aktuell in Begutachtung, wie Berger informierte. „Es gibt viele leergefischte Teiche, wenn wir den Köder – also unser Berufsbild – attraktiveren, wird wieder vieles an Fachkräften über unsere Ausbildungsbetriebe auf den Markt kommen", zeigte sich der Bundesinnungsmeister überzeugt.
>> Wann der geänderte Lehrberuf „Installations- und Energietechnik“ nun wirklich kommt
Heizkesseltausch nur mit Dämmung?
Gegenwind zur angepassten Förderung kam erwartungsgemäß von der Qualitätsgruppe Wärmedämmsysteme, einer freiwilligen Arbeitsgemeinschaft der vier größten Anbieter von Wärmedämmverbundsystemen in Österreich. Sie vertrat eine klare Botschaft: Kein Heizkesseltausch ohne Dämmung. „Wenn unser Ziel ist, CO₂ einzusparen, dann funktioniert das nur mit einem vernünftigen Sanierungsfahrplan, der Maßnahmen für das beste Ergebnis aufeinander abstimmt“, betonte Vorstand Franz Wastlbauer.
Für die Energiewende und vor allem die Klimaneutralität 2040 müsse der Energieverlust über die Gebäudehülle reduziert werden, damit ein Heizkesseltausch sinnvoll sei. Weiters sei die Förderung der Sanierung auch gut für den Staatshaushalt, beruft sich die Arbeitsgemeinschaft auf eine Studie der Johannes-Keppler-Universität: Laut ihr fließen für jeden in Sanierung und Bau investierten Euro rund zwei Euro über Steuern und Sozialversicherungsbeiträge an den Staat zurück. Durch die staatlich geförderte thermische Sanierungsoffensive 2023–2024 belief sich der Rückfluss aus direkten und indirekten Steuern auf 1,6 Milliarden Euro. „Die Sanierung hat sich selbst finanziert", monierte Wastlbauer.
Fertigbau kam gut durch 2025
Einer der wenigen Gewinner war 2025 die Sparte Fertigbau. Nach schwierigen Jahren ging es 2024 und 2025 wieder aufwärts, berichtete Fertighausverband-Geschäftsführer Murhammer: „So richtig schlecht geht es aktuell zum Glück keiner Fertighausfirma." 2025 stiegen die Auftragseingänge um 28 Prozent. Schwieriger sei die Situation aktuell im großvolumigen Wohnbau, Murhammer wittert dort Chancen für die serielle Sanierung. „Wir können wesentlich mehr als Einfamilienhäuser auf eine grüne Wiese zu klatschen", wie er betonte.
Als Vorbild für ganz Österreich nannte er zudem die jüngste Novelle der Niederösterreichischen Bauordnung: Die Reform bringt Vereinfachungen für Zu-, Auf- und Umbauten. Das soll die Sanierung attraktiver machen, den Ausbau von Altgebäuden verbilligen und Neuerrichtung von bestehenden Gebäuden erleichtern. Sie erlaubt die nachträgliche Errichtung von weiteren Wohnungen in einem bisher nicht ausgebauten Dachboden, mehr Möglichkeiten bei der Bebauung des Bauwichs, oder die Wiedererrichtung von Bauwerken in den gleichen Strukturen wie der Bestand.
2026: Vorsichtige Prognosen
Für 2026 waren die Prognosen der Branchenvertreter*innen eher verhalten. Von einem 2026, "das nicht leichter wird" bis zu einem "Licht am Ende des Tunnels" war die Rede unter den Diskutierenden. Worin man sich jedoch einig war: Potenzial und Arbeit gibt es zumindest in der Theorie mehr als genug.